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François Hollande : Der Triumph des geborenen Verlierers

Umschwärmt: Hollande am Wahlsonntag nahe Tulle Bild: AFP

Frankreichs neuer Präsident François Hollande hat bis zu seinem Sieg einen weiten Weg zurückgelegt. Nun setzt er auf die symbolische Wirkung der „ersten 100 Tage“ im Amt.

          4 Min.

          Rendez-vous auf dem Place de la Bastille! 31 Jahre nach der ersten Wahl eines sozialistischen Präsidenten in der Geschichte der V. Französischen Republik zieht wieder ein Sozialist in den Elysée-Palast ein. Und, ganz wie am 10. Mai 1981, versammelt sich „das Volk der Linken“ („le peuple de gauche“) am Sonntagabend auf dem Bastille-Platz, um den Wahlsieg zu feiern. Schon am Sonntagvormittag hatten Arbeiter damit begonnen, Scheinwerferanlagen auf dem Platz aufzubauen. Bei der Sozialistischen Partei hieß es da noch, nichts sei geplant. Doch jetzt strömen die Anhänger François Hollandes zu dem historischen Platz, der einst mit dem Sturm auf das Bastille-Gefängnis den Beginn der Französischen Revolution markierte. Hollande sollte noch am Sonntagabend hier seine erste Rede als „Président élu“ halten, als gewählter, aber noch nicht ins Amt eingeführter Präsident der Republik.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bis zuletzt hatte der Kandidat, der ein „normaler Präsident“ sein will, sein Wahlkampfteam und seine Parteifreunde vor Siegesgewissheit gewarnt. Das Wochenende verbrachte er in der Corrèze, seiner Wahlheimat. In Tulle, wo er Bürgermeister gewesen war, ging er am Sonntagmorgen zur Wahl. Vom Kathedralenplatz in Tulle aus wollte er auch eine erste Erklärung abgeben, bevor er den Rückflug nach Paris anzutreten gedachte.

          17 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Sozialist im Elysée-Palast waltete. Und auch Hollande selbst hat einen weiten Weg zurückgelegt bis zu diesem Sieg. Er hat in seiner langen politischen Laufbahn viele Enttäuschungen hinnehmen müssen. Obwohl er als einer der besten seines Jahrgangs die Eliteverwaltungshochschule Ena abgeschlossen hatte, zählte er nicht zu den jungen Aufsteigern, die unter Präsident François Mitterrand Karriere machten. Hollande diente zwar als Kabinettsdirektor des damaligen Regierungssprechers Max Gallo, wirkte aber stets im Schatten der Macht. Mitterrand holte Hollande nicht ins Regierungskabinett, anders als dessen Lebensgefährtin Ségolène Royal. Auch später, als die Linke von der übereilten Parlamentsauflösung unter Präsident Jacques Chirac profitierte und 1997 die Regierung bilden konnte, verzichtete Lionel Jospin darauf, Hollande ein Ministeramt zu übertragen. Er vertraute ihm, dem Mann der Kompromisse, lieber den Vorsitz der Sozialistischen Partei an. Von 1997 bis 2008 leitete Hollande die Partei als Vermittler, der den von persönlichen Animositäten und Richtungskämpfen gespaltenen Apparat zusammenzuhalten versuchte. In seinem Wahlkampffilm hebt Hollande hervor, während dieser Jahre „alle Niederungen des menschlichen Charakters“ kennengelernt zu haben.

          Während Tony Blair mit „New Labour“ und die SPD unter Gerhard Schröder neue Wege ausprobierten, blieb die Parti Socialiste unter Hollande bestenfalls in Mitterrand-Nostalgie gefangen. Eine gewisse Denkstarre machte sich breit. Anstöße für die europäische Sozialdemokratie gingen nicht vom sozialistischen Parteisitz in der Pariser Rue de Solférino aus. Als Hollande 2008 abtrat, erreichte die Partei bei ihrem Parteitag in Reims einen ihrer Tiefpunkte. Einen Nachfolger hatte Hollande, anders als Jospin, nicht aufgebaut. So fielen die Genossen übereinander her und konnten sich schließlich nur noch auf das Ziel verständigen, Ségolène Royal an der Parteispitze zu verhindern. Unter diesen Vorzeichen beschloss Hollande, seine Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten. Das war damals ein durchaus verwegener Schritt für den Sozialisten, in dem die Parteifreunde bis hin zu seiner früheren Lebensgefährtin vor allem den geborenen Verlierertypen sahen.

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