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Frauenquote : EU setzt Unternehmen letzte Frist

  • Aktualisiert am

EU-Kommissarin Viviane Reding: „Ich bin kein großer Fan von Quoten. Aber ich mag sehr, was Quoten bringen“. Bild: dpa

Europas Unternehmen müssen sich auf eine Frauenquote für Führungspositionen einstellen. EU-Kommissarin Reding hat den Konzernen eine Frist bis Ende Mai gesetzt. Dann will die Kommission über konkrete Maßnahmen bis zum Gesetzesvorschlag entscheiden.

          EU-Kommissarin Viviane Reding will Frauen per Quote in die männerdominierten Unternehmensvorstände befördern. Aller Appelle zum Trotz sei der Anteil weiblicher Führungskräfte europaweit nur minimal auf 13,7 Prozent gestiegen, sagte Reding am Montag in Brüssel. Sie setzte den Konzernen und Interessengruppen eine Frist bis Ende Mai, um Stellung zu nehmen. Im Anschluss werde die Kommission über konkrete Maßnahmen bis zum Gesetzesvorschlag entscheiden. „Ich bin kein großer Fan von Quoten“, sagte Reding. „Aber ich mag die Ergebnisse, die sie bringen.“

          Frauenanteile nach Unternehmensart in Prozent Bilderstrecke

          Damit drohen auch der deutschen Wirtschaft verpflichtende Vorgaben. Im Herbst hatten die großen Konzerne eine nationale Quote noch erfolgreich abgeschmettert. Die Bundesregierung setzt weiter auf Freiwilligkeit. Aber Redings Geduldsfaden ist endgültig gerissen. Die für Gleichstellungsfragen zuständige Justiz-Kommissarin hatte die börsennotierten Unternehmen vor einem Jahr aufgefordert, sich selbst auf mehr Frauen in Spitzenpositionen zu verpflichten. Ihre Initiative, den Anteil bis 2015 auf 30 und bis 2020 auf 40 Prozent zu heben, hätten aber nur 24 Firmen unterzeichnet. Und darunter keine einzige aus Deutschland.

          „Es ist schade, dass die Selbstverpflichtung keine zufriedenstellenden Ergebnisse gebracht hat“, sagte Reding. Dabei schade sich Europa durch den Verzicht auf weibliche Führungsstärke. Sie verwies auf zwei Studien der Unternehmensberatungen McKinsey und Ernst & Young, wonach Frauen in Vorständen den Gewinn steigern. Es sei nun „höchste Zeit, dass wir den Glasdeckel aufbrechen, der weibliche Talente am Sprung in die Führungsetagen hindert.“

          Für ihr Anliegen hat die Luxemburgerin breite Rückendeckung im EU-Parlament und in der Bevölkerung. Nach einer am Montag veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage sind neun von zehn Europäern dafür, dass Frauen bei gleichen Qualifikationen auch genau so viele Top-Positionen wie ihre männlichen Kontrahenten erhalten. 75 Prozent der Befragten halten eine gesetzliche Quote für angebracht. Die Hälfte sieht Geldbußen als angemessensten Weg, entsprechende Vorgaben durchzusetzen. Für ein Gesetz bräuchte Brüssel allerdings auch die Zustimmung aus den Hauptstädten.

          Schon vor über einem Jahr hatte Reding mit den Vorstandschefs großer Unternehmen beraten und mit wiederholt Vorgaben auf EU-Ebene gedroht. Auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier unterstützt die Frauenquote und will sie in der EU vorantreiben.

          Nur wenig Fortschritte

          Auch wenn die Männerdomäne im öffentlichen Bewusstsein längst nicht mehr akzeptiert wird, zeichnet sich kein eindeutiger Trend zu mehr Chancengleichheit ab. Zwar stieg der Frauenanteil in den zurückliegenden zwölf Monaten um 1,9 Prozentpunkte. Doch die Zahl der Frauen, die es bis in die Chefsessel der Vorstandsetagen geschafft haben, sank von 3,4 auf 3,2 Prozent.

          In Deutschland sieht das Bild - trotz der Abwehr fester Quoten - nicht ganz so schlecht aus. In der Bundesrepublik sind zur Zeit 15,6 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt, drei Prozentpunkte mehr als noch vor 15 Monaten. Unangefochtener Vorreiter ist Finnland mit einem Anteil von 27,1 Prozent. Den größten Sprung zur Gleichstellung hat Frankreich gemacht. Dort wurde vor einem Jahr eine Quote eingeführt. Seit dem ist der Anteil um zehn Punkte auf 22,3 nach oben geschnellt. Für Reding ist das Ziel damit aber noch lange nicht erreicht, auch nicht in Paris: Für angemessen hält sie, dass vier von zehn Vorständen mit weiblicher Kompetenz besetzt sind. Ohne Quote würden bis dahin noch 40 Jahre verstreichen, meint die Luxemburgerin.
           

          Hohe Lohnunterschiede in Deutschland

          In keinem anderen europäischen Land ist das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern so groß wie in Deutschland. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag mit. In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt bei 16 Prozent. In Norwegen etwa bekommen Frauen lediglich 8,4 Prozent und in Belgien 8,9 Prozent weniger. (Reuters)

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