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Zinswende : Für den Markt kommt die EZB zu spät

Entschlossen, die Zinsen im zweiten Halbjahr zu erhöhen: EZB-Präsidentin Lagarde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Bild: EPA

Marktstrategen stellen der Europäischen Zentralbank ein schlechtes Zeugnis aus. Sie habe die Inflation falsch eingeschätzt. Zinserhöhungen drohen nun eine konjunkturelle Abschwächung zu verstärken.

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          Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat sich zuletzt sehr entschlossen gezeigt, was Zinserhöhungen im zweiten Halbjahr angeht. Die Verkaufswelle an den Anleihemärkten und damit verbunden die deutlich steigenden Renditen zeigen aber, der Markt hat die Zinswende schon ohne die Notenbank vollzogen. Noch immer lässt sie ihren inzwischen als Leitzins geltenden Einlagensatz auf minus 0,5 Prozent, während die Inflation über 7 Prozent liegt und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe um die Marke von 1,0 Prozent pendelt.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Alle Notenbanken hinken der Entwicklung hinterher, die EZB liegt aber am weitesten zurück“, sagt Bernhard Mat­thes, Portfoliomanager in der Vermögensverwaltung der Bank für Kirche und Caritas (BKC). Er geht davon aus, dass selbst die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren Straffungskurs in der zweiten Jahreshälfte aufgeben wird, weil sich Konjunktur und Inflation abkühlen und die Proteste an den Märkten wachsen werden. In den nun veröffentlichten Protokollen zur Sitzung am 3. und 4. Mai stuften die Fed-Vertreter die amerikanische Wirtschaft als stark und weitere Zinsschritte als wahrscheinlich ein.

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