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Klimawandel : Die schmelzenden Archive des Klimas

  • Aktualisiert am

Pflanzen in der Nähe eines Sees vor dem Jamtalferner Gletscher. Bild: Lisi Niesner/Reuters

In den Alpen erforschen Wissenschaftler den Klimawandel. Die Fotografin Lisi Niesner hat ihre Arbeit dokumentiert.

          3 Min.

          Die österreichischen Gletscher in den östlichen Alpen reagieren sehr sensibel auf den Klimawandel und schmelzen schnell, was es dringend macht sie zu untersuchen, bevor sie verschwinden.

          „Wir sind gerade im Jahr 1920“ sagt die Wissenschaftlerin Andrea Fischer. „Den Rest des Eises haben wir schon verloren - wir haben alles verloren, von 1920 bis heute“, erzählt die Forscherin vom Institut für Interdisziplinäre Bergforschung. Sie arbeitet auf der Weißseespitze, einer Bergspitze, die circa 3500 Meter über dem Meeresspiegel liegt und auf der sich Österreichs ältestes Gletschereis befindet.

          „In den nächsten zwei Jahren werden wir weitere 70 Jahre an Eis und Informationen verlieren“, fügt sie an.

          Wissenschaftler entnehmen Eisproben vom Gepatschferner Gletscher.

          Auf dieser Bergspitze haben Fischer und ihre Kollegen bis zum Boden des vergleichsweise ungestörten Gletschers gebohrt, um Eisproben zu entnehmen, die dann analysiert werden sollen, um Informationen über das Klima der vergangenen Jahrtausende zu erhalten.

          Fischer, deren Arbeit in den IPCC Report einfloss, glaubt, dass das Eis zwischen 3000 und 5000 Jahre alt sein könnte. Ihre Eis-Proben werden im Labor untersucht, um sie datieren zu können.

          Die Wissenschaftlerin Andrea Fischer untersucht eine Eisprobe.

          Die tiefer gelegenen Eisschichten sind kompakter, als die oben liegenden. Das bedeutet, das ein Meter Gletschereis bis zu 1000 Jahre Klimadaten enthalten kann.
          „Das Eis ist bloß einige Meter dick. In wenigen Jahren wird der Gipfel komplett eisfrei sein“, sagt Andrea Fischer.

          Eine Eisprobe des Gepatschferner Gletschers.

          Während die Analyse von anderen Materialien, wie zum Beispiel Baumstämme, Informationen über die Sommertemperaturen speichern, ist das Gletschereis eines der wenigen Materialien, das Auskunft über die Niederschläge geben können.

          Und viele von diesen Informationen werden bald verloren sein.

          Ein Wissenschaftler schneidet Eisbrocken aus dem Schaufelferner Gletscher im Stubaital.
          Wanderer überqueren den Jamtalferner Gletscher in der Nähe von Galtuer, Österreich.
          Zum Schutz vor Sonne abgedecker Schnee im Pitztal.
          Ein Erdrutsch im Jamtal.

          Die Bilder stammen aus einer Langzeit-Reportage der Wiener Fotografin Lisi Niesner, die für Reuters arbeitet. Wir haben sie zu ihrer Arbeit befragt.

          Fau Niesner, wie sind Sie auf das Thema gekommen?

          Ich mochte die visuelle Berichterstattung zum Klimawandel nicht. Viele Fotos waren langweilig und wiederholten sich in gewisser Weise. In den Artikeln ging es hauptsächlich um die Arktis, Antarktis, Grönland und den Anstieg des Meeresspiegels.

          Ich wohne aber in den Alpen. Jedes Jahr hab ich gelesen: Die Gletscher in den Alpen sind um so und so viele Meter zurückgegangen. Mich hat interessiert, wie es zu diesen Ergebnissen kommt. Wie machen die das?

          Es gibt Wissenschaftler, die führen Messungen durch, das dauert Monate. Sie klettern auf Berge und überqueren Gletscher, schleppen Rucksäcke und buddeln Löcher ins Eis. Dann werten sie die Daten aus und treffen faktenbasierte Aussagen. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die den Beitrag des Menschen zur Erderwärmung leugnen. Das hat mich beunruhigt.

          Welche Kameras und Objektive benutzen Sie? Was ist Ihre Lieblingsausrüstung?

          Meine Standardausrüstung ist die Canon 1DX mark II und vier Objektive: 70-200mm f2.8, 16-35mm f2.8, 400mm f4 and 50mm f1.2. Das 50mm-Objektiv ist unentbehrlich.

          Wie und womit bearbeiten Sie Ihre Bilder?

          Ich verwende Photoshop Elements für Tonwertkorrektur und Ausschnitt. 

          Welche Fotografen sind Ihre Vorbilder?

          Ich treffe viele talentierte Kollegen und sie inspirieren meine tägliche Arbeit. Beeindruckt hat mich Lisette Model. Ihre Fotografie ist nicht gefällig, das mag ich. Und ich stimme ihrem Zitat zu: „Fotografie ist die einfachste Kunst, das macht sie wahrscheinlich zur schwierigsten.“

          Hat ein Buch Sie besonders beeindruckt?

          Ich bin ein Zeitungs-Fan und liebe Nachrichten-Fotografie. Als ich ein Kind war, habe ich die raren Farbfotos aus den Tageszeitungen der frühen 1990er Jahre ausgeschnitten und gesammelt. Später kaufte ich das Buch „Fotos, die die Welt bewegten“, das ich sehr oft durchgeblättert habe - wahrscheinlich ein Grund, warum ich heute Pressefotografin bin. 

          Welcher ist Ihr Lieblingsort?

          Der Job bringt es mit sich, dass man oft mit Leuten zusammen gepfercht ist und ständig die Nachrichten checkt. Wenn es kein Internet gibt, ist das ein Segen, deswegen bin ich gerne in den Bergen. 

          Kurzbiographie

          Absolventin „die Graphische“ in Wien 2005

          Pressefotografin seit 2006

          Agenturfotografin seit 2010

          Gewinnerin Kategorie Serie, Objektiv der Österreichische Preis für Pressefotografie 2010

          Gewinnerin Kategorie Editorial, Felix Schöller Photo Award 2013

          Absolventin Kuratorium für Journalistenausbildung in Salzburg 2017

          Gewinnerin Kategorie Innenpolitik und Pressefoto des Jahres, Objektiv, der Österreichische Preis für Pressefotografie 2019 

          https://widerimage.reuters.com/photographer/lisi-niesner

          www.filzstiefel.at

          @LisiNiesner

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