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Der Tag in der Hansestadt : Hamburg, ein Katz- und Mausspiel

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Ein Tag in Hamburg: Wasserwerfer, Polizisten und Demonstranten auf den Straßen der Hansestadt Bild: Henning Bode

Hamburgs Straßen versinken am Morgen in Gewalt – doch auch danach stehen die Wasserwerfer nicht still. Die Reporter von FAZ.NET haben den „Schwarzen Block“ beobachtet und mit Opfern gesprochen.

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          Als Hamburg am Abend vor dem Beginn des G-20-Gipfels zu Bett ging, war die Situation schon eskaliert. Doch der Morgen ließ nicht auf sich warten und zeigte ein noch brutaleres Vorgehen: brennende Autos, eingeschlagene Fensterscheiben – und ein „Schwarzer Block“, der in Hamburgs Straßen wütete. Mit Hamburg an diesem Freitag wurde eine Stadt geopfert.

          Die Reporter von FAZ.NET beobachteten den ganzen Tag die Entwicklungen, sprachen mit Opfern, die geschlagen und getreten oder deren Autos angezündet wurden. In dem Video erzählt auch der Generalkonsul der Mongolei. Ihm zufolge könne die Polizei nicht mehr für seine Sicherheit garantieren.

          Nach den heftigen Ausschreitungen kühlte sich die Stimmung etwas ab – es wurde mit friedlichen Mitteln demonstriert. So wurde gegen 15.40 Uhr am Millerntorplatz versucht, eine spontane Demo anzumelden, auch wenn das gegen das Versammlungsverbot verstieß. Die Veranstalter sagten dort über einen Lautsprecherwagen: „Wir sind hier, aber wir bewegen uns auch. Fünf Finger sind eine Faust.“ Damit ist die Taktik gemeint, in verschiedenen Großgruppen in die blaue Zone, die Sicherheitszone, einzudringen.

          Unter ihnen, so berichteten unsere Reporter, versteckten sich viele Autonome mit schwarzen Kapuzen. Womöglich gönnten sie sich eine kleine Auszeit von den Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Polizei ließ sie erst gewähren, die Spontan-Demo setzte sich in Bewegung – in Richtung Landungsbrücken. Doch dann wieder: brennende Bengalos, begleitet von „Anticapitalista"-Rufen. Und auch das war zu beobachten: friedliche Demonstranten, die dem Schwarzen Block applaudierten, berichteten die FAZ.NET-Reporter gegen 16 Uhr. Etwas später folgt eine leichte Eskalation: Die Polizei setzt ihre Wasserwerfer ein.

          Gegen 18 Uhr schrieb unser Reporter Sebastian Eder von den Landungsbrücken: „Trotz des Versammlungsverbots zogen Tausende Menschen durch die Straße in Richtung Elbphilharmonie. Sie zogen in mehreren großen Gruppen durch die Straßen, um sich dann vor den Landungsbrücken zu treffen. Auch der Schwarze Block marschierte durch die Straßen – unter den friedlichen Demonstranten vermischt.“

          Die Polizei forderte die Autonomen auf, keine Steine zu schmeißen, sonst würde man Wasserwerfer einsetzen. Aus dem Schwarzen Block flogen dann aber Steine, die Polizei setzte die Wasserwerfer ein und stürmte schließlich die Straße. Ein erster Trupp der Polizei wurde von Steinewerfern zum Rückzug gezwungen – woraufhin die Wasserwerfer auf die Brücke zujagten und es zu minutenlangen Jagdszenen an den Landungsbrücken kam. Zurück blieben verletzte Polizisten, die Autonomen verstreuten sich wieder in der Stadt.

          Das Resümee des Tages ist ernüchternd: Viele Polizisten wurden von Flaschen getroffen, seit gestern Abend 160 Beamte verletzt. Über die Zahl verletzter Demonstranten gab es keine Angaben. Nur so viel: 71 Festnahmen, teilte die Polizei Hamburg am Freitagabend per Twitter mit. Ihr Polizeisprecher kündigte am Freitag ein konsequentes Vorgehen gegen Rechtsverstöße an. Das Katz- und Mausspiel dürfte weitergehen. Für 20 Uhr hatten Linksextreme die nächste Demo angekündigt – auf der Reeperbahn. Noch scheint ausreichend Energie vorhanden zu sein.

          Alle aktuellen Entwicklungen können Sie bei uns im FAZ.NET-Liveblog mitverfolgen.

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