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Wahlkampf in Frankreich : Fillon und Macron buhlen um Merkels Gunst

Emmanuel Macron sucht das Gespräch mit Angela Merkel. Bild: AP

Der Präsidentenwahlkampf wird härter: Kandidat Emmanuel Macron möchte die deutsche Kanzlerin treffen. Sein Rivale François Fillon will genau das unbedingt verhindern.

          Wird Angela Merkel in Kürze den französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron zu einem Gespräch in Berlin empfangen? Diese Frage ist am Freitag zum Politikum in Paris geworden. Macrons Rivale um den Einzug in die entscheidende Stichwahlrunde am 7. Mai, François Fillon, hat wissen lassen, dass er darüber nicht erfreut wäre. Das Nachrichtenmagazin „Le Point“ schreibt gar, Fillon sei „wütend“. Mehrere Parteigranden, darunter der langjährige Vorsitzende der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Joseph Daul, sollen im Bundeskanzleramt vorstellig werden, um Merkel von einem Gespräch mit Macron abzubringen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Seinerzeit hatte Nicolas Sarkozy alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit François Hollande im Wahlkampf nicht von Merkel empfangen wurde. Die Gunst der Bundeskanzlerin ist den beiden Herausforderern der Rechtspopulistin Marine Le Pen dieses Mal ein noch größerer Zankapfel. Merkel hat bereits ausgeschlossen, sich mit Le Pen im Wahlkampf auszutauschen. Der Kandidat der bürgerlichen Rechten war Ende Januar im Bundeskanzleramt zu Besuch und hat mit der Bundeskanzlerin und allen wichtigen Ministern der „Schwesterpartei“ CDU gesprochen. Fillon ist erpicht darauf, dieses Alleinstellungsmerkmal zu bewahren.

          François Fillon hat Merkel schon getroffen und will dieses Alleinstellungsmerkmal unbedingt bewahren.

          Fillon wirbt vor seinen Landsleuten damit, die deutsch-französische Partnerschaft für Europa stärken zu können. „Die Partnerschaft war nie so leer und schwach wie heute“, sagte er dieser Zeitung und versprach, mit ihm als Präsidenten werde sich das ändern. Doch nun macht ihm Macron die Rolle streitig. Schlimmer noch für Fillon: Macron verkündet mehr Ehrgeiz bei der Einhaltung der europäischen Defizitziele als er selbst. In der Zeitung „Les Echos“ verpflichtete sich Macron am Freitag, das französische Haushaltsdefizit schon 2017 unter die Drei-Prozent-Marke auf 2,9 Prozent zu bringen. Fillon hat in seinen Haushaltsplanungen hingegen für 2017 ein Defizit von 3,5 bis 3,6 Prozent vorgesehen und will es erst 2018 „so nah wie möglich“ an die Drei-Prozent-Marke bringen.

          Macron verzichtet auch explizit auf ein Kräftemessen mit der Bundesregierung, während Fillon zumindest eine „Partnerschaft unter Gleichen“ verlangt. „Die übliche Geste im französischen Präsidentenwahlkampf lautet: Ich werde den Tisch umwerfen und das deutsch-französische Paar neu aufstellen. Aber das hat noch niemals funktioniert. „Es muss neues Vertrauen in das deutsch-französische Paar geschaffen werden“, sagte Macron jetzt. Der Kraftmeierei ziehe er einen „anspruchsvollen Dialog“ vor.

          Macron attackierte scharf Fillons Wirtschaftsprogramm. „Niemand hat sich die Frage gestellt, wie er 100 Milliarden Euro Einsparungen und zugleich ein Wachstum von 2,3 Prozent schaffen will“, sagte der Präsidentschaftskandidat der Bewegung „En marche“. Macron hingegen will bis zum Jahr 2022 60 Milliarden Euro einsparen, davon 25 Milliarden beim Staat, 15 Milliarden bei der staatlichen Krankenversicherung, 10 Milliarden bei der Arbeitslosenversicherung und 10 Milliarden bei den Gebietskörperschaften. Statt 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst (wie Fillon) will Macron 120.000 durch Pensionierung frei werdende Posten nicht neu besetzen. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon kritisierte Macron für dieses Wirtschaftsprogramm scharf. Macron wende „alte Rezepte“ an, die noch nie funktioniert hätten. „Er ist der Kandidat der bürgerlichen Mitte“, kritisierte Hamon.

          Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

          Der Sozialist hat ein Bündnis mit dem grünen Kandidaten Yannick Jadot vereinbart, der seine Kandidatur zurückzieht. Hamon und Jadot verständigten sich auf ein EU-kritisches Programm, das die Aufkündigung der internationalen Handelsverträge und ein Ende des Stabilitätspaktes sowie einen französischen Atomausstieg vorsieht. Es bleibt jedoch höchst unwahrscheinlich, dass Hamon der Einzug in die Stichwahlrunde gelingt.

          Macron hingegen verschärfte den Ton gegen Fillon. Im Fernsehsender BFM-TV ließ Macron anklingen, dass Fillon sich durch die mutmaßliche Scheinbeschäftigung seiner Frau für das höchste Staatsamt disqualifiziert habe. Fillon könne als Präsident nicht „der Garant der Institutionen“ sein. „Er hat die Medien bei seinen Kundgebungen auspfeifen lassen und die Unparteilichkeit der Justiz in Frage gestellt“, kritisierte Macron. Alle jüngsten Meinungsumfragen haben ergeben, dass die Entscheidung zwischen Fillon und Macron sehr knapp ausfallen könnte. Den Spitzenplatz in den Umfragen belegt seit Wochen Marine Le Pen.

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