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Artemis : Sex ist auch nur eine Arbeit

  • -Aktualisiert am

Bild: Jens Gyarmaty

Das „Artemis“ in Berlin will ein Bordell ohne Ausbeutung sein: eins sauberes Haus. Dort können Frauen selbstbestimmt ihre Arbeit tun.

          Eine Fotoreportage des Berliner Fotografen Jens Gyarmaty  für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

          Malerereien in den Fluren des Artemis. Es gibt viel Gold, Kunstledersofas, Polsterinseln, Gemälde mit Jugendstilmotiven und Dutzende von nackten Frauen. Sie sind brünett, blond, schwarzhaarig, manche jung, andere etwas älter.
          Papier- und Frottierhandtücher finden sich überall.
          Kontrast zwischen dem Drinnen und Draußen.
          Unter Palmen
          Die Prostituierten in Berlins größtem Bordell Artemis bereiten sich auf ihre Kunden vor.
          Wäschetrockner sind Teil des Konzepts. Es gibt ein Putzteam, das nach jedem Freier saubermacht. Und Handtücher bekommen die Frauen, so viele sie wollen.
          Safety First!  Drückt man in den Zimmern den Notfallknopf, stehen sofort Security-Jungs in der Tür.
          Die Situation ist eindeutig geregelt: Im Bordell Artemis in Berlin.
          Die Preise für ihre sexuellen Dienstleistungen haben die Frauen selbst festgelegt: So wurde es in einer der Hausversammlungen entschieden.
          Außenbereich des Bordells eingekesselt von Bahngleisen.
          Sila, Loira und Dsera nennen sich die Frauen. Pseudonyme sind wichtig in der Welt der Prostitution.
          Eine Discokugel zeichnet Lichttupfer an die Wände.

          Ein Auftrag der Sonntagszeitung führt mich ins Berliner Artemis. Es gilt als das größte Bordell Deutschlands, direkt neben der Autobahn und dem Berliner Messegelände gelegen. Der Geschäftsführer bittet drei Damen, für die Bilder, mit mir zu gehen. Sie erzählen mir von ihrem Beruf: „Die meisten Männer suchen nach Bestätigung. Sexuelle Befriedigung, Körper und Lust ist Teil davon, aber oft gar nicht so wichtig. Unterschiede im Umgang gibt es so viele, wie es Männer gibt. In ihrer Nacktheit sind sie dann alle gleich. Es gibt natürlich die „Harten“, aber auch viele, die weinen“.

          Sobald der Freier gewählt hat und sich mit „seiner“ Dame zurückzieht, verschiebt sich das Machtgefüge zu Gunsten der Frau. Von Zwang und Gewalt erzählen mir die Frauen nichts. Unbestreitbar finden sie aber im Milieu statt. Sie wollen nicht darüber sprechen. Die drei arbeiten auf eigene Rechnung. Zum Ende der Reportage frage ich sie, warum sie den Fotos zugestimmt haben. Weil sie darum gebeten wurden, war die Antwort: Fürs Haus mache man das gerne.


          Jens Gyarmaty

          www.jensgyarmaty.com

          www.instagram.com/jensgyarmaty

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