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Eisschwimmen : Schwimmen in der Gletscherhöhle

  • Aktualisiert am

Für die Eisschwimmer ideale Trainingsbedingungen im Hochsommer. Bild: Christian Bruna/ EPA

Schwimmen in den Alpen: Österreichs Eisschwimmer trainieren in den Höhlen des Hintertuxer Alpen-Gletschers. Eine Fotoreportage von Christian Bruna.

          3 Min.

          Zufällig hörte der Wiener Fotograf Christian Bruna von einem Bekannten, dass im Hintertuxer Gletscher geschwommen wird. Mitglieder der Austrian Ice Swimming Association suchten für den Sommer eine Trainingsmöglichkeit in eisigen Temperaturen. Bei einem ihrer Trainingsausflüge in die Eishöhlen, 25 bis 30 Meter im Inneren des Gletschers, sprang Christian Bruna zusammen mit den professionellen Eisschwimmern in das kalte Gletscherwasser, um die Schwimmer zu fotografieren.

          Auf 3.250 Metern am Hintertuxer Gletscher beginnt das Abenteuer. Der sommerliche Temperaturunterschied ist gewaltig.
          Das Hinabklettern in die Eishöhle ist nicht so einfach.
          Freimachen bei  Minustemperaturen.
          Auf dem Weg zur Einstiegspunkt in der erst vor kurzem entdeckten „Kathedrale“ des Gletschers.
          Eisschwimmer Josef Köbel schwimmt in der unterirdischen Eishöhle.
          Die Wassertemperatur von 0,2 Grad Celsius schreckt die Eisschwimmer nicht.
          Uli beim langsamen Einstieg.
          Das Wasser im Gletscher ist glasklar.
          Im Schmetterlingsstil im Eiswasser.
          Leichte Strömung in einem höhlenverbindenden, wassergefüllten Kanal des Gletschers.
          Langsam wird’s Zeit das Training zu beenden.
          Zufrieden und reichlich erfrischt: Uli nach dem Bade.
          Im Bademantel zurück vom Gletscher.
          Endlich wieder im Warmen.

          Christian Bruna schreibt uns zu seiner Reportage:

          Ich bin ständig auf der Suche nach spannenden Menschen, interessanten Ideen und einfach Geschichten mit einem großen wow-Faktor-Potential. Von den Eisschwimmern rund um Josef Köberl von der Austrian Ice Swimming Association, die im Nature Ice Palace 25 bis 30 Meter im Inneren des Hintertuxer Gletschers geschwommen sind, habe ich erst ein paar Tage davor von einem Bekannten erfahren. Sie suchten eine Sommer Trainingsmöglichkeit mit eisigen Temperaturen. Josef konnte ich davon überzeugen, bei dem Drei-Tages-Trip nach Tirol dabei zu sein. Meine EPA-Kollegen vom Picturedesk in Frankfurt am Main waren auch sofort von meinem Plan begeistert und lange musste ich dann nicht mehr überlegen, um mich auf den Weg von Wien nach Hintertux zu machen. Ich wusste nicht wirklich, was ich erwarten konnte, außer eine Abkühlung. Selbstkontrolle und Überwindung oder einfaches Planschen. 

          Der Temperaturunterschied zwischen dem hochsommerlichen Wien und dem Gletscher auf 3,250 Meter war mehr als 30 Grad C. Mich stören die für viele unangenehm wirkenden Bedingungen nicht, die nassen 0 Grad C im Gletscher machten den Akkus mehr Probleme als mir. Aber so richtig kalt war es erst, als ich am zweiten Tag die Schwimmer von einem Schlauchboot aus minutenlang unter Wasser bei minus 0,2 Grad C fotografiert habe. Wenn ich nicht beim Auslösen das Kontrolllämpchen leuchten gesehen hätte, hätte ich nicht gewusst, ob ich meine taub gewordenen Finger bewegt habe oder nicht. Klar war, dass ich nicht in die bis zu 30 Meter tiefen Becken springen und nach meiner Kamera tauchen wollte. Eine andere Herausforderung war der Fokus. Meist wenig bis gar kein Licht, bzw. immer nur punktweise Licht der Stirnlampen haben es dem Autofokus nicht leichter gemacht. 

          Beeindruckend war die damals erst vor kurzem entdeckte Gletscherkathedrale, in der laut unserem Bergführer davor nur National Geographic fotografiert habe. 

          Die Hintertuxer Eissschwimmer landen definitiv unter den Top 5 meiner besten Assignments.

          Geboren bin ich im April 1987 in Mistelbach an der Zaya im Weinviertel, mit dem Auto eine Stunde nördlich von Wien. Aufgewachsen bin ich dann in Wien, wo ich auch mein Politikwissenschaft Studium begonnen habe. 2008 kam die Grundidee auf, neben dem Studium etwas Geld dazuzuverdienen. Rasch hat mich die Vorstellung, den politischen Alltag hautnah zu erleben überzeugt, mich selbständig zu machen. Das ganze hat deutlich besser funktioniert als erwartet. Ab 2009 bekam ich dann die ersten Aufträge von der Nachrichtenagentur Reuters. Nach vier Jaren bei einer lokalen österreichischen Tageszeitung als festangestellter Fotograf, beschloss ich 2014 wieder als Freelancer unterwegs zu sein. Kurze Zeit später übernahm ich die fotografische Betreuung Österreichs für die european pressphoto agency (EPA), bei der ich später auch ein Jahr Süddeutschland von München aus mitbetreut habe. Mittlerweile bin ich wieder in Wien stationiert und decke die österreichischen Klassiker wie den LifeBall, Opernball und Ski Weltcup ab. 2018 war die Liste an internationalen Großveranstaltungen lang, unter anderem: Olympische Spiele 2018 in Süd Korea, Asian Games 2018 in Indonesien, die Tischtennis-Weltmeisterschaften in Schweden und die Eishockey-Weltmeisterschaft in Dänemark. 2019 steht jetzt schon eines der Jahreshighlights bevor, das Hahnenkamm Rennen in Kitzbühel. Danach geht es weiter mit den Ski Weltmeisterschaften in Are Schweden, die Nordischen Heim-Weltmeisterschaften in Seefeld und dem Ski Weltcup Finale in Andorra. Mit Geschichten wie den Gletscher-Eisschwimmern versuche ich etwas Abwechslung in den Alltag mit Politik und Chronikgefüllten Alltag zu bringen. Positive Nebeneffekte: Fast täglich lerne ich neue und spannende Menschen kennen und kann neue schöne Flecken Österreichs entdecken.

          Ausrüstung: Was ist immer dabei? Kamera, Hersteller, Objektive, Zubehör, besondere Lieblingsausrüstung?

          Immer dabei ist mein iPhone. Die beste Kamera ist für mich die, die mit dabei ist. Im beruflichen Alltag ist meine Nikon-Ausrüstung mit mindestens einer Nikon D5 und einem Nikon 24mm 1.4 immer mit dabei. Die Eisschwimmer-Reportage habe ich allerdings mit einer Canon 1dx Mark II und einer 5d Mark IV fotografiert. 2018 hatte ich je ein Set von Canon und Sony für mehrere Assignments zum Testen.  

          Um meinen und den Bearbeitungsvorgaben der Bildagentur EPA treu zu bleiben, versuche ich natürlich so exakt wie möglich zu fotografieren. Ganz ohne croppen komme ich dann doch nicht aus, dafür und für geringfügige Tonwertanpassungen verwende ich den Adobe Photoshop CC 2019. Unterwegs will ich bei iPhone-Fotos nicht auf die App Darkroom verzichten.

          Direkt ein Vorbild habe ich nicht. Es ist das Dasein der AgenturfotografenInnen das mich antreibt. Es ist wie ein Leben mit Geschichte fussfrei – in der ersten Reihe mit genug Abstand um auch die Füße auszustrecken, um zu entspannen, aber auch nah genug um einzugreifen, wenn es notwendig sein sollte. Das ist es, warum von AgenturfotografenInnen sehr hohe ethische Verpflichtungen und Taktgefühl vorausgesetzt werden. 

          Meine Lieblingsbildbände sind die von Thomas Hoepker und Martin Paar.

          Mein Lieblingsort ist der Kahlenberg, der Wiener Hausberg mit Blick über Wien, mit Freunden, einer Flasche Weißwein und meiner Kamera.

          Kontakt:

          http://www.epa.eu/photographers/christian-bruna

          www.cbruna.com

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