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Der Pressefotograf Rudi Klos : Der „rasende Reporter“ und sein mobiler Entwicklungssack

Alte KD-Station - Die Agentur der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschifffahrt, aufgenommen ca. 1955. Der dahinter zu sehende Halleplatz war der Ort für viele Mainzer Großveranstaltungen, wie die Frühjahrs- und Herbstmesse, Zirkusse und auch den Weinmarkt, bevor er dem Bau des Rathauses weichen musste. Bild: Rudi Klos

Auf seine Fotos von einem Mainz in den fünfziger und sechziger Jahren musste die Redaktion der „Allgemeine Zeitung Mainz“ nie lange warten. Rudi Klos entwickelte seine Filme oft schon zwischen zwei Terminen. Und damals gab es noch keine Digitalkamera.

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          Dank seines selbstgebauten Entwicklungssacks ist es dem Mainzer Pressefotografen Rudi Klos schon in den fünfziger und sechziger Jahren gelungen, seine Schwarzweißfilme zwischen zwei Terminen zu entwickeln und so ungewöhnlich schnell die anschließend angefertigten Abzüge in die Redaktion zu liefern. Das, und die Tatsache, dass er anfangs mit dem Fahrrad, später dann auf dem Moped von einem Ereignis zum nächsten eilte, haben den gebürtigen Nieder-Olmer seinerzeit zum bekannten "rasenden Reporter" werden lassen.

          Claus Eckert
          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Vieles von dem, was er von 1948 an und vor allem für die "Allgemeine Zeitung Mainz" abgelichtet hat, kann sich auch heute noch sehen lassen. Zum Beispiel die lange Reihe der auf Milchkannen sitzenden Mädchen aus Albig, die an der Sammelstelle darauf warteten, dass ihre Ware abgeholt und in die Armsheimer Molkerei gebracht wurde. Bisweilen durfte es aber auch etwas eher unaufgeregt Alltägliches sein, wie der ruhige Blick vom Rheinufer aus zum alles überragenden nahen Dom.

          Rund 80 seiner Werke werden derzeit in der Galerie des Mainzer Rathauses am Jockel-Fuchs-Platz gezeigt, die bei freiem Eintritt werktags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet hat. Die von seinen drei Kindern zusammengestellte Ausstellung ist dort noch bis zum 19. Oktober zu sehen.

          Rotekopfgasse – Blick vom Gutenberg Museum in Richtung Rheinstraße, um 1962, vor der Altstadtsanierung. Im Vordergrund die noch nicht sanierten Häuser der Rotekopfgasse. Im Hintergrund sieht man Teile der Fischergasse, links unten die Bar „KC“ (Kleines Casino), damals sehr beliebt bei den GI‘s.
          Havarie auf dem Rhein –  Bei einem Schiffsunglück bei Rheindürkheim flossen ca. 200.000 Liter hoch brennbarer flüssiger Kohlenwasserstoff in den Rhein. Dieser "Teppich" bewegte sich stromabwärts. Eine offene Feuerstelle auf einem folgenden Schiff entzündete das Gemisch und es kam zur Explosion. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Dies führte zu einer Totalsperrung des Rheins.  Das Foto wurde von der Weisenauer Brücke aufgenommen. Im Hintergrund die Eisenbahnbrücke, Christuskirche und Gasometer.
          Straßenbauarbeiten am Anfang der Ludwigsstraße im Jahre 1956. Die Aufnahme wurde vom Schillerplatz/Gouvernement in Richtung Dom aufgenommen. Links im Bild die Fahrleitungsmasten, sie zeigen die alte Flucht der Ludwigstraße. Rechts der Bau der Deutschen Bank, unter den Bedingungen der Entflechtung damals noch als Süddeutsche Bank.
          Amphibienfahrzeug im Rhein – Ein US-Amphibienfahrzeug erklimmt die Treppen am Rheinufer, oberhalb der Theodor-Heuss-Brücke, nach einer Übungsfahrt. Die verhältnismäßig kleine Einheit war nahe dem Rüsselsheimer Bahnhof stationiert.
          Geigerfränzje -  Das Geigerfränzje, eigentlich Franz Josef Schneider (30.4.1893 - 6.4.1962), spielt auf dem Neubrunnenplatz (Aufnahme ca. 1958). In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zog er durch die Stadt, spielte an Plätzen und in Hinterhöfen und verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Geigenspielen. Er war ein Mainzer Musiker und Original.
          Wäschbrückelche – Oberhalb des Fischtors Iag dieses WäschbrückeIche. Sie wurden wohl 1898 in Betrieb genommen, zu einer Zeit, als das Rheinwasser noch sauber war. Gerne nutzten die Kinder sie zum Baden, Springen und Schwimmen, nicht zur Freude der Wäscherinnen, aber so ersparten sie sich den Eintritt ins Schwimmbad. Die Nutzung wurde 1963 eingestellt, wohl wegen der Wasserverschmutzung des Rheins, außerdem hielten die Waschmaschinen Einzug in die Haushalte. Im Hintergrund Güterschiffe (Kähne) auf der Rhein-Reede nahe dem Winterhafen.
          Der Schellemann – Nachrichten verbreiteten sich nur sehr langsam auf dem Land. Deshalb gab es den Schellemann oder Polizeidiener in den Dörfern. Mit seiner schweren Glocke läutete er seine amtlichen Bekanntmachungen ein, wie hier in der Schloßgasse in Sörgenloch, und verkündete die neuesten Nachrichten, überwiegend aus dem Ortsgeschehen. Er war eine kleine Sensation, nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. (Foto 1957)
          Die lange Reihe der auf Milchkannen sitzenden Mädchen aus Albig, die an der Sammelstelle darauf warteten, dass ihre Ware abgeholt und in die Armsheimer Molkerei gebracht wurde
          Zwei Dernbacher Schwestern sind auf dem Weg vom Kloster Tiefenthal nach Martinsthal im Rheingau. Damals, im Jahre 1952 war die Schlangenbader Straße gepflastert und noch wenig befahren. Es fuhr auch ein kleines Bähnchen bis nach Schlangenbad. In dem Haus links im Bild befand sich ein Lokal (Tiefenthal). Später befand sich darin eine Zahnarztpraxis die auch manch einer Schwester aus dem Kloster manch einen Zahn ziehen musste.
          Auf der Walz - Zwei Zimmerleute während ihrer Wanderjahre im Januar 1957, aus Nackenheim kommend, in Richtung Nierstein laufend. Während ihrer Wanderschaft sollten sie vor allem neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen sowie Lebenserfahrung sammeln. Eine alte Tradition ihrer Zunft, die sie oft durch ganz Europa führte.
          „Zopf oder Milchkanne“ lautete 1960 die Überschrift in der AZ zu diesem Foto. Zuhause hatte man keine großen Backöfen, deswegen gab man das Kuchenblech mit dem Teig zum Dorfbäcker. Damit es kein Durcheinander beim Abholen gab, markierte jede Familie ihren Kuchen, die einen mit einem Strohhalm, einem Kirschkern oder sonst einem eindeutigen Erkennungszeichen, damit es beim Abholen keine Verwechslungen gab. Der Schnappschuss entstand im Jahre 1960 in Badenheim, Hauptstraße (damals noch ohne Kanalisation). Das Mädchen hatte den frisch gebackenen Zopf beim Bäcker abgeholt um ihn heil nachhause zu bringen.
          Holzfloß auf dem Weg rheinabwärts – Das Holz wurde in Mainz Kastel und Kostheim gesammelt, umgruppiert und mit Schleppervorspann Richtung Holland gezogen. Das Holz stammte meist aus dem Schwarzwald und wurde dort auf den kleinen Nebenflüssen (z.B. Murg und Kinzig) in den Rhein geflößt. Das war dort wegen des meist geringen Wasserstandes oft sehr beschwerlich. Daher wurden die Nebenflüsse oft an mehreren SteIlen aufgestaut, das Wehr geöffnet und mit dem Wasserschwall das Holz zur nächsten Staustufe geschwemmt. Diese Staustufen sind auch heute noch gut zu erkennen. Die letzte Floßfahrt erfolgte 1964.
          Rudi Klos (1927-1995)

          Rudi Klos (1927 - 1995) war seit Ende der 1940er Jahre als Fotograf und später Pressefotograf für die Allgemeine Zeitung in Mainz und der Region tätig. Als „rasender Reporter“ in der Stadt und Region schnell bekannt, hielt er wichtige Ereignisse für die Zeitung fotografisch fest, dokumentierte gleichzeitig nebenher aber auch das ganz alltägliche Leben.

          Mit einer Ausstellung in der Rathausgalerie geben seine Kinder Rudolf Klos, Gertrud Hellak und Ursula Fischer einen Einblick in die Bandbreite des fotografischen Werks von Rudi Klos und zeigen Fotografien, die in den 1950er und 1960er Jahren entstanden und in der Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurden. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, in ein Mainz einzutauchen, das so nur noch teilweise existiert - für die einen anhand ihrer persönlichen Erinnerungen an diese Zeit, für die anderen durch ihre Vorstellungskraft.

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