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Generationswechsel : Hofübergabe im Schwarzwald

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Von seinen drei Kindern hatte erst keins Interesse an einer Übernahme. Erst als Heinrich Till eigene Pläne entworfen hat, zeigte der jüngste Sohn Johannes (hier im Bild) Interesse. Dieser Prozess war im Nachhinein viel Wert: Die Hofübernahme funktioniert oft deutlich besser, wenn der Abgebende sich nicht mehr so stark mit seinem Hof identifiziert. Bild: Verena Müller

Ein Bauernhof macht viel Arbeit. Wie er von einer Generation in die nächste übergehen kann, ist heute unsicherer denn je, aussichtslos aber nicht. Durch Übergaben außerhalb der Familie eröffnen sich neue Wege. Die Fotografin Verena Müller hat drei Höfe mit unterschiedlicher Geschichte besucht und dokumentiert.

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          Das Bewusstsein für gute und auch regionale Lebensmittel rückt immer mehr in unser Bewusstsein und verändert mehr und mehr das Konsumverhalten. Wir wollen Bio-Produkte, am besten aus dem Dorf von Nebenan. Lieferketten sollen dabei möglichst kurz gehalten sein, da viel Warenverkehr dem Klima schadet. Wer aber am Ende der Produktionskette steht, bleibt für den Endverbraucher oft ein abstrakter Firmenname.

          Die Arbeit, die hinter dem Anbau von Obst und Gemüse steckt ist oft eine verklärte und romantisierte Idee, die für viele ein Wunschtraum ist. Wer sich ein paar Tomaten auf dem Balkon hält und diese mal eingehen lässt, für den ist das im Eigengebrauch nicht weiter tragisch, im Supermarkt gibt es ja Nachschub. Sobald aber eine Existenz davon abhängt, scheuen viele das Risiko von körperlicher Gartenarbeit. So kommt es, dass viele Bauernhöfe in Deutschland eine ungewisse Zukunft haben. Die Kinder der Eigentümer schlagen heute auch häufig lieber eine akademische Laufbahn in der Stadt ein, als einen Hof mit viel Land zu übernehmen.

          Dennoch finden sich immer wieder Neugierige, die das Risiko eines Hofes mit viel Leidenschaft eingehen möchten. Die Fotografin Verena Müller hat für die Initiative „Bauernschlau“ verschiedene Höfe und deren Eigentümer im Schwarzwald besucht, um das neue, alte Landleben mit ihrer Kamera zu dokumentieren. 

          Familie Albrechts Suche nach einem geeigneten Hof hat sechs Jahre gedauert. Heute leben sie im Windberghof - einen zwanzigminütigen Fußmarsch von St. Blasien entfernt.
          Familie Albrechts Suche nach einem geeigneten Hof hat sechs Jahre gedauert. Heute leben sie im Windberghof - einen zwanzigminütigen Fußmarsch von St. Blasien entfernt. : Bild: Verena Müller
          Über zehn Jahre lang haben Martina und Holger Albrecht ihren Hof in Eigenleistung restauriert.
          Über zehn Jahre lang haben Martina und Holger Albrecht ihren Hof in Eigenleistung restauriert. : Bild: Verena Müller
          Die Albrechts leben auf dem Hof mit ihren zwei Kindern und allerhand Tieren. Sie bewirtschaften den Hof hauptberuflich.
          Die Albrechts leben auf dem Hof mit ihren zwei Kindern und allerhand Tieren. Sie bewirtschaften den Hof hauptberuflich. : Bild: Verena Müller
          Oliver Albrecht verdient sein Geld als Musiklehrer und hilft nach dieser Arbeit viel auf dem Hof mit.
          Oliver Albrecht verdient sein Geld als Musiklehrer und hilft nach dieser Arbeit viel auf dem Hof mit. : Bild: Verena Müller
          Silke und Jürgen Bender haben ihren Hof vor über 25 Jahren außerfamiliär übernommen, später kam noch ein zweiter hinzu.
          Silke und Jürgen Bender haben ihren Hof vor über 25 Jahren außerfamiliär übernommen, später kam noch ein zweiter hinzu. : Bild: Verena Müller
          Wie für viele Landwirte im Schwarzwald ist der Tourismus auch für Familie Bender ein wichtiges Standbein. Ihr zweiter Hof wird an Feriengäste vermietet. Die eigenen Kinder sind noch unentschlossen, ob sie den Hof übernehmen möchten.
          Wie für viele Landwirte im Schwarzwald ist der Tourismus auch für Familie Bender ein wichtiges Standbein. Ihr zweiter Hof wird an Feriengäste vermietet. Die eigenen Kinder sind noch unentschlossen, ob sie den Hof übernehmen möchten. : Bild: Verena Müller
          Jürgen Bender auf seinem Hof in Oberried.
          Jürgen Bender auf seinem Hof in Oberried. : Bild: Verena Müller
          Heinrich Till hat vor über 30 Jahren mit seiner Frau Christin nach einem geeigneten Hof gesucht und ist dann in einem kleinen Ort Äule nahe dem Schluchsee fündig geworden.
          Heinrich Till hat vor über 30 Jahren mit seiner Frau Christin nach einem geeigneten Hof gesucht und ist dann in einem kleinen Ort Äule nahe dem Schluchsee fündig geworden. : Bild: Verena Müller
          Heinrich Till hat damals ganz bewusst nach einer Lebensform gesucht, die sinnstiftend für ihn ist.
          Heinrich Till hat damals ganz bewusst nach einer Lebensform gesucht, die sinnstiftend für ihn ist. : Bild: Verena Müller
          Das Tal am Schluchsee im herbstlichen Nebel.
          Das Tal am Schluchsee im herbstlichen Nebel. : Bild: Verena Müller

          Wie bist du auf das Thema gekommen und was waren deine Eindrücke und Empfindungen bei der Arbeit auf
          den Bauernhöfen?

          Die Idee für dieses Projekt hatte der Journalist Mathias Heybrock. Wir haben uns bei einer kleineren Arbeit zu demselben Thema für die Frankfurter Allgemeine Zeitung kennengelernt. Ich war sofort sehr angetan. Es geht um die Suche nach Nachfolgern für landwirtschaftliche Höfe. Früher klappte das einfach innerhalb der Familien, heute sind oft andere Wege nötig. Ziel des Projekts ist auch, Kontakt und Austausch zwischen Landwirten und allen, die vielleicht in Zukunft einen eigenen Hof bewirtschaften möchten, herzustellen.
          Auf dem Online-Portal agronauten.net wird die Arbeit mit dem Titel Bauernschlau – Geschichten zur Hofübergabe – gezeigt. Sie entstand in Kooperation mit den Agronauten, einer gemeinnützigen Forschungsgesellschaft für Agrar- und Ernährungskultur, sowie Maike Aselmeier vom AktivForum Hofübergabe. Das Projekt wurde durch das Biosphärengebiet Schwarzwald gefördert.
          Zu manchen Höfen bin ich nur über einen langen Schotterweg durch den Wald gelangt - ich dachte, ich hätte mich mal wieder verfahren, aber das ist tatsächlich der einzige Weg. Die Höfe waren beeindruckend und zum Teil sehr alt, so dass ihre Geschichte überall spürbar ist. Auch an die kleinen Momente werde ich mich gerne erinnern. Aufwärmen in der Stube mit Holzofen oder den feinen Geschmack des selbstgemachten Käses. Neben dieser Schönheit tritt schnell stark in den Hintergrund, welche harte Arbeit mit der Landwirtschaft verbunden ist.

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