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Stripclub in Oregon : Die nackte Dystopie

Die Bilder sehen so aus, wie man sich den nächsten „Blade Runner“-Film vorstellt. Bild: Terray Sylvester/Reuters

Bilder wie aus einem Science-Fiction-Film: Ein Stripclub in Portland trickst die Corona-Verbote in einem Zelt aus. Alles ganz legal, natürlich. Fotograf Terray Sylvester hat das Geschehen dokumentiert.

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          Bei Stripclubs sind die amerikanischen Behörden derzeit streng: Sie gelten nicht als systemrelevant und mussten deshalb schließen. Die Betreiber der „Lucky Devil Lounge“ haben Mittel und Wege gefunden, diesen Bann zu umgehen – und dabei eine Szenerie geschaffen, die direkt aus einem dystopischen Science-Fiction-Film gefallen zu sein scheint.

          Der Stripclub wurde in ein Zelt verlegt. Alle Tänzerinnen tragen Masken und Mundschutz. Die Kundschaft fährt mit Autos mitten hindurch und bekommt am Ende zuvor bestelltes Essen überreicht. Das Ganze firmiert nämlich nun als hochpreisiger Drive-through, um legal zu bleiben. Scheine in Höschen zu stecken ist selbstverständlich nicht mehr drin. Dafür gibt es auf Wunsch eine kurze Berührung von Handschuh zu Handschuh. Für einige dürfte das die erste seit Wochen sein.

          Reuters-Fotograf Terray Sylvester hat in diesem Zelt Aufnahmen gemacht, die eher wie Szenenbilder aus einem Film wirken als wie Reportagefotos. Wer sie betrachtet, muss sich die Frage stellen: Wenn unsere sonderbarsten Vorstellungen der Zukunft heute schon wahr werden, was bleibt uns dann für morgen?

          Die Regeln werden im „Lucky Devil“ augenscheinlich ernst genommen: Ohne Maske und Handschuhe darf hier keine an der Stange tanzen.
          Weil Stripclubs schließen mussten, aber Drive-throughs erlaubt sind, haben die Betreiber ein Zelt mit Fahrspur in der Mitte aufgestellt.
          Was aussieht wie ein Filmausschnitt, ist ein Reportagefoto: Die Tänzerinnen sind so gut wie möglich gegen Ansteckung geschützt.
          Tänzerin Karma Jane trägt direkt eine richtige Gasmaske – der dystopische Vibe der Szenerie will durchgezogen sein.
          Den Kick einer kurzen Berührung gibt es auch hier im Zelt, aber nur von behandschuhter Hand zu behandschuhter Hand. Das ist in Zeiten des Lockdowns besser als gar nichts.
          Um die gesetzlichen Regeln einzuhalten, gibt es am Ende das bestellte Essen zum Mitnehmen.
          Die Tänzerinnen liefern das Essen übrigens auch aus. In Berufskleidung natürlich. Die Kunden sind vermutlich den Anblick ihres Pizzalieferanten leid.

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