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State Street : Zinssenkungen sollen Finanzkrise durch Coronavirus verhindern

  • -Aktualisiert am

Alarm an der Börse: Händler in New York Bild: dpa

Nach Ansicht von Michael Metcalfe vom Finanzdienstleister State Street hat die amerikanische Notenbank Fed präventiv gehandelt. Als Maßnahme gegen das Virus seien weitere Lockerungen durch die Notenbanken zu erwarten.

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          Der international tätige Finanzdienstleister State Street begrüßt die überraschende Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) vom Dienstag. Die Fed will nach Ansicht von Michael Metcalfe, Leiter für die globale Makrostrategie von State Street Global Markets, mit ihrer Zinssenkung eine Negativspirale verhindern. „Die angebotsseitige Störung durch das Virus könnte sich schnell zu einer Finanzkrise ausweiten, die sich dann wieder auf die Realwirtschaft auswirkt und somit Beschäftigung und Nachfrage beeinträchtigt“, sagt der Finanzstratege.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seiner Ansicht nach sind immer noch weitere Lockerungen möglich – sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen Ländern. „Wir erwarten entschlossene Reaktionen, falls Anzeichen dafür auftreten, dass das Coronavirus sich über die Finanzmärkte auf die Realwirtschaft auswirkt“, sagt Metcalfe.

          Schon seit einem Jahrzehnt hätten die Zentralbanken erstaunliches Geschick darin bewiesen, Spielraum für neue Lockerungen zu schaffen, selbst wenn es so aussah, als ob keine Alternativen mehr zur Verfügung standen. Solche Lockerungen könnten durch niedrigere Zinsen, zusätzliche Liquidität oder den Ankauf von Vermögenswerten durch Zentralbanken verschafft werden. Dem stünden weder die Inflation noch steigende Staatsverschuldung entgegen.

          Der Schuldenstand sei zwar in den meisten Ländern deutlich höher als während der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren, doch sprächen die rekordverdächtig niedrigen Anleiherenditen für eine weitere fiskalpolitische Expansion. Zu diesen Maßnahmen zählen etwa verbilligte staatliche Kredite, Steuererleichterungen oder öffentlich-rechtliche Bürgschaften und Garantien. Sie könnten laut Metcalfe gezielt den von der Virus-Krise besonders betroffenen Branchen und Unternehmen zugute kommen.

          Die expansive Geldpolitik hat Metcalfe zufolge allerdings tiefere Ursachen als die aktuelle Krise. „Da die Bevölkerung altert und die Produktivität nachlässt, sinkt der natürliche Zins“, sagt der Finanzfachmann. Daher erreichten die Leitzinsen der Zentralbanken im Fall eines Abschwungs sehr viel häufiger die Nulllinie. Zudem werde immer öfter der Einsatz einst unüblicher Maßnahmen erforderlich, wie der Ankauf von Vermögenswerten. Diese Maßnahmen würden bald zum üblichen Instrumentarium der Notenbanken gehören. Aus Sicht der Finanzmärkte sei das eine positive Nachricht, denn sie bedeute, dass die beträchtlichen Impulse, die der Ankauf von Vermögenswerten ausgelöst habe, demnächst sogar noch deutlich stärker ausfallen könnten.

          Die überraschende Zinssenkung in Amerika sieht Metcalfe als vorbeugende Maßnahme. „Die Tatsache, dass die Fed die Zinssätze deutlich gesenkt hat, bevor die Daten sich überhaupt verschlechtert haben, dürfte dabei helfen, die Gefahren eines viel tiefer greifenden Schocks zu entschärfen“, sagt der State-Street-Stratege. Ohne die Fed-Zinssenkung hätte die Störung der wirtschaftlichen Aktivität in den Vereinigten Staaten schnell zu steigenden Ausfällen von Unternehmensanleihen führen können.

          Bisher könne laut Metcalfe niemand beurteilten, ob die Finanzmärkte die Folgen durch das Coronavirus zutreffend eingepreist hätten. So zeichne sich ab, dass das Wachstum in China im ersten Quartal stark gebremst worden sein dürfte. Unklar aber sei, ob die Auswirkungen in China auch in die zweite Jahreshälfte hineinreichen würden. Entscheidend sei, ob sich die Krankheitsfälle in China, aber auch in anderen Ländern eindämmen lassen. Das sei noch nicht klar zu erkennen.

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