https://www.faz.net/-ipx-a2tq5

Fotojournalist Kai Pfaffenbach : „Meine Bilder sind echt!“

Wenige Stunden vor Eröffnung des neuen EZB-Gebäude in Frankfurt wurden Polizeifahrzeuge von antikapitalistischen Blockupy-Aktivisten in Brand gesetzt. Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters

Vor 25 Jahren ist Kai Pfaffenbach als freier Fotograf für die F.A.Z. gestartet – heute arbeitet der Hanauer als Chief Photographer für die Nachrichtenagentur Reuters. FAZ.NET präsentiert eine Auswahl seiner besten und beeindruckendsten Bilder.

          5 Min.

          In der Leica Galerie Frankfurt zeigt die Ausstellung „Chronist unserer Zeit – 25 Jahre Fotojournalismus von Kai Pfaffenbach“ Arbeiten des preisgekrönten Fotografen.

          Martin Schalk
          Bildredakteur

          Vor der Eröffnung seiner Ausstellung berichtet Kai Pfaffenbach im Interview mit der F.A.Z., dass er mit „Respekt gegenüber der Situation“ in all seine Fotoaufträge gehe – ganz gleich ob es sich um überschaubare lokalpolitische Ereignisse, große Sportwettkämpfe oder Reportagen in Krisen- und Kriegsgebieten handelt. Es sei sein „Antrieb, sich mit seinen eigenen Augen ein Bild von der Situation vor Ort zu machen“, sagt Pfaffenbach. Sein starker Antrieb sei „möglichst vielen Menschen DAS sehen zu lassen durch meine Bilder“.

          Und DAS sind hochdramatische Reanimationsarbeiten durch eine Rettungshubschrauber-Crew an einem kollabierten Menschen in der Covid-19 Krise, die brennenden Polizeifahrzeuge aus nächster Nähe während der EZB-Demonstrationen, eine zerstörerische Raketenexplosion im syrisch-türkischen Grenzgebiet oder die unter Trümmern herausragende Hand einer toten Frau in einem türkischen Erdbebengebiet.

          Notärztin Katharina Franz und Notfallsanitäter Andreas Hankel blicken während der Reanimation eines COVID-19 Patienten im Klinikum Hanau angespannt auf einen Vitaldatenmonitor.
          Notärztin Katharina Franz und Notfallsanitäter Andreas Hankel blicken während der Reanimation eines COVID-19 Patienten im Klinikum Hanau angespannt auf einen Vitaldatenmonitor. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Staub und Rauch steigen nach einem Luftangriff auf IS-Kämpfer im türkisch-syrischen Grenzgebiet von Südostanatolien nahe der Stadt Suruc auf.
          Staub und Rauch steigen nach einem Luftangriff auf IS-Kämpfer im türkisch-syrischen Grenzgebiet von Südostanatolien nahe der Stadt Suruc auf. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Eine beringte Frauenhand ragt nach einem Erdbeben mit tausenden Todesopfern aus den Trümmern eines zerstörten Hauses in der türkischen Stadt Golcuk.
          Eine beringte Frauenhand ragt nach einem Erdbeben mit tausenden Todesopfern aus den Trümmern eines zerstörten Hauses in der türkischen Stadt Golcuk. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters

          „Katastrophen brauchen Öffentlichkeit“ ist Pfaffenbach überzeugt und er ist sich seiner „journalistische Sorgfaltspflicht“ bewusst, wenn er über „Top-Nachrichtenlagen“ in Bild und gelegentlich auch mit Bewegtbild berichtet. Gerade in Zeiten von „Fake News“ und „Lügenpresse“ ist es dem Fotoreporter wichtig, „faktenfest zu bleiben“.

          Seine dokumentarischen Bilder gehen üblicherweise unbearbeitet und blitzschnell direkt aus seiner Kamera über Satellitenverbindungen zu den weltweiten Nachrichtenkunden. Wenn eine „Bearbeitung“ erforderlich scheint, dann eher nur ein minimaler Bildbeschnitt sowie gelegentlich dezente Helligkeits- oder Farbkorrektur durch einen Photo Editor am Reuters Desk. Dies sehen auch die Regeln der Nachrichtenagentur Thomson Reuters genau so vor. Das Reuters-„Handbook of Journalism“ legt darüber hinaus fest, dass nicht nur die News-Bilder diese Realität reflektieren sollen, sondern auch die Captions – die exakte und wahrheitsgetreue Bildbeschreibung in jeder einzelnen Bilddatei.

          Pfaffenbach bezeichnet sich selbst als „Handwerker“. Er hat autodidaktisch fotografieren erlernt und ein wichtiger Unterstützer in seiner Dunkelkammer-Anfangszeit war ein befreundeter Fotografenkollege aus der Region. Auch die Laborantinnen und Fotografenkollegen der F.A.Z. seien in seiner Anfangszeit wertvolle Ratgeber und Inspiratoren für ihn gewesen.

          Ein amerikanischer Soldat genießt in einer Kampfpause seine Zigarette zwischen den irakischen Städten Nadschaf und Karbala als ein Sandsturm das Tageslicht orange färbt.
          Ein amerikanischer Soldat genießt in einer Kampfpause seine Zigarette zwischen den irakischen Städten Nadschaf und Karbala als ein Sandsturm das Tageslicht orange färbt. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters

          Gelegentlich gelangt der Fotojournalist auch an seine Grenzen, körperlich und emotional. „Manchmal drückst du einfach nur mehr drauf“, aber „das will niemand sehen“ und „manches soll niemand sehen“.

          Pfaffenbach möchte ein „gutes journalistisches Foto“ über seine Agentur ausspielen und das muss nicht immer nur eine beklemmend laut schreiende Optik sein. Sondern soll und muss manchmal auch ein stilles und einordnendes Bild sein. Er sieht sich der umfassenden Berichterstattung verpflichtet: Eine „komplette Coverage ist mein Anspruch“ und „nicht nur reißerische Bilder“.

          Passanten laufen in einem starken Gewitterregen über eine Straße in Frankfurt.
          Passanten laufen in einem starken Gewitterregen über eine Straße in Frankfurt. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Eine „MedEvac“ Helikopter Crew der deutschen Bundeswehr bereitet sich im afghanischen Kunduz auf den Start eines medizinischen Evakuierungsfluges vor.
          Eine „MedEvac“ Helikopter Crew der deutschen Bundeswehr bereitet sich im afghanischen Kunduz auf den Start eines medizinischen Evakuierungsfluges vor. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Polizeikräfte feuern Tränengas bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten gegen Boliviens Präsident Evo Morales und Regierungsunterstützern in La Paz, Bolivien.
          Polizeikräfte feuern Tränengas bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten gegen Boliviens Präsident Evo Morales und Regierungsunterstützern in La Paz, Bolivien. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Ein sichergestelltes Projektil liegt nach rassistisch motivierten Anschlägen mit zehn Getöteten am 20.02.2020 in Hanau nahe Frankfurt auf dem Boden.
          Ein sichergestelltes Projektil liegt nach rassistisch motivierten Anschlägen mit zehn Getöteten am 20.02.2020 in Hanau nahe Frankfurt auf dem Boden. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Ein Mann blickt auf einem Dach sitzend auf die Zerstörungen nach einer Geröll-Lawine in der Stadt Braunsbach, Baden-Württemberg.
          Ein Mann blickt auf einem Dach sitzend auf die Zerstörungen nach einer Geröll-Lawine in der Stadt Braunsbach, Baden-Württemberg. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Israelische Soldaten ruhen sich nach einem Kampfeinsatz aus, nachdem sie von der Libanon-Front nahe der israelischen Stadt Avivim zurückgekehrt sind.
          Israelische Soldaten ruhen sich nach einem Kampfeinsatz aus, nachdem sie von der Libanon-Front nahe der israelischen Stadt Avivim zurückgekehrt sind. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Eine Protestierende springt auf das Podium und unterbricht somit eine Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi in Frankfurt.
          Eine Protestierende springt auf das Podium und unterbricht somit eine Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi in Frankfurt. : Bild: Kai Pfaffenbach Reuters
          Ein Straßenverkäufer schiebt seine Ware während der antikapitalistischen Blockupy-Proteste nahe dem EZB-Hauptquartier in Frankfurt an Polizeikräften vorbei.
          Ein Straßenverkäufer schiebt seine Ware während der antikapitalistischen Blockupy-Proteste nahe dem EZB-Hauptquartier in Frankfurt an Polizeikräften vorbei. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Passanten eilen an einem schlafenden Mann vorbei, der auf dem Pflaster der starkfrequentierten Argyle Street im chinesischen Hong Kong liegt.
          Passanten eilen an einem schlafenden Mann vorbei, der auf dem Pflaster der starkfrequentierten Argyle Street im chinesischen Hong Kong liegt. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Hong Kong’s Regierungschefin Carrie Lam hält inne während einer Pressekonferenz in Hong Kong, China. (Bild aus Serie, Pulitzer-Preis 2020 in Kategorie Breaking News Photography an Reuters-Team für Hong Kong Coverage)
          Hong Kong’s Regierungschefin Carrie Lam hält inne während einer Pressekonferenz in Hong Kong, China. (Bild aus Serie, Pulitzer-Preis 2020 in Kategorie Breaking News Photography an Reuters-Team für Hong Kong Coverage) : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Usain Bolt aus Jamaika blickt auf seine Verfolger zurück im Semifinale zum 100 Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, Brasilien. (World Press Photo Award 2017, 3. Platz in Kategorie Sport Einzelbilder)
          Usain Bolt aus Jamaika blickt auf seine Verfolger zurück im Semifinale zum 100 Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, Brasilien. (World Press Photo Award 2017, 3. Platz in Kategorie Sport Einzelbilder) : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Der serbische Tennisprofi Novak Djokovic während eines Tennismatches gegen den Japaner Yoshihito Nishioka bei den Australien Open in Melbourne.
          Der serbische Tennisprofi Novak Djokovic während eines Tennismatches gegen den Japaner Yoshihito Nishioka bei den Australien Open in Melbourne. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Der Trainer der Fussballmannschaft  Eintracht Frankfurt präsentiert nach dem gewonnenen DFB-Cup die Siegertrophäe am Rathausbalkon Frankfurt.
          Der Trainer der Fussballmannschaft Eintracht Frankfurt präsentiert nach dem gewonnenen DFB-Cup die Siegertrophäe am Rathausbalkon Frankfurt. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters
          Mario Götze schießt am 13. Juli 2014 das Siegestor für die deutsche Nationalmannschaft im Fußball-WM Finale gegen Argentinien im Maracana Stadion von Rio de Janeiro.
          Mario Götze schießt am 13. Juli 2014 das Siegestor für die deutsche Nationalmannschaft im Fußball-WM Finale gegen Argentinien im Maracana Stadion von Rio de Janeiro. : Bild: Kai Pfaffenbach / Reuters


          Fotograf Kai Pfaffenbach hat uns Fragen beantwortet:


          Uns interessiert was du bei der Reportage erlebt hast. Gibt es herausragende Erlebnisse? Wie bist du auf das Thema gekommen?

          Es gab einige einschneidende Momente in meiner fotografischen Karriere für Reuters: Das Erdbeben 1999 in der Türkei war ein Schlüsselerlebnis. Keine zwei Stunden nach dem Beben bin ich mit minimaler Ausstattung im Rucksack nach Istanbul geflogen, per Anhalter Richtung Epizentrum und blieb anschließend zwei Wochen. Ein Mann hat mich damals aufgefordert die Hand seiner Ehefrau (die er am Ring identifiziert hatte, Anm.) inmitten von Trümmern zu fotografieren, das Bild schaffte es auf die Titelseite des Time Magazin und sorgte für weltweite Aufmerksamkeit dieser Tragödie. Mit der ersten Lufthansa Maschine nach dem Anschlägen vom 11. September 2001 von Frankfurt nach New York zu fliegen um dort unser betroffenes Reuters Team zu unterstützen war sicherlich auch einer der Momente, die ich nicht vergessen werde. Embedded 2003 mit einer US-amerikanischen Militäreinheit von Kuwait nach Bagdad – 34 „wilde“ Tage. Die Bundeswehr gewährte mir 2009 bis dahin ungesehene Einblicke in ihr Feldlager in Kunduz, Afghanistan.

          Topmeldungen

          NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel

          Verteidigungsplanung der NATO : Die Kunst flexibler Abschreckung

          Die NATO richtet ihre Verteidigung auf hybride Kriegsführung aus. Nun wird ermittelt, was die Mitglieder dafür können müssen. Das ist auch für die nächste Bundesregierung von Bedeutung.
          IWF-Chefökonomin Gita Gopinath

          Führungswechsel : Chefvolkswirtin verlässt den IWF

          Gita Gopinath geht zurück an die Harvard-Universität. Ihr Rücktritt erfolgt in einer Zeit, in der die Chefin des Währungsfonds in der Kritik steht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.