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40 Jahre Bildagentur Laif : Immer eine Gratwanderung

Michael Wolfs Serie Tokyo Compression #09, 2010. Bild: Michael Wolf Estate/laif

Die Kölner Fotoagentur feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Eine Schau im Kölner Museum für Angewandte Kunst zeigt zu diesem Anlass 40 Arbeiten dokumentarischer Fotografie.

          5 Min.

          Wie schafft man es, sich in einer immer größer werdenden Bilderflut als Fotoagentur zu etablieren? Seit nun 40 Jahren arbeiten die Fotografen der Agentur laif mit ihrem Sitz in Köln daran, die Qualität der dokumentarischen Fotografie zu erhalten und damit dem Abverkauf der Fotografie entgegenzuwirken. Mittlerweile sind es über 400 Mitglieder im In- und Ausland, die sich Geschichten und Ereignissen widmen, um diese mit einem anderen Blick festzuhalten.

          Ben Kuhlmann
          Bildredakteur.

          Dafür braucht es Zeit. So bewegt sich das Genre von laif schon immer zwischen Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Nun feiert die Agentur ihr 40-jähriges Bestehen und zeigt zu diesem Anlass 40 Arbeiten aus unterschiedlichen Generationen.

          Seit ihrem Bestehen gab es viele Umbrüche. Der größte war mit Sicherheit die Umstellung auf die digitale Fotografie. Nicht nur für die Fotografen, auch für das immer größer werdende Bildarchiv, in dem sich Reportagen aus der ganzen Welt wiederfinden. Die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst in Köln zeigt eine große Fülle dieser Arbeiten. So zum Beispiel die fotojournalistische Arbeit von Manfred Linke, der einer der Gründer der Bildagentur ist. Die Fotografin Katharina Bosse hingegen widmet sich in ihrer Arbeit Surface Tension eher künstlerisch einer menschlichen Fragilität, bei der sich ihre Arbeit zwischen dokumentarischer Fotografie, Porträts und Inszenierung bewegt.

          Die Bandbreite der Arbeiten zeigt auch eine gedruckte Sonderedition, die über den MAKK-Shop bezogen werden kann. In unserem Fragebogen, untenstehend, beantworten Peter Bialobrzeski (Kurator der Ausstellung), Peter Bitzer (früherer Leiter der Agentur), Silke Frigge (Leitung der Agentur) und Manfred Linke (Gründungsmitglied der Agentur) Fragen rund um die Agentur laif und deren Geschichte.

          Ein Kind spielt 1985 auf einer Straße in Duisburg Hochfeld.
          Ein Kind spielt 1985 auf einer Straße in Duisburg Hochfeld. : Bild: Dirk Kruell/laif
          Fotograf Peter Granser schaut sich in der amerikanischen „Rentnerstadt“ Sun City um.
          Fotograf Peter Granser schaut sich in der amerikanischen „Rentnerstadt“ Sun City um. : Bild: Peter Granser/laif
          Der Fotograf Kai Löffelbein zeigt in seiner „Ctrl-X“ genannten Arbeit wie Elektroschrott aus westlichen Ländern in Ghana auseinandergenommen wird, um an wertvolle Metalle wie Kupfer zu kommen.
          Der Fotograf Kai Löffelbein zeigt in seiner „Ctrl-X“ genannten Arbeit wie Elektroschrott aus westlichen Ländern in Ghana auseinandergenommen wird, um an wertvolle Metalle wie Kupfer zu kommen. : Bild: Kai Loeffelbein/laif
          Reportage aus dem Niemandsland, Grenzstreifen der Berliner Mauer, 1990.
          Reportage aus dem Niemandsland, Grenzstreifen der Berliner Mauer, 1990. : Bild: Bettina Flitner/laif
          In ihrer Arbeit „Surface Tension" bewegt sich Katharina Bosse zwischen realen und surrealen Bildelementen.
          In ihrer Arbeit „Surface Tension" bewegt sich Katharina Bosse zwischen realen und surrealen Bildelementen. : Bild: Katharina Bosse/laif
          Die Fotografin Barbara Dombrowski hat in sich ihrer Serie „La Storia“ dem italienischen Mann gewidmet.
          Die Fotografin Barbara Dombrowski hat in sich ihrer Serie „La Storia“ dem italienischen Mann gewidmet. : Bild: Barbara Dombrowski/Laif
          Der verhüllte Reichstag von Christo und Jeanne-Claude 1995.
          Der verhüllte Reichstag von Christo und Jeanne-Claude 1995. : Bild: Wolfgang Volz/laif
          Hannes Jung hat über Jahre hinweg die Auftritte und Entwicklung der AfD fotografisch begleitet.
          Hannes Jung hat über Jahre hinweg die Auftritte und Entwicklung der AfD fotografisch begleitet. : Bild: Hannes Jung/laif
          Manfred Linke dokumentiert 1986 die Proteste von Gegnern der geplanten atomaren Wiederaufbereitungsanlage bei Wackersdorf. Es kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.
          Manfred Linke dokumentiert 1986 die Proteste von Gegnern der geplanten atomaren Wiederaufbereitungsanlage bei Wackersdorf. Es kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. : Bild: Manfred Linke/laif
          Autodefensa-Gruppen kämpfen in Medellin gegen Jugendbanden.
          Autodefensa-Gruppen kämpfen in Medellin gegen Jugendbanden. : Bild: Axel Krause/laif
          Angela Merkel schaut während einer Bahnfahrt von Bonn nach Berlin aus dem Fenster. Der Fotograf Andreas Herzau hat die frühere Kanzlerin auf vielen ihrer Wege begleitet.
          Angela Merkel schaut während einer Bahnfahrt von Bonn nach Berlin aus dem Fenster. Der Fotograf Andreas Herzau hat die frühere Kanzlerin auf vielen ihrer Wege begleitet. : Bild: Andreas Herzau/Laif
          Gordon Welters hat die Zerstörung nach der Flut im Ahrtal dokumentiert.
          Gordon Welters hat die Zerstörung nach der Flut im Ahrtal dokumentiert. : Bild: Gordon Welters/laif

            

          Manfred Linke

          Wie ist die Fotoagentur laif entstanden? 

          Im Februar 1981 war ich mit meiner Kamera bei der Anti AKW Demo in Brokdorf, eine Demo mit dem bis dahin größten Polizeiaufgebot in der Geschichte der Bundesrepublik. Irgendwann schlug der friedliche Protest um, Wasserwerfer und Hubschrauber wurden eingesetzt. Aus Köln waren zufällig auch noch andere Kollegen dort, manche mit, manche ohne Kamera. Wir kamen aus Brokdorf zurück und waren entsetzt, was wir dort gesehen hatten, und ziemlich schnell der Meinung, dass wir selbständig unsere Sicht auf das gesellschaftliche Zeitgeschehen, ganz ohne Auftrag, publizieren wollten. Eine gemeinsame Broschüre mit subjektivem Blick auf die Ereignisse entstand. Wir editierten die Bilder, entwarfen ein Layout, schrieben Texte und ließen die Broschüre in einer befreundeten Druckerei printen, sogar den Vertrieb haben wir selbst in die Hand genommen.

          Was waren die Beweggründe und die Idee dahinter?

          Aus dieser positiven Erfahrung heraus entstand die Idee sich dauerhaft zusammenzuschließen, eine gemeinsame Infrastruktur und Vertrieb unserer Bilder aufzubauen und die Ressourcen zu teilen. Mit meinen damaligen Kollegen Günter Beer, Jürgen Bindrim und Guenay Ulutuncok gründete ich zuerst ein Fotografenbüro, aus dem dann kurze Zeit später die Fotografenagentur laif hervorging.

            

          Peter Bitzer

          Sie haben die Agentur in der Umbruchzeit von analoger zu digitaler Fotografie betreut: Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf den Fotojournalismus? 

          Für das fotojournalistische Agenturgeschäft bedeutete dies vor allem mehr Geschwindigkeit und deutlich höhere Bildmengen. Außerdem musste das analoge Archiv digitalisiert und alle Bilder für die digitale Archivsuche umfangreicher verschlagwortet werden. Marketing und Distribution mussten auf neue Weise durchgeführt werden. Das alles waren (auch ökonomisch) sehr große Herausforderungen. Ich bin sehr froh, dass laif als Agentur diesen Umbruch damals sehr gut hinbekommen hat. Für die Agentur, aber auch für die Fotografinnen und Fotografen von laif ist der ja bis heute anhaltende Umbruch, beziehungsweise seine Auswirkungen, Anlass sich mit den unterschiedlichsten Aspekten ihrer Arbeit immer wieder neu auseinanderzusetzen.

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