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Drag Queens mit Down Syndrom : In der Verwandlung liegt die Kraft, Darlings!

  • -Aktualisiert am

Eine Truppe wie keine andere: Die Kings und Queens von Drag Syndrome. Bild: Erik Messori/CAPTA

Drag-Queens und Menschen mit Behinderung werden oft eindimensional gezeichnet, sagt der Fotograf Erik Messori. Er hat das weltweit erste Crossdressing-Kollektiv mit Down-Syndrom begleitet: Drag Syndrome aus London feiert den Spaß an der Verwandlung – und am Leben.

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          Drag Syndrome ist das weltweit einzige professionelle Ensemble aus Drag-Kings und -Queens mit Down-Syndrom. Es setzt sich aus derzeit zehn festen Mitgliedern zusammen, die alle über ein zusätzliches Chromosom 21 verfügen. Hervorgegangen ist die Gruppe vor vier Jahren aus der britischen Organisation Culture Device, einer Kompanie für Berufstänzerinnen und -tänzer mit Trisomie 21, gegründet von dem Choreografen Daniel Vais, der auch bei Drag Syndrome als künstlerischer Berater tätig ist. Horrora Shebang, Gaia Callas, Justin Bond, Davina Starr und die anderen Kings und Queens inszenieren sich jedoch selbst und bringen Glamour, Extravaganz und nicht zuletzt Lebensfreude auf die Bühne.

          Von Berlin bis Mexiko-Stadt reicht die Gigliste des Londoner Kollektivs, als ein Höhepunkt kann sicher ihr Auftritt bei RuPauls UK Drag Convention im Januar 2020 zählen. Die selbstbewusste Performance mit Tiara, Federboa und Pailetten oder in Lederkutte und mit aufgemaltem Asche-Bart feiert die Diversität und zeigt, dass Menschen mit Down-Syndrom viel mehr als nur „süß und niedlich“ sind: Bunt, laut, leise, zornig, wild, stolz – und sexuell. Wie alle anderen Menschen auch.

          Bühnenpräsenz pur: Schauspieler und Filmemacher Otto Baxter als Horrora Shebang.
          Bühnenpräsenz pur: Schauspieler und Filmemacher Otto Baxter als Horrora Shebang. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          Danny Smith gibt auf der Bühne alles als Gaia Callas im Londoner Southbank Art Centre.
          Danny Smith gibt auf der Bühne alles als Gaia Callas im Londoner Southbank Art Centre. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          Stehlen auf RuPauls DragCon UK allen die Show: Horrora Shebang und Gaia Callas.
          Stehlen auf RuPauls DragCon UK allen die Show: Horrora Shebang und Gaia Callas. : Bild: Erik Messori/CAPTA

          Der italienische Fotograf Erik Messori, der in London lebt, hat das Kollektiv über mehrere Monate hinweg begleitet. Sein Friseur, der selbst in Drag auftritt, hatte ihn auf Drag Syndrome aufmerksam gemacht: „Er fragte mich, ob ich am Abend zu seiner Show kommen wolle, und erzählte von dieser brandneuen Gruppe. Ich sprang fast vom Stuhl, als ich von deren Konzept hörte – und entschloss mich sofort, diese in mehrfacher Hinsicht mutige Geschichte in Bildern zu erzählen. Sowohl Drag als auch Behinderungen sind in der kollektiven Vorstellung sehr eindimensional gezeichnet, und dieses Projekt hat die Kraft, mit vielen Vorurteilen gleichzeitig aufzuräumen.“

          Davina Starr bereitet sich auf die Show vor.
          Davina Starr bereitet sich auf die Show vor. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          Drag Queen Charity Kase, mit bürgerlichem Namen Harry Whitfield, macht aus David Simpson Davina Starr.
          Drag Queen Charity Kase, mit bürgerlichem Namen Harry Whitfield, macht aus David Simpson Davina Starr. : Bild: Erik Messori/CAPTA

          Es folgten drei Recherchemonate, in denen er sich intensiv mit Crossdressing und den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen mit Down-Syndrom auseinandersetzte. Nach dem ersten Kontakt auf einer ihrer Shows lag der Hauptteil der Arbeit in der Herstellung von Komplizenschaft mit den Ensemblemitgliedern: „Ich glaube nicht an den „unsichtbaren Fotografen“. Mein Modus Operandi ist, in die Geschichten einzutauchen, um sie erzählen zu können. Weil diese Arbeit sensible Themen berührt, war es mir besonders wichtig, die Gelassenheit meiner Protagonisten und Protagonistinnen nicht zu kompromittieren. Ich habe mich während der vier Monate langsam in die Situation hineingefunden, über Gespräche und Interaktion, bin zu Tanzproben gegangen und habe Zeit mit ihnen verbracht. Erst als ich spürte, dass sie mich akzeptierten, begann ich zu fotografieren.“

          Frei von Lampenfieber. Auf dem Weg zur Bühne in London Olympia.
          Frei von Lampenfieber. Auf dem Weg zur Bühne in London Olympia. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          Horrora Shebang flirtet mit der Kamera.
          Horrora Shebang flirtet mit der Kamera. : Bild: Erik Messori/CAPTA

          Die so entstandenen Fotos zeigen die Künstlerinnen und Künstler in voller Montur auf der Bühne vor großem Publikum, bei Autogrammstunden und posierend bei Fototerminen. Auch private Aufnahmen in der Maske, beim Kräftesammeln vor den Auftritten oder bei persönlichen Vorbereitungen für die große Show sind darunter. Gemeinsam ist Messoris Bildern, dass sie die starke Präsenz der Ensemblemitglieder im Moment einfangen. Und die Sorgfalt, mit der sie ihrem Job nachgehen. Die schillernde Drag-Performance ist eine Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen – und Teil ihrer Lebensrealität.

          Andere Drag Queens stehen Schlange, um ein Foto mit den Mitgliedern von Drag Syndrome zu erhaschen. Hier: Küsschen von Gaia Callas.
          Andere Drag Queens stehen Schlange, um ein Foto mit den Mitgliedern von Drag Syndrome zu erhaschen. Hier: Küsschen von Gaia Callas. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          Alice hinter den Spiegeln: Kieran Duffy beim Einstudieren seiner Tanzroutine.
          Alice hinter den Spiegeln: Kieran Duffy beim Einstudieren seiner Tanzroutine. : Bild: Erik Messori/CAPTA

          Auch wenn die Kunst und nicht das Extra-Chromosom im Vordergrund steht: Drag Syndrome schafft Sichtbarkeit für Menschen mit Behinderung in einer Zeit, in der der Fortschritt pränataler Diagnostik zu höheren Raten gezielter Abtreibung führt. Durch ihre Transformation kreieren die Performerinnen und Performer einen Raum, in dem Geschlechterrollen sowie gesellschaftliche Zuschreibungen und Tabus hinterfragt werden können. „Es geht um die Souveränität von Erwachsenen mit Lernbehinderung, um ihre Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen“, sagt Erik Messori. „Ob sie ein Sexualleben führen, heiraten, sich als queer identifizieren oder konventionelle Ansichten über Menschen mit Behinderung durch Crossdressing auf der Bühne in Frage stellen wollen – sie fordern das Recht ein, sich selbst auszudrücken und ihr Leben mit der Kunst, dem Spaß und der Liebe zu führen, die sie selbst wählen.“

          Hinter der Bühne: Gaia Callas (rechts) lässt Horrora Shebang (links) und Davina Starr in der Maske den Vortritt.
          Hinter der Bühne: Gaia Callas (rechts) lässt Horrora Shebang (links) und Davina Starr in der Maske den Vortritt. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          David Simpson als Davina Starr mit drei seiner Kolleginnen vor einem Auftritt im Southbank Arts Centre in London.
          David Simpson als Davina Starr mit drei seiner Kolleginnen vor einem Auftritt im Southbank Arts Centre in London. : Bild: Erik Messori/CAPTA
          Drag Syndomes Davina Starr gibt Autogramme auf der DragCon.
          Drag Syndomes Davina Starr gibt Autogramme auf der DragCon. : Bild: Erik Messori/CAPTA

          Homepage des Fotografen Erik Messori

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