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Notenbanken : Geldpolitik der ruhigen Hand erforderlich

Kurstafel in Japan, wo die Notenbank an ihrer lockeren Geldpolitik festhält Bild: dpa

Irgendwann überwiegen die Nachteile von Zinssenkungen die Vorteile. Das spricht sich auch an den Finanzmärkten herum.

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          Die Europäische Zentralbank hat kürzlich unter anderem durch eine Zinssenkung und die Wiederaufnahme von Wertpapierkäufen eine geldpolitische Lockerung angekündigt, die ihre Wirkung an den Finanzmärkten bisher verfehlt hat. Die Anleiherenditen sind gestiegen und nicht gefallen. Auch hat am Devisenmarkt der Euro gegenüber dem Dollar nicht abgewertet.

          Ausgeblieben sind kräftige Marktreaktionen auch auf die Leitzinssenkung der amerikanischen Fed am Mittwoch, obgleich der Vorsitzende der Notenbank, Jerome Powell, die Möglichkeit neuer Anleihekäufe erwähnte. Andere Notenbanken, darunter die Bank von England, die Schweizerische Nationalbank und die Bank von Japan, haben in dieser Woche auf weitere Zinssenkungen verzichtet.

          Auch an den Finanzmärkten spricht sich herum, was viele Ökonomen schon lange sagen: Bei Zinssätzen um null Prozent verliert die Geldpolitik einen Teil ihrer Wirksamkeit, und bei Zinssätzen im negativen Bereich stellt sich die Frage, ob die negativen Nebenwirkungen von Leitzinssenkungen die wirtschaftlichen Vorteile nicht zu übertreffen drohen.

          In einer der vielleicht einflussreichsten ökonomischen Arbeiten der vergangenen Jahre haben die Wissenschaftler Markus Brunnermeier und Yann Koby das Konzept des „Umkehrzinses“ entwickelt: Das ist jenes Zinsniveau, ab dem die Nachteile von Zinssenkungen die Vorteile übertreffen. Dieser „Umkehrzins“ lässt sich nur schwer schätzen, aber die Vermutung ist gestattet, dass er nicht mehr weit von den in der Eurozone sowie in Ländern wie der Schweiz, Dänemark und Schweden erreichten negativen Leitzinssätzen entfernt ist. Und die Wirkung von Anleihekaufprogrammen wird seit Jahren von Gegnern wie Befürwortern notorisch überschätzt.

          Zurückhaltung in der Geldpolitik ist keine schlechte Strategie in einer Zeit, in der keine Deflation droht und die tatsächliche Gefahr einer Rezession in den großen Wirtschaftsblöcken deutlich geringer ist als die Neigung, sich durch die Verbreitung von Pessimismus in eine Rezession zu reden. Die Geldpolitik ist nicht dazu da, auf jedes Zittern der Inflationsrate und auf jede von Staatspräsidenten und Regierungen erzeugte wirtschaftliche Verunsicherung zu reagieren. Die Fed hat daher überhaupt keinen Anlass, lautstarken Forderungen Donald Trumps nach einer kräftigeren Lockerung der amerikanischen Politik nachzugeben.

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