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Stimmung in der Finanzbranche : Zweifel an grüner Geldpolitik

Handelssaal der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: argus

In den deutschen Banken und unter Versicherern nimmt die Zuversicht nach der jüngsten CFS-Umfrage weiter zu. Doch die EZB-Strategie wird kritisch gesehen.

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          Die Zuversicht am deutschen Finanzplatz nimmt weiter zu. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts der Frankfurter Goethe-Universität, des Center for Financial Studies (CFS), hervor. Das Stimmungsbarometer, der CFS-Index, hat sich im zweiten Quartal abermals erhöht und liegt deutlich über dem Vorjahresniveau, als sich eine erste Erholung von der Pandemie abgezeichnet hatte. Die erfreuliche Entwicklung basiert den CFS-Angaben zufolge insbesondere auf positiven Meldungen der Finanzinstitute bezüglich ihrer Mitarbeiterzahlen. Der Stellenabbau sei im zweiten Quartal gestoppt worden, und es seien wieder Mitarbeiter eingestellt worden.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für das laufende Quartal erwartet die Finanzbranche, dass diese positive Entwicklung anhält. Des Weiteren meldeten die Finanzinstitute dem CFS ein leichtes Umsatzwachstum, allerdings bei gesunkenem Ertragswachstum. „Damit folgt die Finanzbranche in ihren Einschätzungen zur eigenen Geschäftslage dem zuletzt deutlich aufgehellten Geschäftsklima in der deutschen Realwirtschaft“, lässt sich CFS-Direktor Andreas Hackethal in der Pressemitteilung zitieren.

          Skepsis bei internationaler Bedeutung

          Etwas skeptischer wird die künftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland gesehen. Nachdem sie mehrere Quartale in Folge mit steigenden Werten sehr positiv eingeschätzt wurde, nahm der Indexwert im zweiten Quartal leicht ab. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die internationale Bedeutung Deutschlands als Finanzplatz weiterhin positiv entwickeln wird“, lautet der Kommentar von Gerhard Wiesheu, Präsident von Frankfurt Main Finance. Sehr wichtig in diesem Kontext sei zudem auch die Zusammenarbeit aller großen europäischen Finanzplätze – sie sei unabdingbar für die Schaffung eines einheitlichen Kapitalmarktes sowie einer europäischen Bankenunion.

          Kritisch verfolgt die deutsche Finanzbranche die strategische Neuausrichtung der Europäischen Zentralbank (EZB). Insbesondere die stärkere Ausrichtung auf Klima- und Umweltschutz wird skeptisch gesehen. Fast zwei Drittel der befragten Entscheider lehnt die grüne Komponente in der Geldpolitik, zum Beispiel durch den Ankauf grüner Anleihen, ab. „Es ist noch nicht abzusehen, in welcher Form die EZB künftig Klimaschutzaspekte bei ihren Entscheidungen berücksichtigt. Aber viele Marktteilnehmer sehen dies offenbar skeptisch“, sagte Volker Brühl vom CFS. Seinen Worten zufolge lässt die bisherige Kommunikation der EZB zum Thema Klimaschutzaspekte und Geldpolitik viele Fragen offen und sollte zeitnah präzisiert werden.

          In der Umfrage waren 60 Prozent der Ansicht, die EZB hätte an der bisherigen Zielgröße für die Inflationsrate von knapp 2 Prozent festhalten sollen. Etwa 37 Prozent der Befragten sind dagegen der Auffassung, dass die EZB temporär auch eine leicht höhere Inflationsrate akzeptieren sollte.

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