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Dürre in Madagaskar : Eine grüne Insel wird rot

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Sand umgibt Häuser in der Nähe der Stadt Ambovombe, in der Region Androy, Madagaskar. Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und hat eines der vielfältigsten Ökosysteme mit Tausenden von endemischen Tier- und Pflanzenarten – ein wahres Naturparadies. Doch in Teilen der Insel hat sich die Realität schon drastisch verändert.

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          Nur noch wenige Bäume stehen auf der einst fruchtbaren Landschaft im Süden von Madagaskar. Sie hielten den Wind auf, nun weht roter Sand überall hin: auf Felder, Dörfer, Straßen und selbst in die Augen der Kinder, die auf Nahrungsmittelhilfepakete warten.

          Die härteste Dürre, die das Gebiet Beanantara je erlebt hat, dauert seit vier Jahren an. Die Entwaldung, um Holzkohle herzustellen oder Land für die Landwirtschaft zu erschließen, hat zusätzlich dazu geführt, dass das Gebiet in eine Staubschüssel verwandelt wurde.

          Ein Junge, der als Hirte arbeitet, isst einen Kaktus neben einer Herde von Zebu-Rindern in der Region Anosy, Madagaskar. Viele Menschen in der Region müssen sich von einer Kaktusart ernähren, die in der Region als Raketa bekannt ist, wild wächst, aber wenig Nährwert hat und Magenschmerzen verursacht.
          Ein Junge, der als Hirte arbeitet, isst einen Kaktus neben einer Herde von Zebu-Rindern in der Region Anosy, Madagaskar. Viele Menschen in der Region müssen sich von einer Kaktusart ernähren, die in der Region als Raketa bekannt ist, wild wächst, aber wenig Nährwert hat und Magenschmerzen verursacht. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters
          Einheimische stehen neben einem Baum auf einem mit rotem Sand bedeckten Feld in Anjeky Beanatara, Region Androy.
          Einheimische stehen neben einem Baum auf einem mit rotem Sand bedeckten Feld in Anjeky Beanatara, Region Androy. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

          „Es gibt nichts zu ernten. Deshalb haben wir nichts zu essen und hungern“, sagt Tarira, eine Mutter von sieben Kindern, an einem abgelegenen Posten des Welternährungsprogramms (WFP) in der Nähe von Anjeky Beanatara, wo Kinder auf Anzeichen von Unterernährung untersucht werden und Nahrung erhalten.

          Mehr als eine Million Menschen im Süden Madagaskars benötigen derzeit Lebensmittelzuwendungen vom WFP, einer Organisation der Vereinten Nationen.

          Avoraza, 4 Jahre alt, wird in einer vom Welternährungsprogramm betriebenen Station für unterernährte Kinder in Anjeky Beanatara, Region Androy, Madagaskar, untersucht. Durch die anhaltende Dürre sind Nahrungsmittel knapp und es kommt zur Unterernährung bei den Bewohnern.
          Avoraza, 4 Jahre alt, wird in einer vom Welternährungsprogramm betriebenen Station für unterernährte Kinder in Anjeky Beanatara, Region Androy, Madagaskar, untersucht. Durch die anhaltende Dürre sind Nahrungsmittel knapp und es kommt zur Unterernährung bei den Bewohnern. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters
          Wasserflecken, wie diesen kleinen See in der Antanimora Gemeinde, sieht man in der Region nur noch selten.
          Wasserflecken, wie diesen kleinen See in der Antanimora Gemeinde, sieht man in der Region nur noch selten. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters
          Eine Frau hält einen Teil einer abgestorbenen Maispflanze in der Hand. Durch die Trockenheit bleibt eine Ernte oft aus.
          Eine Frau hält einen Teil einer abgestorbenen Maispflanze in der Hand. Durch die Trockenheit bleibt eine Ernte oft aus. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

          Die Ernährungskrise im Süden des Landes hat sich über Jahre hinweg entwickelt und hat nach Angaben der lokalen Behörden und Hilfsorganisationen verschiedene Ursachen wie Dürre, Entwaldung, Umweltschäden, Armut, COVID-19 und Bevölkerungswachstum.

          „Früher nannten wir Madagaskar die grüne Insel, aber leider ist sie jetzt eher eine rote Insel“, sagt Soja Lahimaro Tsimandilatse, Gouverneur der südlichen Region Androy.

          Mit seinen 30 Millionen Einwohnern hat Madagaskar schon immer mit extremen Wetterereignissen zu kämpfen gehabt, doch werden diese nach Ansicht von Wissenschaftlern wahrscheinlich noch häufiger und heftiger auftreten, da der vom Menschen verursachte Klimawandel die Temperaturen in die Höhe treibt.

          Säcke mit Maniokmehl und leere Plastikflaschen stehen aufgereiht in einer Lebensmittelverteilungsstelle des Welternährungsprogramms (WFP) in der Gemeinde Antanimora, Region Androy, Madagaskar. Mehr als eine Million Menschen im Süden Madagaskars sind derzeit auf Lebensmittelhilfen des WFP angewiesen.
          Säcke mit Maniokmehl und leere Plastikflaschen stehen aufgereiht in einer Lebensmittelverteilungsstelle des Welternährungsprogramms (WFP) in der Gemeinde Antanimora, Region Androy, Madagaskar. Mehr als eine Million Menschen im Süden Madagaskars sind derzeit auf Lebensmittelhilfen des WFP angewiesen. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters
          Regenwasser wird in Plastikkanister gefüllt.
          Regenwasser wird in Plastikkanister gefüllt. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

          Das IPCC-Klimagremium der Vereinten Nationen stellt fest, dass in Madagaskar eine zunehmende Trockenheit zu beobachten ist, und prognostiziert, dass Dürren weiter zunehmen werden. Auf dem Höhepunkt der Nahrungsmittelkrise im Süden warnte das Welternährungsprogramm (WFP), dass die Insel Gefahr läuft, „die erste Hungersnot der Welt durch den Klimawandel“ zu erleben.

          Ein Einheimischer holt Wasser aus einem Brunnen vor einer Sanddüne in Faux Cap, Region Androy, Madagaskar. Seit 2017 arbeitet das Welternährungsprogramm mit lokalen Gemeinschaften in Faux Cap zusammen, um Cillas, Filaos und Lalandas zu pflanzen, deren Wurzeln verhindern, dass Sanddünen Gräber, Felder und Wasserbrunnen bedecken.
          Ein Einheimischer holt Wasser aus einem Brunnen vor einer Sanddüne in Faux Cap, Region Androy, Madagaskar. Seit 2017 arbeitet das Welternährungsprogramm mit lokalen Gemeinschaften in Faux Cap zusammen, um Cillas, Filaos und Lalandas zu pflanzen, deren Wurzeln verhindern, dass Sanddünen Gräber, Felder und Wasserbrunnen bedecken. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters
          Mütter und ihre Kinder warten auf eine Untersuchung auf Unterernährung, die vom Welternährungsprogramm betrieben wird in Anjeky Beanatara, Region Androy, Madagaskar.
          Mütter und ihre Kinder warten auf eine Untersuchung auf Unterernährung, die vom Welternährungsprogramm betrieben wird in Anjeky Beanatara, Region Androy, Madagaskar. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

          Theodore Mbainaissem, der die WFP-Maßnahmen in den am stärksten betroffenen Gebieten im Süden Madagaskars leitet, sagt, dass sich die einstmals regelmäßigen Wettermuster in den vergangenen Jahren bis zur Unkenntlichkeit verändert hätten und die Dorfältesten nicht mehr wüssten, wann der beste Zeitpunkt zum Pflanzen oder Ernten sei.

          Mbainaissem sagt, dass nach monatelangen Interventionen des WFP, anderer Hilfsorganisationen und der lokalen Behörden das Schlimmste der Nahrungsmittelkrise überstanden sei. Er sagt, die Rate der schweren Unterernährung bei Kindern sei von etwa 30 Prozent vor einigen Monaten auf jetzt etwa 5 Prozent gesunken.

          Ein Mann schiebt sein Fahrrad die Straße in der Nähe von Ambovombe, Madagaskar, entlang.
          Ein Mann schiebt sein Fahrrad die Straße in der Nähe von Ambovombe, Madagaskar, entlang. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters
          Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

          Vereine und Hilfsorganisationen versuchen sich auf zukunftsweisende Projekte zu konzentrieren, wie zum Beispiel mit dem großen Bepflanzungsprojekt in der Küstenstadt Faux Cap, das der Stabilisierung der Sanddünen dienen soll.

          Doch in den ländlichen Gebieten, wo die Menschen in großer Armut leben, sind einige der Trends, die zur Krise beigetragen haben, noch immer präsent.

          Für den frisch verheirateten Felix Fitiavantsoa, 20, der ein Waldstück abbrannte, um es zu kultivieren, waren die langfristigen Folgen der Entwaldung zweitrangig. Er musste dringend Lebensmittel anbauen, um seine Frau zu ernähren, und seine größte Sorge war, wann es endlich regnen würde, damit er anfangen konnte.

          „Wenn es nicht regnet, weiß ich nicht, was wir tun werden. Wir werden zu Gott beten“, sagte er.

          Tarira und ihr Sohn Avoraza, 4 Jahre alt, gehen durch ein mit rotem Sand bedecktes Feld in Anjeky Beanatara, Region Androy, Madagaskar.
          Tarira und ihr Sohn Avoraza, 4 Jahre alt, gehen durch ein mit rotem Sand bedecktes Feld in Anjeky Beanatara, Region Androy, Madagaskar. : Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

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