https://www.faz.net/-gv6-a3n1c

Zinsvergleich : Baukredite für unter 0,5 Prozent

Die Hauspreise steigen trotz Corona weiter - aber die Zinsen sinken jetzt wieder. Bild: dpa

Die Bauzinsen sind im September wieder niedriger als im Sommer. Zum Teil wurden sogar die historischen Tiefstände aus dem Corona-Shutdown im März schon wieder erreicht. Was steckt dahinter?

          2 Min.

          Die Bauzinsen sind im September wieder niedriger als in den Sommermonaten. Das berichten verschiedene Baufinanzierer und Internetportale übereinstimmend. Nach einem Tiefstand mit dem Beginn des Shutdowns in Deutschland im März hatten die Zinsen für Hypothekenkredite in den Monaten April bis Juni wieder im Durchschnitt oberhalb von 0,75 Prozent für zehn Jahre Zinsbindung gelegen. Seither wurden Baukredite wieder etwas günstiger. „Die Zinsen für Kredite mit 20 Jahren Zinsbindung haben schon wieder die Tiefstände aus dem März erreicht“, sagte Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Sie lägen jetzt im Durchschnitt wieder bei 1,13 Prozent, wie am 11. März. Die Zinsen für Kredite mit zehn Jahren Zinsbindung hingegen lägen im Schnitt bei 0,67 Prozent (März: 0,62 Prozent), die für 15 Jahre bei 0,98 Prozent (März: 0,88 Prozent).

          0,29 und 0,33 Prozent bei viel Eigenkapital  

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neuerdings ist es unter bestimmten, idealen Bedingungen wieder möglich, Baukredite für 10 Jahre zu einem Zinssatz von weniger als 0,5 Prozent im Jahr zu bekommen. Das berichtet das Kredit-Vermittlungsportal Interhyp. „Unter günstigen Bedingungen, etwa mit relativ viel Eigenkapital und einer hohen Tilgung sind Konditionen knapp unter 0,5 Prozent für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung aktuell durchaus möglich“, sagte eine Interhyp-Sprecherin.

          Die FMH-Finanzberatung nennt einige Beispiele: Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro und einem Darlehen von 300.000 Euro, einer Zinsbindung auf zehn Jahre und einer sogenannten Volltilgung, also einer kompletten Rückzahlung des Darlehens innerhalb der Zinsbindung, komme man derzeit auf einen Effektivzins von 0,29 Prozent im Jahr. Oder ein anderes Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro, einem Darlehen von 300.000 Euro und einer Zinsbindung auf zehn Jahre sowie 3 Prozent Tilgung komme man auf einen Effektivzins von 0,33 Prozent im Jahr.

          In diesen Fällen mit sehr günstigen Umständen sei der Tiefstand aus dem März noch nicht ganz wieder erreicht, hier habe es damals auch schon Zinssätze von 0,02 Prozent für Volltilgerdarlehen auf 10 Jahre gegeben, sagte Herbst. Das war also nicht mehr ganz weit von der Nullgrenze entfernt. Damals gab es schon Debatten, ob die Banken ein Absinken der Bauzinsen ins Negative zulassen würden und somit Verbraucher bald damit rechnen könnten, bei der Aufnahme eines Baukredits gleichsam noch Geld geschenkt zu bekommen. Dazu kam es bislang aber nicht.

          Die Geldpolitik spielt eine Rolle

          Woran liegt es, dass die Bauzinsen nun wieder gesunken sind? Die Faktoren, die auf die Bauzinsen einwirken, sind vielfältig. „Die lockere Geldpolitik spielt sicher eine Rolle“, meinte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe ihre Geldpolitik zwar nicht weiter gelockert. Aber die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) habe angekündigt, ihre Zinsen noch länger niedrig zu halten, als sie es vorher ohnehin beabsichtigt hatte. „Der Strategieschwenk der Fed hin zu einer Geldpolitik, die bewusst etwas mehr Inflation in Kauf nehmen möchte, strahlt auch auf die Märkte bei uns aus“, meint Schmieding. Dazu komme am aktuellen Rand die Sorge vor einem konjunkturellen Rückschlag bei wieder steigenden Infektionszahlen in Europa. „Diese Sorge beflügelt die Nachfrage nach Anleihen, die vielfach als sicherer Hafen gesehen werden“, sagte der Hamburger Ökonom. „Damit sinken die Renditen für solche Anleihen und letztlich auch die Bauzinsen.“

          In den nächsten Wochen dürften sich die Bauzinsen voraussichtlich weiter auf dem derzeitigen Niveau bewegen, meint Mirjam Mohr, Vorstandsmitglied bei Interhyp. Langfristig steige die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen jedoch – vor allem, wenn ein Impfstoff gefunden werde: „Auf Halbjahres- oder Jahressicht halten wir, abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, einen leichten Zinsanstieg für möglich.“ Zumindest vier der zehn von Interhyp befragten Kreditinstitute prognostizierten einen leichten Anstieg auf Jahressicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vor der Bund-Länder-Schalte : Die Suche nach dem Weihnachtsfrieden

          Größtenteils unterstütze sie die Corona-Überlegungen der Länder, sagt die Kanzlerin vor den Gesprächen am Mittwoch. Der Bundespräsident warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft – und der Antisemitismusbeauftragte vor wachsendem Judenhass.
          Scheinbar kühlschranktauglich: der in Oxford entwickelte Corona-Impfstoff

          Anti-Corona-Serum aus Oxford : Haben die Briten den Impfstoff für alle?

          Es passt nicht in das britische Selbstverständnis, dass deutsche und amerikanische Forscher zuerst einen Impfstoff präsentiert haben. Also preist man im Königreich die Kühlschranktauglichkeit der Substanz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.