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Evakuierung der Kliniken : „Keiner will auf einer Bombe liegen“

Die Frühchen-Station des Bürgerhospitals muss geräumt werden. Bild: AP

Die Mammut-Evakuierung läuft an: Vor zwei Frankfurter Kliniken reiht sich am Freitag Rettungswagen an Rettungswagen. Säuglinge werden in Brutkästen über den Hof gerollt, Schwerverletzte auf andere Intensivstationen gebracht.

          3 Min.

          Frau Ribas steht am Freitag etwas verloren vor dem Marienkrankenhaus in Frankfurt. Sie ist gerade entlassen worden, gut geht es ihr eigentlich nicht. „Irgendwas stimmt mit meinem Magen nicht, deswegen war ich seit Mittwoch hier. Aber jetzt wurde ich erst mal entlassen, nächsten Donnerstag soll ich noch mal zur Untersuchung kommen.“ So wie ihr geht es vielen Patienten. René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, sagte am Donnerstag: „Die Krankenhäuser werden versuchen, Patienten, die in irgendeiner Weise entlassbar sind, vor Samstagabend zu entlassen.“

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Das Krankenhaus muss spätestens am Sonntag um acht Uhr geräumt sein. Dann soll die Fliegerbombe am Universitäts-Campus entschärft werden. Im Umkreis von 1,5 Kilometern darf sich sicherheitshalber niemand aufhalten. Im Westend läuft die größte Evakuierungsaktion der Nachkriegsgeschichte daher am Freitag schon langsam an. Für die Universität, den Hessischen Rundfunk, das Polizeipräsidium und die vielen Büros ist der Sonntag ohnehin der ruhigste Tag. Aber im Marienkrankenhaus (140 Betten) und im Bürgerhospital (320 Betten) ist auch am Wochenende Hochbetrieb. Daher ist dieser Fall, wie Gottschalk sagt, „eine ziemliche logistische Herausforderung“.

          Denn natürlich können nicht alle Patienten einfach entlassen werden. Während Frau Ribas am Freitag mit ihrer Tasche etwas ratlos vor dem Marienkrankenhaus steht, fährt hinter ihr ein Rettungswagen nach dem anderen vorbei. Die Autos kommen aus dem Hof des gegenüberliegenden Bürgerhospitals, dort spielt sich eine der aufwendigsten Evakuierungsaktionen ab: Die Frühchen-Station muss geräumt werden. Auf Bildern der Nachrichtenagentur dpa ist wenig später zu sehen, wie Säuglinge in Brutkästen über den Hof geschoben werden, laut Oliver Schwenn, Ärztlicher Direktor des Bürgerhospitals, werden die Neugeborenen im Clementine Kinderhospital im Ostend weiterbehandelt. Die stationären Patienten aus dem Marienkrankenhaus werden unterdessen von Rettungsdiensten in das St. Elisabethen-Krankenhaus in Bockenheim gebracht.

          PolizeipräsidiumPolizeipräsidium

          Das Polizeipräsidium wird erst um elf Uhr am Sonntag geräumt und in andere Dienststellen verlagert. Bis dahin sind die Polizisten noch rund um die Evakuierung anderer Gebäude im Einsatz. Auch ein Polizeihubschrauber, der auf dem Präsidiumsgelände landet, ist so lange noch in der Luft. Sorge, dass Kriminelle die Abwesenheit der Polizei nutzen, besteht nicht: rund um das Gebiet sind ja viele Polizisten im Einsatz. (lfe.)

          Fund einer FliegerbombeFund einer Fliegerbombe

          Die Fliegerbombe wurde auf einer Baustelle an der Hansaallee neben dem Campus Westend der Goethe-Universität gefunden. Dort soll ein Studentenwohnheim entstehen, aber seit dem Fund stehen die Bagger still und die Baustelle wird von der Polizei bewacht. Bis zur Entschärfung läuft der Unibetrieb nebenan wie gewohnt weiter. Sehen kann man die Bombe aber nicht: Sie wird von einem blauen Zelt verdeckt.(jant.)

          Gebiet der EvakuierungGebiet der Evakuierung

          Der Evakuierungsradius beträgt 1,5 Kilometer um den Bombenfundort. Rund 60.000 Einwohner werden deshalb am Sonntag bis spätestens acht Uhr ihre Wohnungen verlassen müssen. Betroffen sind das Frankfurter Westend sowie Teile des Nordends. „Das muss sein“, erklären Experten des Kampfmittelräumdienst. Die Bombe, die auch „Blockbuster“ genannt wird, würde im Fall einer Explosion eine gewaltige Druckwelle auslösen. (jant.)

          BürgerhospitalBürgerhospital

          Das Bürgerhospital will bis Samstagnachmittag Station für Station evakuieren. Wie viele Patienten betroffen sind, ist noch unklar. Einige können wohl nach Hause entlassen werden, Mütter, Neu- und Frühgeborene kommen im Clementinen Kinderhospital im Ostend unter. Nicht akute Operationen wurden verschoben. Unkomplizierte OPs werden noch bis Freitag durchgeführt. Die Klink wird nicht mehr von Rettungswagen angefahren. (lfe.)

          Hessischer RundfunkHessischer Rundfunk

          Der Hessische Rundfunk (hr) weicht auf seine Standorte in Kassel, Wiesbaden und Darmstadt sowie auf mehrere Übertragungswagen aus. So wird der Sendebetrieb gesichert. Auf technischer Ebene wird der hr von SWR, WDR und ZDF unterstützt. Die Veranstaltung „Kammerkonzert“ des hr-Sinfonieorchesters und die Fernsehaufzeichnung der „strassenstars“ mussten allerdings abgesagt werden. (lfe.)

          F.A.Z.
          Polizeipräsidium

          Das Polizeipräsidium wird erst um elf Uhr am Sonntag geräumt und in andere Dienststellen verlagert. Bis dahin sind die Polizisten noch rund um die Evakuierung anderer Gebäude im Einsatz. Auch ein Polizeihubschrauber, der auf dem Präsidiumsgelände landet, ist so lange noch in der Luft. Sorge, dass Kriminelle die Abwesenheit der Polizei nutzen, besteht nicht: rund um das Gebiet sind ja viele Polizisten im Einsatz. (lfe.)

          Fund einer Fliegerbombe

          Die Fliegerbombe wurde auf einer Baustelle an der Hansaallee neben dem Campus Westend der Goethe-Universität gefunden. Dort soll ein Studentenwohnheim entstehen, aber seit dem Fund stehen die Bagger still und die Baustelle wird von der Polizei bewacht. Bis zur Entschärfung läuft der Unibetrieb nebenan wie gewohnt weiter. Sehen kann man die Bombe aber nicht: Sie wird von einem blauen Zelt verdeckt. (jant.)

          Gebiet der Evakuierung

          Der Evakuierungsradius beträgt 1,5 Kilometer um den Bombenfundort. Rund 60.000 Einwohner werden deshalb am Sonntag bis spätestens acht Uhr ihre Wohnungen verlassen müssen. Betroffen sind das Frankfurter Westend sowie Teile des Nordends. „Das muss sein“, erklären Experten des Kampfmittelräumdienst. Die Bombe, die auch „Blockbuster“ genannt wird, würde im Fall einer Explosion eine gewaltige Druckwelle auslösen. (jant.)

          Bürgerhospital

          Das Bürgerhospital will bis Samstagnachmittag Station für Station evakuieren. Wie viele Patienten betroffen sind, ist noch unklar. Einige können wohl nach Hause entlassen werden, Mütter, Neu- und Frühgeborene kommen im Clementinen Kinderhospital im Ostend unter. Nicht akute Operationen wurden verschoben. Unkomplizierte OPs werden noch bis Freitag durchgeführt. Die Klink wird nicht mehr von Rettungswagen angefahren. (lfe.)

          Hessischer Rundfunk

          Der Hessische Rundfunk (hr) weicht auf seine Standorte in Kassel, Wiesbaden und Darmstadt sowie auf mehrere Übertragungswagen aus. So wird der Sendebetrieb gesichert. Auf technischer Ebene wird der hr von SWR, WDR und ZDF unterstützt. Die Veranstaltung „Kammerkonzert“ des hr-Sinfonieorchesters und die Fernsehaufzeichnung der „strassenstars“ mussten allerdings abgesagt werden. (lfe.)

          F.A.Z.

          Während die Fahrer der Krankentransporte also viel zu tun haben, ist der Tag für René Seidel entspannter als üblich. Er arbeitet als Schleuser im Augen-Operationssaal des Bürgerhospitals, gerade sitzt er auf einer Bank vor der Klinik. Raucherpause. „Bei uns sind viele Operationen auf nächste Woche verschoben worden, damit die Patienten nicht übers Wochenende in ein anderes Krankenhaus müssen“, sagt Seidel. Ob die bereits operierten Patienten, die umziehen müssen, Verständnis dafür haben? „Die meisten schon, glaube ich. Keiner will auf einer Bombe liegen.“ Dann drückt er seine Zigarette aus und schlendert Richtung Operationssaal. „Wir haben heute ein paar mehr ambulante Geschichten als sonst“, sagt er.

          Leerer Flur: Eine Krankenschwester in der Neugeborenen-Station des Bürgerhospitals am Freitag.

          Wenig später raucht auf derselben Bank ein Patient eine Zigarette, der von der Evakuierung direkt betroffen ist. „Ich soll heute meine Sachen packen, am Samstag werden wir um 16 Uhr von Bussen abgeholt und in eine andere Klinik gebracht.“ Ungewöhnlich sei bisher nur, wie viel im Hof los sei. „So viele Krankenwagen sind da eigentlich nicht unterwegs.“ Wie die Stimmung auf seiner Station, der allgemeinen Psychiatrie, ist? „Es sind alle ganz entspannt, für uns ist das nicht so schlimm, wir sind ja nicht bettlägerig.“

          Viel komplizierter wird die Verlegung bei den körperlich Schwerkranken. Die Beatmungspatienten von der Intensivstation sollen bis Samstagnachmittag in andere Kliniken verlegt werden. Rettungsdienste aus dem Umland helfen beim Transport, Fachkräfte begleiten die Schwerkranken. Im Laufe des Samstags werden im Bürgerhospital der Ärztliche Bereitschaftsdienst und die Zentrale Notaufnahme geschlossen. Die Kreißsäle beider Kliniken nehmen von Samstagmorgen an keine Frauen mehr auf.

          Wenn bei der Entschärfung alles glatt läuft, sollen die beiden Kliniken am Sonntagabend schon wieder langsam zum Leben erwachen – viele Patienten sollen dann direkt wieder zurückverlegt werden. Das gilt auch für die Patienten auf der psychiatrischen Station im Bürgerhospital. „Wenn alles gut geht, ist das für uns einfach ein kleiner Ausflug“, sagt der junge Mann, der am Freitag vor der Klinik sitzt und raucht, zum Abschied.

          Bei der Stadt ist man dagegen noch etwas skeptisch, ob der „sportliche Zeitplan“ wirklich einzuhalten ist. Es gebe Menschen, die die Sicherheitszone nicht verlassen wollten, sagte Ordnungsdezernent Markus Frank auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag.  „Wenn wir die Sperrzone nicht leer kriegen, können wir nicht anfangen.“  Dann könne es passieren, dass Frankfurt auch am Montag noch lahmgelegt sei, ergänzte Feuerwehrchef Reinhard Ries. An den Kliniken, so sieht es bisher zumindest aus, wird die Mammut-Evakuierung nicht scheitern.

          Informationen für Betroffene

          Patienten im Bürgerhospital und Angehörige erhalten Infos unter der Hotline 069 / 15 00 59 29, Schwangere wenden sich bitte an die Hotline 069 / 15 00 59 30. Die 24-Stunden-Hotline des Marienkrankenhauses lautet: 069 7939-0.

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