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Fotoessay Miguel Guierrez : Die Straßenkinder von Caracas

  • Aktualisiert am

Bild: Miguel Gutierrez/EPA

Obdachlos, elternlos, hungrig: In Venezuelas Hauptstadt kämpfen Hunderte von Kindern ums Überleben. Die Heranwachsenden sind meist ganz auf sich allein gestellt.

          Die Wirtschaftskrise in Venezuela trifft alle Bevölkerungsschichten. In den Straßen der Hauptstadt Caracas leben unzählige obdachlose Kinder: Kinder, die rennen, lachen, im Müll nach Essbarem suchen und in verseuchten Flüssen baden. Kinder, die mit Drogen diesem elenden Leben zu entkommen trachten. Diese vergessene Minderheit ist nur eines der vielen Gesichter der sozialen und wirtschaftlichen Krise des eigentlich ölreichen südamerikanischen Staates.

          Miguel Gutierrez, ein Fotograf, der für die Nachrichtenagentur efe-EPA arbeitet, hat über zwei Monate lang Kinder und Jugendliche begleitet und ihr Leben und Überleben auf den Straßen und öffentlichen Plätzen von Caracas dokumentiert. Während dieser Zeit durchlebte Gutierrez ein Wechselbad der Gefühle.

          Aus einer Serie von knapp einhundert Motiven haben wir die eindrucksvollsten und emotionalsten Bilder für unseren F.A.Z.-Fotoessay ausgewählt.

          Straßenkinder am Straßenrand
          Kinder spielen im verseuchten Wasser des kanalisierten Guaire-Fluss im „Chacao“ Viertel von Caracas.
          Der 15-jährige Joniel raucht die Droge „Cripy“ im „Las Mercedes“ Viertel von Caracas.
          Der 15-jährige Edison versteckt seine Habseligkeiten, verpackt in einem Plastikbeutel, in einem Kanalschacht im Viertel „Las Mercedes“.
          Kinder rennen über eine Schnellstraße. Sie hatten ihre Habseligkeiten am Rand der Straße versteckt.
          Daniel, Juan und Arturo spielen Domino, während Yoseth seinen Hund füttert.
          Auf einem verlassenen Gelände im Stadtteil „Las Mercedes“ hat sich Joniel unter einem Blechdach seinen Schlafplatz eingerichtet.
          Einige der Kinder haben in einem verlassenen Gebäude unterhalb einer Autobahn ihren Schlafplatz gefunden.

          Gutierrez hat unter anderen auch Liliana getroffen. Die 17-Jährige brachte im Verlauf der Reportage ihren Sohn Angel zur Welt. Kurz nach der Geburt stellten die Ärzte fest, dass Liliana an Syphilis erkrankt und auch ihr neugeborener Sohn ebenfalls infiziert war.

          Die 17-jährige Liliana ist schwanger, sitzt auf den Fußboden eines Einkaufszentrum und bettelt um Geld.
           Liliana hält auf der Geburtsstation ihren neugeborenen Sohn im Arm.
          Ein Glücksmoment einen Tag nach der Geburt – Liliana mit Sohn Angel auf der Geburtsstation
          Zusammen mit anderen jungen Müttern wird  Liliana mit ihrem neugeborenen Sohn aus der Geburtsklinik entlassen.
          Nach einem kurzen Aufenthalt bei ihren Großeltern kehrt Liliana mit ihren 28 Tage alten Sohn wieder zu den anderen Straßenkindern zum Betteln zurück.
          Ein Tag später: Liliana ist nach einem kurzen Aufenthalt bei ihren Eltern wieder auf der Straße.

          Ein anderes Mädchen, Paola, das mit 13 Jahren das Haus ihrer Mutter verließ, hat einen Mordanschlag einer Jugendgang nur knapp überlebt. Die 15-Jährige ist auf der Straße aber glücklicher als Zuhause bei ihrer Mutter und deren Freund, weil ihr dort niemand Vorschriften macht.

          Die 15-jährige Paola zählt Geld, das sie von anderen Kindern an einer Straßenkreuzung in Caracas eingesammelt hat.

          Der 16-jährige Jesus lebt seit vier Jahren auf der Straße. Er wurde in Maracay geboren, 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Caracas, und verließ Heimatstadt und Familie, nachdem der Vater starb und seine Mutter nur noch mit großen Mühen die Familie ernähren konnte. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt, indem er aus den wertlosen Bolivar-Geldscheinen, die keiner mehr haben will, kleine Ketten flicht und verkauft.

          Nicht wählerisch: Jesus, gerade einmal 16 Jahre alt, hat für sich etwas Essbares aus dem Müll einer Bäckerei gewühlt.
          Aus wertlosen Bolivar-Geldscheinen flechten die Kinder Ketten, die sie dann versuchen, auf der Straße zu verkaufen.

          Die Straßenkinder sind schon glücklich, wenn sie täglich etwas zu essen haben. Ihre größte Freude ist aber, wenn sie Geld ergattern. Ihre Barschaft setzen sie direkt in Drogen um, die ihnen helfen, für kurze Zeit der Realität zu entfliehen.

          Die Ruinen eines ehemaligen Casinogebäudes in Caracas sind der Spielplatz einer Gruppe von Straßenkindern. Die Krise in Venezuela ist die schwerste in der Geschichte des Landes.
          Die private Sozialinitiative „Caracars Mi Convive“ gibt den Straßenkindern ein Mittagessen.
          In der ’Casa Hogar Domingo Savio’ in Caracas beten Straßenkinder vor dem Essen. In dem Heim leben Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden.
          Hier in der ’Casa Hogar Domingo Savio’ finden die Kinder etwas Ablenkung vom Alltag auf der Straße. Dafür sorgt auch die Hüpfburg.

          Miguel Gutierrez lebt und arbeitet in Venezuela seit 2012 als Fotojournalist für die internationale Nachrichtenagentur efe-EPA.

          Er ist über

          Instagram @miguelgutierrezphoto,

          Twitter @mgutierrezphoto

          und über seine Webseite www.miguelgutierrezphoto.com erreichbar.

          Gutierrez hat für uns den F.A.Z. Fotografie-Fragebogen ausgefüllt, den wir der Authentizität halber im Original veröffentlichen.

          During the days of shooting in this photographic essay, my emotions were very diverse: I felt anger for the conditions as children live, I felt frustration to understand that their lives are destined to a negative future and the shell they must do to protect themselves, I felt joy to see a new life but sadness when I realize his destiny. Not only did I take pictures of children in the street, I took pictures of the situations and people who, in spite of the Venezuelan crisis, help the most fragile, so I felt hope to know of places that could be a substitute home, knowing about the soup kitchens that can give relief to children's hunger.

          I was born in Bogotá (Colombia) 1983. A part of my family is Venezuelan and my mother decides to migrate because there were better living conditions. I studied journalism at Santa Rosa University, I am studying a postgraduate degree in International Relations at the Central University (UCV), and I am currently a staff photographer for the EFE-EPA agency in Caracas (Venezuela) since 2012.

          The equipment I usually use next are full-frame cameras, lens 16-35mm f2.8, 50mm f1.2, and 100-400 f4,5-5,6 for the dynamism of photojournalistic work. My favorite photographic equipment: the one that allows me to make the necessary images, it does not matter if it's a mobile phone or a modern camera.

          My workflow is basic: I always pre-select the camera at the shooting location (I eliminate out-of-focus photos, accidental shots), most assignments shot in RAW, and edit the material in PhotoMechanic. When having the selection I proceed to retouch the images in Ligthroom, where I make basic adjustments: re-framing, lights, shadows, adjustments in noise levels and chromatic correction of lenses. I make adjustments without changing the reality of what I saw with my eyes, being faithful to what I portrayed.

          I have photographic models that I have admired for many years, however I remember two in particular: the work of James Natchwey on XDR-TB deeply impacted me, as well as the photo essay on "María Lionza" by Mrs. Cristina Garcia Rodero.

          During the assignment, I made portraits inspired by the work of Mr. Muhammed Muheisen, who has worked with Afghan refugee children.

          Miguel Gutiérrez

          Caracas, Venezuela

          „Journalism is the first rough draft of history · El periodismo es el primer borrador de la historia“ - Phil Graham   

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