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Gefährlicher Alltag : Die Sandgräber von Mali

  • Aktualisiert am

Ein Arbeiter taucht in den Niger, um die Qualität des Sandes zu prüfen. Bild: Michele Cattani/AFP

Malis Hauptstadt Bamako erlebt einen imposanten Bauboom. Für die benötigten Ziegelsteine tragen Arbeiter mit bloßen Händen Sand vom Flussbett des Niger ab. AFP-Fotograf Michele Cattani hat die Männer bei ihrer gefährlichen Arbeit begleitet.

          Zum Bauen braucht man Sand, viel Sand. In Mali gibt es den besten Sand im Flußbett des Nigers, Arbeiter der Bozo, eine Volksgruppe die als Fischer am Flußufer des Nigers leben, sind die Sandlieferanten der Nation. In selbstgebauten Holzbooten, angetrieben von umgebauten LKW-Dieselmotoren, pendeln die Arbeiter auf dem Niger, um den benötigten Sand zur Hauptstadt Bamako zu bringen. Im Oberlauf des Flusses bei Kangaba werden die Boote mit dem begehrten Sand beladen. Mühsam von Hand wird der Sand vom Boden des Flusses heraufgeholt und in die Boote geschüttet. Die Arbeiter sind den ganzen Tag im Wasser unterwegs, füllen unter Wasser ihre Eimer und leeren diese im Boot aus, eine gefährliche und kräftezehrende Tätigkeit. Bis zu zehn Tonnen Sand kann das Boot tragen. Eine Bootsladung ist rund 80 Euro wert. 60 Kilometer stromabwärts, in Bamako, wird der Sand gebraucht, zur Herstellung von Ziegelsteinen. Das Ausladen der Boote übernehmen Frauen, die über wackelige Holzbretter balancieren und ihn mit Holzkörben ans Ufer bringen.

          Ein Sandgräber taucht in den Niger, um Sand zu sammeln. Die Arbeiter sind häufig starken Strömungen und heftigen Stürmen ausgesetzt.
          Ein malischer Sandgräber belädt ein Boot mit Sand in der Nähe von Kangaba. Aus dem hochwertigen Sand werden Bauziegel hergestellt.
          Die Boote können bis zu zehn Tonnen Sand, der aus dem Flussbett des Nigers geborgen wird, transportieren.
          Ein Sandgräber zieht sein Boot zu einer Stelle, an der er tauchen und Sand sammeln kann.
          Ein Arbeiter kippt Sand in das Transportboot.

          Die Bozo, die in Westafrika beheimatete ethnische Gruppe, lassen sich normalerweise bei ihrer Arbeit nicht fotografieren. Der italienische Fotograf Michele Cattani sprang aber selbst in das braune Nigerwasser und arbeitete mit den Männern bevor er sie fotografierte. So gelang ihm diese Reportage, von der wir hier die beeindruckendsten Fotos zeigen.

          Ein Konvoi aus Booten mit gesammeltem Sand zwischen Kangaba und Bamako.
          Sandgräber stehen auf ihren Booten vor einer Entnahmestelle.
          Im Hafen von Bamako laden die Arbeiter den gesammelten Sand in einen Lastwagen.

          Am Ende der Bilderstrecke lesen Sie Cattanis Antworten auf unseren F.A.Z.-Fotografie-Fragebogen.

          Malische Frauen entladen Flusssand von Booten, die im Hafen von Bamako festgemacht wurden.
          Malische Arbeiter holen ein Boot aus dem Fluss.
          Ein Arbeiter verteilt Wasser auf den sonnengetrockneten Ziegelsteinen aus Flusssand in einer Fabrik in Bamako.
          Bauboom in Mali: Die Ziegel des Gebäudes bestehen aus Sand aus dem Niger.
          Sandgräber sitzen bei stürmischem Wetter über dem Niger auf einem Boot.

          Was haben Sie während des Fotografierens erlebt und warum haben Sie sich für dieses Thema entschieden?

          I came up with the story in 2017, working with some returned migrants who were employed as sand extractors. 

          Each freelance who works in Mali knows how could be hard to work with sand collectors; they use to reject photographers and journalist, always saying:  “You can’t take pictures of us working hard for our low salary and then pretend to sell them for thousands of euros in France”. 

          They were right, I wanted to join them for an expedition, but I couldn't do it in that way, I had to get their permission and to break down their disbelief. 

          There were no alternatives: I had to dive with them in the Niger, I had to learn how collect sand from the river’s bed. I tried to fill the boat bucket by bucket and I tried to load on my head more than 20 kilograms of wet sand; From their point of view I should have been so funny to see that finally they accepted me on the boat and they let me work with them.

          I was shocked from these guys belonging to the ethnic group “Bozo”, from me they were heroic:  they were able to build a 3 tonnes boat with just an ax and some nails made by recovering old pieces of iron, to tie together more than 20 canoes and finally to modify engines taken from old truck and to navigate with it. 

          I was observing the old truck's engine adapted on the boat, when someone yelled: “Ehi Toubab (White man in Bambara), have you seen? We didn’t go to school, we’re not able to write and read, but the engine you’re looking is the prove of our African skills.”

          It was true, but I couldn’t tell him that I was impressed from their skills and at same time terrified from that precarious craftwork.

          The travel is 3 days long and weather conditions could make it highly dangerous, especially during the rainy season, storms and wind could sink the boat in the middle of the river and although diggers are normally able to swim many of them lose their life in these expeditions. 

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