https://www.faz.net/aktuell/finanzen/zinspolitik-der-fed-unsicherheit-an-den-maerkten-bleibt-17758974.html

Reaktion auf Zinspolitik : Die Unsicherheit an den Märkten bleibt – nicht nur wegen der Fed

Neben der Zinspolitik der Fed gehört auch Omikron zu den Unsicherheitsfaktoren am Aktienmarkt. Bild: AP

Die Fed hat am Mittwoch nicht für viel mehr Sicherheit gesorgt. Was einige ärgert, finden andere angemessen. Die amerikanische Notenbank hält sich alle Optionen offen.

          3 Min.

          Die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank Fed hat die Märkte seit Jahresbeginn stark beschäftigt. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 hat seit seinem Hoch vom 3. Januar mehr als 9 Prozent verloren. Noch ärger der Technologiewerteindex Nasdaq-100: Seit Ende Dezember steht ein Minus von 14,5 Prozent zu Buche, ab 20 Prozent wäre dies offiziell ein Bärenmarkt. Kursverluste, bei denen die Zinspolitik der Fed als Erklärung im Vordergrund steht.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch ist nichts passiert, denn am ­Mittwoch traf die Fed wie vorgesehen keine Entscheidungen. Nichtsdestoweniger harrten die Märkte auf die Kommunikation der Notenbank. Aber genau da scheint es gehakt zu haben. Die Aussagen des Notenbankpräsidenten Jerome Powell habe der Markt als „bestenfalls verwirrend und schlimmstenfalls als planlos“ empfunden, schimpfte etwa Guido Barthels von der Fondsgesellschaft TBF.

          Zunächst hatte sich die Fed eher von der sanften Seite gezeigt. Mit dem Verweis auf eine zu hohe Inflationsrate und einen starken Arbeitsmarkt si­gnalisierte sie, dass die Bedingungen für einen Zinsschritt erfüllt seien, den sie „bald“ erwarte. Für die Marktteilnehmer war die Botschaft klar: Einstellung der Nettokäufe von Vermögenswerten wie geplant Anfang März, erste Zinserhöhung Mitte März, Reduzierung der Zen­tralbankgeldmenge später. Damit hatte man gerechnet und war zufrieden.

          Doch in der Pressekonferenz sprach Powell davon, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt in viel besserer Verfassung seien als zum bislang letzten Zinserhöhungszyklus des Jahres 2015. Das erfordere auch eine andere geldpolitische Reaktion. Entscheidungen über das Tempo der Zinserhöhungen seien noch nicht getroffen, und der Notenbankpräsident wollte auch weder eine Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte im März noch weitere Erhöhungen ausschließen. Es gebe einigen Spielraum für Zinsanhebungen, ohne dem Arbeitsmarkt zu schaden. Obendrein falle die Inflationsprognose um „einige Zehntel“ höher aus als noch im Dezember. Zudem konnte man aus seinen Worten herauslesen, dass der Bilanzabbau schon im Juni beginnen könnte.

          Deutscher Aktienmarkt erholt sich nach Tief

          Damit eröffnete Powell wieder das Spielfeld für Zinsspekulationen. Bleibt es bei vier Anhebungen oder werden es am Ende acht? Die Märkte dankten es nicht. Der Nasdaq-100 machte aus einem Plus von 3,5 Prozent am Ende 0,2 Prozent und der S&P 500 aus plus 2,2 Prozent minus 0,2 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe schoss von 1,78 bis auf 1,87 Prozent nach oben. Und der Dollar wertete mit den Zinsaussichten stark auf – zum Euro von 1,13 Dollar bis auf 1,115 Dollar.

          EUR/USD

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Notenbankpräsident Powell gab sich angesichts der Marktreaktionen zufrieden. Die Kommunikation mit den Märkten funktioniere. Die Linie der Fed deute darauf hin, dass der Schmerz am Aktienmarkt für sie nicht groß genug sei, als dass sie darauf Rücksicht nähme, heißt es von der Fondsgesellschaft Nordea. Sie habe vielmehr die durchschnittlichen Haushalte im Auge, die weniger in Aktien anlegten. Am Donnerstag lastete dies zunächst auch auf dem deutschen Aktienmarkt, der deutlich leichter eröffnete, sich dann aber merklich erholte.

          Damit folgte er wie so oft der Tendenz im Terminhandel auf den S&P 500, der gegen Mittag in Europa schon wieder Kursgewinne anzeigte. Als dann zum Morgen in New York noch die aktuellen Wachstumszahlen veröffentlicht wurden, sahen sich die Börsianer bestätigt. Im vierten Quartal wuchs die Wirtschaft der USA annualisiert um 6,9 Prozent und damit deutlich stärker als mit 5,5 Prozent erwartet. Zwar entfiel der Löwenanteil auf die Auffüllung der geschrumpften Lagerbestände, er stützte dennoch den Erholungstrend. Der S&P 500 eröffnete am Ende 1 Prozent im Plus, der deutsche Aktienmarkt legte zu, während der Dollar wieder nachgab.

          F.A.Z.-Index

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Nicht jeder ist mit der Fed unzufrieden. Diese versuche, ihre Absichten so offen und transparent wie möglich darzulegen und die Finanzmärkte nicht allzu sehr zu verunsichern, heißt es von der Fondsgesellschaft PGIM. Ihre flexible, bescheidene Haltung stehe in krassem Gegensatz zu der während des letzten Zinserhöhungszyklus. Immerhin habe sie vor dem Hintergrund etwa der Pandemieentwicklung, der Störungen auf der Angebotsseite und geopolitischer Entwicklungen einen schwierigen Balanceakt zu leisten, da die wirtschaftlichen Aussichten für 2022 mit einem hohen Maß an Unsicherheit verbunden seien.

          Der Umstand, dass die Fed zum ersten Mal seit vielen Jahren keine explizite Ankündigungspolitik (Forward Gui­dance) für die Zinsen betreibe, sei Ausdruck des außerordentlich unsicheren Umfelds, meint William Verhagen, Volkswirt bei NN Investment. Dieses ist für viele Beobachter auch die eigentliche Ursache der jüngsten Kursverluste. Als wesentlicher Faktor gilt die Lage an der ukrainisch-russischen Grenze. Die Märkte könnten diese nicht einpreisen, schreibt Verhagen, allzumal die Situation sehr kompliziert werden könne.

          Ukraine und Zwischenwahlen

          Für den Vermögensverwalter Ken Fisher von Fisher Investments stehen die Zwischenwahlen in den USA im Vordergrund. Solche Jahre seien bis dahin immer schwierig. Nach den Wahlen gehe es dann massiv aufwärts. Auch die Analysten der DZ Bank versuchen über die aktuelle ­Entwicklung hinauszuschauen. Die jüngsten Zinsanhebungszyklen hätten stets zunächst zu Kursverlusten geführt, die aber über die Dauer des Zyklus mehr als wettgemacht worden seien.

          Bleibt am Ende die Frage der hohen Bewertung des Aktienmarktes. Doch angesichts der hohen Bewertung aller Anlageklassen fehlt es an Optionen. Nichtsdestoweniger sprechen höhere Zinsen für Aktien von Unternehmen mit beständigen Mittelzuflüssen und weniger für Wachstumswerte, deren mögliche Gewinne erst in ferner Zukunft anfallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          US-Präsident Joe Biden am Montag mit den Ministerpräsidenten von Japan und Indien.

          Bidens Wirtschaftspakt : Eine Gefahr für den Freihandel

          Der amerikanische Präsident schmiedet einen Wirtschaftspakt im Indo-Pazifik. Die Chancen, dass seine Initiative Durchschlagskraft entwickeln wird, sind indes gering.
          Freude pur mit Plattenhardt (l.): Hertha BSC Berlin bleibt in der Bundesliga

          Bundesliga-Relegation : Plattenhardt rettet Hertha

          Der Berliner Linksverteidiger bereitet das 1:0 vor und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Hertha bleibt in der Bundesliga, die Mission von Trainer Magath „ist jetzt beendet“. Der HSV muss in sein fünftes Zweitligajahr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Tarifportal
          Mit unserem kostenlosen Tarifvergleich sparen
          Kapitalanlage
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis