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Reporter ohne Grenzen : Fotos für die Pressefreiheit

  • Aktualisiert am

Hongkong. Großer Andrang bei einer Solidaritätsveranstaltung für verhaftete Demonstranten: Seit Juni 2019 kam es in Hongkong zu mehr als 6.000 Festnahmen. Bild: Lam Yik Fei /The New York Times

Seit 1994 veröffentlicht Reporter ohne Grenzen jährlich den Band „Fotos für die Pressefreiheit“. International renommierte Fotografinnen und Fotografen stellen ihre Arbeiten unentgeltlich auch in diesem Jahr wieder zur Verfügung.

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          Am 3. Mai erscheint die neue Ausgabe des jährlichen Bildbandes von Reporter ohne Grenzen. Es ist der Internationale Tag der Pressefreiheit und erinnert an die Themen, die für Reporter ohne Grenzen im Jahr 2019 im Mittelpunkt standen, als von Corona noch nicht die Rede war.  

          Gerade in der Auslandsberichterstattung hat der Ausbruch der Corona-Pandemie die Arbeit von Fotografinnen und Journalisten massiv erschwert.

          „Umso kostbarer sind die bewegenden Bilder, die international tätige Fotografinnen und Fotografen für den diesjährigen Band ‚Fotos für die Pressefreiheit‘  zur Verfügung gestellt haben“, sagte Gemma Pörzgen, Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen und Chefredakteurin des Bildbandes. „Ihre eindrucksvollen Reportagen bringen uns die Welt in all ihrer Vielfalt, aber auch mit aufrüttelnden Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten in unsere vier Wände.“

          Für das diesjährige Fotobuch haben insgesamt 19 Fotografinnen und Fotografen ihre Werke Reporter ohne Grenzen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Das Buch enthält sieben Fotoessays, in denen die Autorinnen und Autoren aus der Ich-Perspektive der Fotografinnen und Fotografen erklären, wie sie arbeiten. Dazu gibt es einen Faktenteil mit dokumentarisch gehaltenen Texten. Dabei geben sie persönliche Einblicke in „ihr“ Land und in ihr Berufsleben.

          Ein Schwerpunkt des Bandes sind die Massenproteste in Hongkong. Der in Hongkong geborene Fotograf Lam Yik Fei hat sie vom ersten Tag an begleitet. In seinen Bildern sieht man eine Metropole im absoluten Ausnahmezustand. Für die Bevölkerung ist dieser inzwischen zum Alltag geworden. 

          Hongkong. Im Stadtteil Tsuen Wan bereiten sich vermummte Anhänger der Regenschirm-Bewegung auf einen Zusammenstoß mit der Polizei vor. Der Regenschirm gilt bereits seit den ersten Massenprotesten in Hongkong im Jahr 2014 als Symbol der Demokratiebewegung. Der Fotograf Lam Yik Fei hat die Proteste in seiner Heimatstadt seit Juni 2019 verfolgt. Er ist immer dort, wo Staatsgewalt und Demonstrierende aufeinander treffen.

          In einem Interview im Buch äußert sich Lam Yik Fei über die Sicherheitslage für Fotografen und Journalisten in der Stadt:

          „Journalisten werden bei ihrer Arbeit immer wieder von Gummigeschossen und Brandsätzen getroffen. Manchmal behindern uns Polizisten oder Demonstranten sogar beim Fotografieren, wenn sie bestimmte Aufnahmen verhindern wollen. Es gibt zahlreiche Angriffe auf Aktivisten, Parlamentarier und Medienvertreter. Das ist eine Gefahr für die
          Pressefreiheit. (...)“

          Syrien. Mutmaßliche Kämpfer des „Islamischen Staats“ in einem von kurdischen Streitkräften kontrollierten Gefängnis in der Stadt al-Hasaka. Die brasilianische Fotografin Alice Martins gehört zu den wenigen Berichterstattern, die immer wieder nach Syrien reisen. Die Hoffnung auf Frieden hat sie noch nicht begraben. Doch im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen unverändert Bilder von Flucht, Zerstörung und Leid.

          Die brasilianische Fotografin Alice Martins ist seit 2012 regelmäßig in Syrien unterwegs. Bilder von Flucht, Zerstörung und Leid stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Doch die Hoffnung auf Frieden hat sie noch nicht begraben.

          Im Buch schreibt Alice Martins über ihre Herangehensweise: 

          „ Ich bin keine Fotografin, die von Kriegsgebiet zu Kriegsgebiet springt. Einige meiner Kollegen zieht es immer dorthin, wo gerade der nächste Krieg stattfindet. So arbeite ich nicht, sondern vertiefe mich lieber in eine Region. Seit 2012 reise ich regelmäßig nach Syrien und seit 2014 in den Irak. Für mich ist es wichtig, mit einer Gegend vertraut zu werden.

          Großbritannien. Flagge zeigen für die EU: Am 19. Oktober 2019 gingen in London rund eine Million Menschen für ein zweites Brexit-Referendum auf die Straße. Der englische Fotograf Andrew Testa dokumentiert mit seinen Bildern die kleinen zwischenmenschlichen und die großen politischen Gräben, die sich seit dem Referendum in der britischen Gesellschaft aufgetan haben.
          Großbritannien. Gäste eines „Cèilidh”, einer traditionellen gälischen Tanzveranstaltung, in der Ortschaft Craignure auf der schottischen Isle of Mull. Obwohl der Brexit in keinem einzigen schottischen Wahlkreis eine Mehrheit fand, hat auch dieser Landesteil die EU verlassen.

          Nach dem EU-Referendum von 2016 wurde Großbritannien durch die Sinnfrage gespalten. Die Bilder des Fotografen Andrew Testa dokumentieren die kleinen zwischenmenschlichen Gräben und die teils erheblichen politischen Distanzen, die sich seitdem in der Gesellschaft auftun.

          Über seiner Fotografie berichtet Testa:

          Ich betrachte mich nicht im klassischen Sinne als Künstler, ich bin Fotojournalist.
          Ich arbeite aus dem Moment heraus, mit Bauchgefühl. Wenn eine Situation stimmt, frage ich nicht viel. Man muss ein Auge für Situationen haben, spontan sein können, nicht Kunst machen wollen.

          (.....) 

          Ich glaube nicht, dass ich mit meinen Fotos etwas ändere, aber ich kann Interesse wecken und Menschen dazu bringen, ein zweites Mal hinzuschauen.

          Tunesien. Postkarten.

          Postkarten „schmücken, beschönigen und verführen“, sagt der tunesische Fotograf Wassim Ghozlani: „Und sie nähren die Fantasie eines Tunesiens, das nicht existiert“. Mit seiner Bildstrecke „Postcards from Tunisia“ will der Fotograf deshalb den Blick auf eine Seite seiner Heimat richten, die es nicht auf Postkarten und in Reisekataloge schafft. Ungepflasterte Straßen, verlassene Dörfer und Ruinen weit außerhalb der Hauptstadt Tunis stehen sinnbildlich für ein Land, das sich auch fast ein Jahrzehnt nach der Revolution noch immer im Stillstand befindet.

          Tansania. Die Heilerin Mwanahija Mzee wickelt eine pflanzliche Arznei in Papier ein, die einer Patientin mit Verdauungsstörungen helfen soll. Um herauszufinden, was es mit den traditionellen „Mganga“-Heilern auf sich hat, begab sich die USamerikanische Fotografin Nicky Woo für mehrere Monate in deren Warte- und Behandlungszimmer. Dort erlangte sie nicht nur einzigartige Einblicke in religiöse Rituale, sondern interessierte sich auch für die wissenschaftlichen Spuren hinter der vermeintlichen Wunderheilung.

          Auch heute noch vertrauen auf Sansibar viele Menschen auf traditionelle Heilmedizin. Für ihr Bildreihe „Malady of Spirits“ reiste die Fotografin Nicky Woo für mehrere Monate in die Welt der Geisteraustreiber und Wunderheiler.

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