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World Press Photo Award : Die besten Pressefotos des Jahres

„Straight Voice“, das Einzel-Gewinnerbild von Yasuyoshi Chiba. Bild: Yasuyoshi Chiba / AFP

Ein Gedicht für den Frieden im Sudan, Fußballgesänge für Freiheit in Algerien: Die besten Pressefotos des Jahres geben Anlass zur Hoffnung.

          3 Min.

          Ein junger Mann rezitiert ein Protestgedicht, erleuchtet nur von Mobiltelefonen, weil in Khartoum mal wieder der Strom abgestellt wurde: Diese so friedlich und feierlich anmutende Szene führt uns in den krisengeschüttelten Sudan, in dem dreißig Jahre lang der Diktator Omar a-Baschir herrschte. Er wurde durch einen Militärputsch abgesetzt und durch eine Übergangsregierung der Armee ersetzt. Viele Sudaner, die auf eine Demokratie hofften, protestierten im ganzen Land, statt einer Antwort eröffnete die Armee das Feuer. Dann begannen die Schikanen, die Stromausfälle gehören dazu, auch das Internet wurde immer wieder abgeschaltet, um den Protestierenden die Organisation zu erschweren. Sie griffen stattdessen zu SMS-Nachrichten. Im August vergangenen Jahres unterzeichneten Armee und Zivilisten ein Abkommen, einen Souveränen Rat als Regierung einzusetzen, dem Militärs wie Zivilisten gleichsam angehören.

          Yasuyoshi Chiba arbeitet von Nairobi aus für die Agentur AFP. Der südafrikanische Fotograf und Dozent Lekgetho Makola, der in diesem Jahr der Jury für den World Press Photo Award vorsitzt, suchte sich bewusst kein Bild aus, das Krieg und Gewalt zeigt, sondern eines, das Hoffnung abbildet. „Gerade in unserer Zeit der Gewalt und Konflikte ist es wichtig, ein Bild zu haben, das die Menschen inspiriert“, sagte er in seinem Statement.  

          In Algerien eigentlich ein Tabu: Ein junges Paar küsst sich in der Öffentlichkeit.
          In Algerien eigentlich ein Tabu: Ein junges Paar küsst sich in der Öffentlichkeit. : Bild: Romain Laurendeau
          Fußballfans versammeln sich auf der Straße und singen während eines Spiels, das unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet – man fürchtet, es könne zu Gewalt kommen.
          Fußballfans versammeln sich auf der Straße und singen während eines Spiels, das unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet – man fürchtet, es könne zu Gewalt kommen. : Bild: Romain Laurendeau
          Die europäischen Fußball-Ligen sind ohnehin viel interessanter. Man kann sie zum Beispiel im Kino „Olympia“ in Algiers anschauen.
          Die europäischen Fußball-Ligen sind ohnehin viel interessanter. Man kann sie zum Beispiel im Kino „Olympia“ in Algiers anschauen. : Bild: Romain Laurendeau
          Niqabs wurden in den letzten zwanzig Jahren im algerischen Bab El Oued immer populärer.
          Niqabs wurden in den letzten zwanzig Jahren im algerischen Bab El Oued immer populärer. : Bild: Romain Laurendeau
          Freunde treffen sich und schauen ungestört zusammen Fernsehen – in einem „Diki“, einem umgewandelten Lagerraum.
          Freunde treffen sich und schauen ungestört zusammen Fernsehen – in einem „Diki“, einem umgewandelten Lagerraum. : Bild: Romain Laurendeau
          Wie spielt man eine Trompete? Niemand im Viertel „Climat de France“ in Bab El Oued weiß es, doch die Versuche locken zahlreiche Schaulustige an.
          Wie spielt man eine Trompete? Niemand im Viertel „Climat de France“ in Bab El Oued weiß es, doch die Versuche locken zahlreiche Schaulustige an. : Bild: Romain Laurendeau
          Nachdem Straßendemonstrationen verboten wurden, trugen vor allem junge Leute den Protest ins Fußballstadion.
          Nachdem Straßendemonstrationen verboten wurden, trugen vor allem junge Leute den Protest ins Fußballstadion. : Bild: Romain Laurendeau
          Das Meisterschaftsspiel um den „Algerian Cup“ lud Ultras dazu ein, Gesänge gegen Staat, Präsident, Generäle und Polizei anzustimmen – und die Gesten sprechen für sich.
          Das Meisterschaftsspiel um den „Algerian Cup“ lud Ultras dazu ein, Gesänge gegen Staat, Präsident, Generäle und Polizei anzustimmen – und die Gesten sprechen für sich. : Bild: Romain Laurendeau

          Die beste Bildreportage „Kho, the Genesis of a Revolt“ von Romain Laurendeau führt in ein Land, in dem junge Menschen für kleine alltägliche Freiheiten und eine Zukunft demonstrieren. In Algerien sind 72 Prozent der unter Dreißigjährigen arbeitslos, Langeweile und keine Aussicht auf Beschäftigung in einer sehr konservativen Gesellschaft führen zu Frustration. Vor über dreißig Jahren wurde bereits einmal eine Jugendbewegung brutal niedergeschlagen, und der Schock sitzt vielen noch in den Knochen. Dennoch wagen es wieder junge Menschen vor allem aus einfachen Vierteln, ihrer Unzufriedenheit mit Staat und Institutionen Luft zu machen.

          Es gehe beim Erzählen visueller Geschichten nicht nur darum, seinem Gegenstand besonders nahe zu kommen, sagte Jurypräsident Makola. Es gehe auch darum, ab und zu einen Schritt zurückzutreten und dem Betrachter zu erlauben, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

          Der tägliche Waffenhandel nebenbei, fotografiert von Nikita Teryoshin.
          Der tägliche Waffenhandel nebenbei, fotografiert von Nikita Teryoshin. : Bild: Nikita Teryoshin

          Der Gewinner in der Kategorie „Contemporary Issues – Einzelbild“ ist eines dieser Fotos, das so künstlich und gestellt aussieht, dass es nur wahr sein kann. „Nothing Personal – the Back Office of War“ ist der Titel dieser Momentaufnahme einer Waffenmesse in Abu Dhabi, bei der ein Waffenhändler am Ende des Messetages ein paar Panzergranaten nach hinten trägt, um sie wegzuschließen. So sauber diese Geschäfte an der Oberfläche aussehen, so poliert kommt auch dieses Foto daher.

          Stolz auf ihre Waffen: Taliban in einer abgelegenen Region Afghanistans.
          Stolz auf ihre Waffen: Taliban in einer abgelegenen Region Afghanistans. : Bild: Lorenzo Tugnoli/ Washington Post
          Ein Minenräumkommando der afghanischen Armee sprengt eine improvisierte Landmine. Oft tauchen solche Sprengkörper über Nacht auf, die Taliban legen sie an Überlandstraßen wie hier zwischen Ghazni und Kandahar, die Armee kontrolliert die Straßen regelmäßig.
          Ein Minenräumkommando der afghanischen Armee sprengt eine improvisierte Landmine. Oft tauchen solche Sprengkörper über Nacht auf, die Taliban legen sie an Überlandstraßen wie hier zwischen Ghazni und Kandahar, die Armee kontrolliert die Straßen regelmäßig. : Bild: Lorenzo Tugnoli/ Washington Post
          Eine Gruppe Taliban-Kämpfer im Khogiani-Distrikt.
          Eine Gruppe Taliban-Kämpfer im Khogiani-Distrikt. : Bild: Lorenzo Tugnoli/ Washington Post
          Taliban schwenken freudig ihre Fahne, sie haben das Gebiet gerade vom Islamischen Staat zurückerobert.
          Taliban schwenken freudig ihre Fahne, sie haben das Gebiet gerade vom Islamischen Staat zurückerobert. : Bild: Lorenzo Tugnoli/ Washington Post

          Der längste Krieg – „The Longest War“ – ist die Reportage von Lorenzo Tugnoli betitelt, einem Fotografen, der für die Washington Post arbeitet und bereits im vergangenen Jahr den Pulitzer Preis für eine Fotoreportage aus dem Jemen bekam. Nun geht es nach Afghanistan, und Tugnoli begegnet Taliban ebenso wie der afghanischen Armee. Es sind Bilder aus einem Konflikt, der nicht akut genug ist, um noch für Schlagzeilen zu sorgen. Sie bekamen den Hauptpreis der Kategorie „Contemporary Issues – Serie“.

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