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Tel Avivs Busbahnhof : Schmuddelig und doch nicht seelenlos

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Mitglieder des Mystorin Theatre Ensemble spielen eine Performance namens „Seven“, welche auf alle sieben Stockwerke des Busbahnhofes Bezug nimmt. Bild: Corinna Kern/Reuters

Tel Avivs Busbahnhof war eine stadtplanerische Utopie. Heute nehmen kreative Israelis und Händler die Gänge des „Ungetüms“ ein.

          Wer in Israel mit dem Bus übers Land fährt, kommt oft nicht daran vorbei, in Tel Aviv aus- oder umzusteigen. Im Busbahnhof der Stadt findet man sich in einem Betonkoloss wieder, dessen Gänge einem Labyrinth gleichen.

          1993 unter vielen Hoffnungen eröffnet, verkam das „Ungetüm“, wie es heute von den Anwohnern genannt wird, aber mehr und mehr. Viele der Läden schlossen schnell wieder und so erinnern die Flure in dem siebenstöckigen Gebäude an eine verlassene Mall im amerikanischen mittleren Westen.

          Die Busse fahren hier immer noch ab, nur das Leben im Gebäude hat sich geändert. „Es liegt etwas Magisches in der Luft. Der Busbahnhof erinnert mich an einen dunklen, urbanen Wald“, sagt beispielsweise Stav Pinto, eine Künstlerin, die hier regelmäßig übt und auftritt. Dana Forer, Mitglied der Mystorin Theatergruppe, beschreibt den Ort als Spielwiese der Vorstellungskraft. „Ich spüre Freude und pure Kreativität, wenn wir die dunklen Ecken des Busbahnhofs mit unseren Aufführungen erhellen.“

          Die Reuters-Fotografin Corinna Kern ist eingetaucht in das Gebäude und hat in ihren Fotos eine Parallelwelt mitten in der israelischen Hauptstadt dokumentiert.

          Zwei Mädchen aus Eritrea spielen auf einer Freifläche gegenüber des Busbahnhofes.
          Wer auf den Bus wartet, hat Hunger.
          „Ich habe das Gefühl, dieses Gebäude ist wie die Menschen, mit denen ich arbeite. Sie erscheinen total wirr, missverstanden und bizarr. Aber je mehr man aus ihnen lernt, desto mehr erkennt man Struktur und innere Werte“, sagt Tamar Lehman. Sie arbeitet mit psychisch Kranken zusammen und spielt im Busbahnhof gerne Akkordeon.
          Stav Pinto übt mit einem Hula Hoop Reifen für ihre Zirkusshow.
          Merry Christ Palacios findet den Busbahnhof praktisch. „Hier finde ich alles, was ich einkaufen muss.“ Und ganz nebenbei kann sie hier auch noch in ihre Gemeinde gehen.
          Verkehrsknotenpunkt Tel Aviv, der Busbahnhof von oben.
          Ein Busfahrer säubert seinen Bus.
          Ein Junge macht Mittagsschlaf im Kulturzentrum der „Yung Yidish“.
          Ein Mann liegt Modell für einen Künstler.
          Israelische Soldaten müssen oft den Bus nutzen, um zu ihren Einsatzorten zu gelangen.
          Manche Orte im Busbahnhof möchte man dennoch lieber nicht freiwillig betreten.
          Ein schnelles Bingo-Spiel kann die Wartezeit auf den Bus verkürzen.
          Big Brother is not watching you – Überwachungsmonitore des Hauspersonals.
          Händler Daniel Gaz verkauft im Ergeschoss Waren aller Art.
          Eine kaputte Schaufensterpuppe zeugt noch vom geschäftigen Treiben der früheren Tage.

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