https://www.faz.net/aktuell/fotografie/sibirien-eine-schule-fuer-einen-einzigen-schueler-16451429.html

Fotoreportage : Der letzte Schüler von Sibilyakovo

  • Aktualisiert am

Ravil Izhmukhametov spielt in seiner Freizeit in der Taiga am Rande des Dorfes Sibilyakovo. Bild: Alexey Malgavko / Reuters

Eine Schule bleibt geöffnet für einen einzigen Schüler. Reuters-Fotograf Alexey Malgavko hat den Alltag des neunjährigen Ravil in Sibirien dokumentiert.

          2 Min.

          Nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Planwirtschaft und der Schließung der staatlichen Landwirtschaftsbetriebe, verließen viele Bewohner das sibirische Dorf Sibilyakovo.

          Die Einwohnerzahl des Dorfes ist von einst 550 auf heute 39 geschrumpft. In den Siebziger Jahren hatte die Grundschule im Ort vier Klassen mit jeweils 18 Kindern – jetzt gibt es nur noch einen Schüler: den neunjährigen Ravil Izhmukhametov. 

          Seine Lehrerin, Uminur Kuchukova, 61 Jahre alt, unterrichtet bereits seit 42 Jahren an der Schule.Sie hätte vor Jahren in Rente gehen können. Sie blieb und  unterrichtet weiterhin in der Grundschule, um Ravil, ihren letzten Schüler, zu fördern und ihm den langen, mühsamen Weg zur nächstgelegenen Schule zu ersparen. 

          Die Lehrerin Uminur Kuchukova hält für Ravil Izhmukhametov als einzigen Teilnehmer die Neuschuljahrszeremonie am Denkmals für die Opfer des Zweiten Weltkrieg ab.
          Die Lehrerin Uminur Kuchukova hält für Ravil Izhmukhametov als einzigen Teilnehmer die Neuschuljahrszeremonie am Denkmals für die Opfer des Zweiten Weltkrieg ab. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Pflanzen wachsen in einem verlassenen Haus.
          Pflanzen wachsen in einem verlassenen Haus. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Ravil Izhmukhametov sitzt im Klassenraum und hört der Lehrerin Kuchukova aufmerksam zu.
          Ravil Izhmukhametov sitzt im Klassenraum und hört der Lehrerin Kuchukova aufmerksam zu. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Fotos von ehemaligen Schülern sind in dem Schulmuseum zu sehen.
          Fotos von ehemaligen Schülern sind in dem Schulmuseum zu sehen. : Bild: Reuters
          Ravil Izhmukhametov und sein Freund Ramil Kuchukov spielen auf einer Wiese außerhalb ihres Dorfes.
          Ravil Izhmukhametov und sein Freund Ramil Kuchukov spielen auf einer Wiese außerhalb ihres Dorfes. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Kleider trocknen im Hof der Familie Izhmukhametov.
          Kleider trocknen im Hof der Familie Izhmukhametov. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Mutter Elmira hilft ihrem Sohn Ravil Izhmukhametov am Abend beim Waschen.
          Mutter Elmira hilft ihrem Sohn Ravil Izhmukhametov am Abend beim Waschen. : Bild: Alexey MalgavkoReuters
          Ravil Izhmukhametov isst mit seinem Vater Dinar in ihrem Haus im Dorf Sibilyakovo.
          Ravil Izhmukhametov isst mit seinem Vater Dinar in ihrem Haus im Dorf Sibilyakovo. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Ravil Izhmukhametov sitzt auf den Stufen seines Elternhauses in Sibilyakovo.
          Ravil Izhmukhametov sitzt auf den Stufen seines Elternhauses in Sibilyakovo. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Mit einem hölzernen Kahn setzten die Anwohner über den Fluss Irtysch, um zurück ins Dorf zu gelangen.
          Mit einem hölzernen Kahn setzten die Anwohner über den Fluss Irtysch, um zurück ins Dorf zu gelangen. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters
          Ravil Izhmukhametov geht durchs Dorf nach Hause.
          Ravil Izhmukhametov geht durchs Dorf nach Hause. : Bild: Alexey Malgavko / Reuters

          Alexey Malgavko hat unseren Fragebogen beantwortet und berichtet über sich und sein Projekt:

          The main theme of my work is life in the Russian Province. I often shoot disappearing villages and small towns.

          One of the main problems in  Russia is the constant outflow of people to larger cities: valuable personnel and young people leave, mainly pensioners remain. There is a process of urbanization of the village, today agriculture in Russia is concentrated in a 50-kilometer zone around the metropolis and in the hands of large agricultural holdings. Thus, in remote villages, the traditional way of life breaks down, people are forced to leave and try to settle in an uncomfortable city bustle. The life of the village of Sibilyakovo is a vivid example of this problem.

          In the village of Sibilyakovo, the windows of the houses of the remaining residents are facing the abandoned houses of neighbors who have already left or died. The road is impassable so not even come by. There is no store, the school is closing, the post office and some neighbor are also going to leave soon. People live in the past and tell how they once went to visit each other. I do know this feeling too, because I am also from a small town, which has the same dreary atmosphere.

          When and where were you born, where have you been educated and what are stages of your professional career?

          I was born in the small Siberian city of Tara in the north of the Omsk region in 1985. I studied at the historical faculty of Omsk and, since my father was a photographer, I got familiar with photography since childhood. From the 3rd year of university I already started working in the local newspaper as a photojournalist and I also collaborated with the central Russian press and other foreign news agencies. In 2012 I became a full-time photographer at the federal agency RIA Novosti, covering major sport and significant events in the country. In 2019 I decided to leave the news to embrace longer and more detailed photo stories. I am currently a freelance photographer.

          What is your standard camera equipment? Is there any special or favorite gear?

          While working at the agency, I used a wide range of equipment, including quadcopter and telephoto lenses to create a large and varied volume of photographs. As a freelance I use one mirrorless camera and basically one 35mm lens. This gives me the mobility to travel and the trust of the characters I work with .

          How do you process/edit your images? What particular darkroom technique, software or apps do you utilize?

          My intervention in the final product is often limited only by cropping, less often I can lighten / darken the image. The technical characteristics of modern cameras are so perfect that with my correction I will rather damage photos and documentaries.

          Do you have photographic role models?

          It’s difficult for me to identify any specific names, there are a lot of them. I try to follow the largest world agencies (Magnum, Agence VU, Panos Picture, AP, Reuters and AFP), as well as a number of little-known, but interesting, authors on Instagram.

          Is there a portfolio or photobook that inspired you?

          Yes, there is a book of selected photographs by my father. It´s called “Mig and Century” and it focuses on life in the Russian Province in the 90s. Photography is my way of life. It allows me to visit different places, meet interesting people. I try to realize my creative ideas based on my inner instinct.

          http://malgavko.com

          https://www.instagram.com/malgavko

          https://www.facebook.com/alexey.malgavko

          Weitere Themen

          A Pound of Pictures

          Fotograf Alec Soth : A Pound of Pictures

          Der Magnum-Fotograf Alec Soth ist durch seine sezierenden und umfassenden Arbeiten über das amerikanische Niemandsland bekannt geworden. Nun wird im Rahmen der Berlin Photo Week seine neue Arbeit „A Pound of Pictures“ gezeigt.

          Topmeldungen

          Luftbildaufnahme einer Bohrstelle für ein Geothermiekraftwerk in Graben-Neudorf

          Tiefengeothermie : Deutschlands ungehobener Energieschatz

          Mit heißem Wasser aus der Tiefe könnte man hierzulande viele Haushalte mit Strom und vor allem Wärme versorgen. Doch die Suche nach Quellen ist teuer. Und die Technologie macht einigen Bürgern Angst.
          Der Staat soll sich nicht auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger bereichern, sagt Finanzminister Christian Lindner mit Blick auf die kalte Progression.

          Steuerreform : Eine Entlastung für 48 Millionen Bürgerinnen und Bürger

          Arbeitnehmerinnen, Geringverdiener, Rentnerinnen oder Selbständige können profitieren, wenn in Zeiten steigender Preise die kalte Progression ausgeglichen wird. Das ist kein gönnerhafter Akt, sondern mehrfach geboten. Ein Gastbeitrag.
          „Die Krim ist ukrainisch, und wir werden sie niemals aufgeben“, sagte der ukrainische Präsident Selenskyj am Dienstag.

          Ukraine-Liveblog : Selenskyj: „Dieser Krieg beginnt und endet mit der Krim.“

          „Die Explosionen sind ein Beleg dafür, wem die Krim gehört.“ +++ Explosionen auf Militärflugplatz auf der Krim gehen laut Berichten auf ukrainischen Angriff zurück +++ Moskau spricht von Verstößen gegen Brandschutzmaßnahmen +++ Türkei liefert 50 Militärtransporter an Ukraine +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.