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Ein Wirt über die G-20-Gewalt : „Unser Schmerz lässt jetzt nach“

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Sokratis Apostolidis betreibt seit 40 Jahren ein Restaurant auf dem Hamburger Schulterblatt. So etwas wie die Ausschreitungen während des G-20-Gipfels hat er noch nie erlebt. Die Solidarität am Sonntag versöhnt ihn wieder ein wenig.

          Sokratis Apostolidis ist heiser. Die letzten Tage waren einfach zu viel für den Wirt. Sein Restaurant befindet sich wenige Meter von dem Rewe-Supermarkt in Hamburg entfernt, den marodierende Banden während des G-20-Gipfels in der Nacht zum Samstag geplündert und angezündet hatten. Es war eine Nacht, wie er sie in den 70 Jahren seines Lebens noch nicht erlebt hat.

          Am Sonntag ist zum Glück alles anders: Mit krächzender Stimme erzählt Apostolidis, dass schon den ganzen Tag Besucher und Anwohner in sein Restaurant strömen, sich nach seinem Befinden und dem seiner Frau erkundigen. „So viel Anteilnahme habe ich noch nie erlebt“, sagt Apostolidis. Er ist begeistert von der Aktion „Hamburg räumt auf“, die am Sonntag Tausende mit Besen, Eimern und Kratzschwämmen auf die Straßen gebracht hat. „Ich finde es unheimlich toll, dass alle mithelfen“, sagt er. „So kann unser seelischer Schmerz nachlassen.“

          Feuer und Plünderungen auf dem Schulterblatt: Sokratis Apostolidis harrte wenige Meter entfernt die Nacht über aus.

          Seit 46 Jahren ist Apostolidis in Deutschland, seit 41 betreibt er sein Restaurant auf dem Schulterblatt im Herzen des Hamburger Schanzenviertels, über dem seine Wohnung liegt. Doch Freitagnacht hat er seine Frau zum ersten Mal in seinem Leben aus Angst weinen sehen.

          Erst morgens um halb fünf Entwarnung

          Gegen 23 Uhr verriegelten die beiden die Tür des Restaurants, ließen die Gäste, die gehen wollten, zum Notausgang hinaus. Sie knipsten die Lichter aus und harrten im Dunkeln aus, während es in ihrer Nähe klirrte und qualmte. Stundenlang fürchteten sie, das Feuer würde auf ihr Haus übergreifen oder ein Maskierter würde ihre Scheibe einschlagen und das Restaurant plündern und auch sie müssten das Lokal durch den Notausgang verlassen.

          Erst gegen halb fünf Uhr morgens gaben Nachbarn und die Feuerwehr Entwarnung: Der Brand im Supermarkt war gelöscht. In der Nacht zum Sonntag gab es dann zwar wieder Ausschreitungen, doch die seien nicht vergleichbar gewesen. Die Polizei sei rechtzeitig da gewesen und hätte die Lage unter Kontrolle gehabt.

          Im Vorfeld hatten Apostolidis und seine Frau die Idee, weiße Bettlaken aus den Fenstern in der Straße zu hängen, als Zeichen gegen den schwarzen Block. Doch niemand nahm die Idee auf und sie wollten nicht die einzigen sein und so womöglich noch aggressive Reaktionen der Autonomen provozieren. Der Wirt war enttäuscht, dass niemand sich für den „weißen Block“ begeistert hatte. Die Aktion „Hamburg räumt auf“ hat ihn jetzt aber versöhnt, erzählt er. Dann klingeln wieder die Glocken an seiner Ladentür. Und er muss weg, gute Wünsche entgegennehmen.

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