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Foto-Projekt zu Überlebenden : Zeugen der Finsternis

  • Aktualisiert am

Fotografiert von Marissa Roth: Dorothy Bohm (geb. Israelit) wurde 1924 in Königsberg (ehemals Ostpreußen) als Tochter einer deutschsprachigen Familie jüdisch-litauischer Herkunft geboren. Sie lebte bis zum Alter von 14 Jahren unter der Nazi-Herrschaft, als ihre Familie sie nach England in ein Internat schickte. Später zog sie nach London, wo sie Louis Bohm kennenlernte und 1945 heiratete. Sie lebten in Paris, New York und San Francisco. Bohm wurde zur Fotografin und war mit Bill Brandt, Henri Cartier-Bresson, Brassaï und André Kertész befreundet. 1969 hatte sie eine große Ausstellung an der Seite von Don McCullin. 1971 gründete Bohm zusammen mit Sue Davies die Photographers‘ Gallery in London und wurde als eine der Doyennes der britischen Fotografie bekannt. Bild: The Lonka Project

Noch gibt es letzte Überlebende des Holocaust. Wer sind diese Menschen, wie gehen sie mit ihrer Geschichte um, wie konnten sie ihr Leben weiterführen?

          12 Min.

          Lonka, die eigentlich Eleonora Nass (1926 - 2018) heißt, überlebte als Mädchen fünf Konzentrationslager der Nazis und verkörpert für ihre Tochter Rina Castelnuovo und Jim Hollander die Lebenskraft der Holocaust-Zeitzeugen. Lonka war es, die die beiden Fotografen zu dem Projekt inspirierte, an welchem sich bisher 300 Fotografen aus rund 30 Ländern beteiligten. Sie porträtierten Überlebende in ihrem privaten Umfeld und haben so ein einzigartiges Werk geschaffen.

          Rina Castelnuovo sagt über die Ausstellung: „Wir haben beobachtet, wie sich das Projekt weiterentwickelt hat und zu einer internationalen Zusammenarbeit herangewachsen ist, bei der so viele ihre Talente mit Begeisterung eingebracht haben. Wir haben über ein ganzes Jahr hinweg stetig Bilder von Fotografen erhalten und sind allen dankbar für ihren Einsatz.“

          Entstanden sind Fotos, die ganze Biografien und unfassbare Geschichten beinhalten. Das Lonka Projekt erhält das Gedenken an diese und alle anderen Holocaust-Überlebenden.

          Fotografiert von Alec Soth (Magnum Photos): Adam Han-Górski in Plymouth, Minnesota, USA (2020)
          Fotografiert von Alec Soth (Magnum Photos): Adam Han-Górski in Plymouth, Minnesota, USA (2020) : Bild: The Lonka Project

          Adam Han-Górski wurde 1940 in Lemberg als Sohn von Szymon Han und der renommierten Pianistin Helena Pliz geboren. Im September 1939 floh die Familie aus ihrer Heimatstadt Jaworów (in der heutigen Ukraine) nach Lemberg, wo Helena bei einem Tanzensemble angestellt war. Bald nach Adams Geburt ging sie auf eine Tournee durch die Sowjetunion, während Adam von der christlichen Haushälterin Katarzyna Chytra betreut wurde. 1941 besetzte Nazi-Deutschland Lwow und Adams Mutter Helena wurde von ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn getrennt. Szymon brachte Adam zurück zu seinen Eltern nach Jaworów, um ihn zu verstecken, aber nachdem Szymons Vater und seine beiden Brüder in Jaworow ermordet worden waren, wurde Adam von Katarzyna Chytra gerettet. Sie hatte von Adams Vater die Anweisung erhalten, das Kind zu den Großeltern ins Krakauer Ghetto zu bringen, nachdem er ins Zwangsarbeitslager geschickt wurde. 1943 erfährt sie, dass Adams Großeltern im Konzentrationslager Bełżec ermordet wurden und Adam bei den Nachbarn zurückgelassen wurde. Katarzyna Chytra brachte den zweijährigen Adam kurz vor der Liquidierung des Krakauer Ghettos von dort unter Einsatz ihres Lebens zurück nach Lemberg, wo sie ihn taufte und seinen Namen änderte. Während der Nazi-Herrschaft heiratete sie den Eisenbahnarbeiter Jan Witz und beide kümmerten sich trotz der Morddrohung, ein jüdisches Kind zu verstecken, bis zur Ankunft der sowjetischen Truppen in Lemberg im Juli 1944 um Adam wie um ihr eigenes Kind.

          Adam wurde im Alter von fünf Jahren wieder mit seinen Eltern vereint, als Helena aus der Sowjetunion zurückkehrte und 1946 ihr Ehemann Szymon aus einem Arbeitslager entlassen wurde. Adam lernte in Kattowitz Geige spielen. Im Alter von sieben Jahren gab Adam sein Debüt als Violinist. 1957 emigrierte die Familie Han-Górski nach Israel. Einige Jahre später lud ihn der legendäre Geiger Jascha Heifetz, nachdem er Han-Górski in Paris gehört hatte, zur Teilnahme an seinem Meisterkurs ein und kurz darauf zog Adam in die Vereinigten Staaten. Im Jahr 2012 erhielten Katarzyna Chytra und Jan Witz den Titel „Gerechte unter den Völkern“.

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