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Gute Nachricht für Sparer : Zinserträge in Deutschland erstmals seit 2016 positiv

Wenn die Inflationsrate negativ ist, gewinnt Bargeld an Wert. Bild: dpa

Die niedrige Inflation hat eine ungewöhnliche Nebenwirkung: Erstmals seit dem Jahr 2016 sind die Zinserträge der deutschen Sparer real, also nach Abzug der Geldentwertung, positiv. Die Kaufkraft des Geldes ist gestiegen.

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          Die niedrige Inflation in Deutschland hat eine Folge, die viele Sparer vielleicht nicht im Blick haben: Erstmals seit 2016 sind die realen Zinserträge der deutschen Sparer wieder positiv. Im Juli betrugen die Zinserträge für wichtige Sparanlagen zusammengerechnet 191,2 Millionen Euro, wie die Internetplattform Tagesgeldvergleich.net vorrechnet. Die Plattform vergleicht dazu die durchschnittlichen Zinssätze auf täglich fällige Einlagen, Sparbücher, Sparbriefe mit vier Jahren Laufzeit und Festgeld mit einem Monat Laufzeit.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das letzte Mal war dieser Wert im Juni 2016 mit 217 Millionen Euro positiv gewesen, seither hatte die Niedrigzinsphase bei gleichzeitiger Inflation für eine negative Realverzinsung gesorgt. Das habe sich jetzt durch das Absinken der Inflationsrate geändert. Die Inflationsrate lag im Juli bei minus 0,1 Prozent, im August bei 0 Prozent.

          Auch im August dürften die positiven Realzinsen auf die deutschen Ersparnisse wegen der niedrigen Inflation angehalten haben, berichtet die Plattform.

          Die Deutsche Bundesbank bestätigte, eine solche Entwicklung sei die natürliche Folge der niedrigen Inflationsraten. Bei einer Inflation von minus 0,1 Prozent im Juli führten selbst unverzinste Spareinlagen (nominaler Zinssatz 0 Prozent) nach Inflation zu Realzinsen von plus 0,1 Prozent: Das Geld wird dann zwar nicht mehr, aber seine Kaufkraft steigt. Selbst eine leicht negative Verzinsung von Spareinlagen (Zinssatz zwischen 0 und minus 0,1 Prozent) hätte unter diesen Umständen nach Inflation zu positiven Realzinsen für den Sparer geführt. Sogar Bargeld gewinnt an Wert, wenn die Inflationsrate negativ ist.

          Nach der europäischen Rechnung des Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI) war die Inflationsrate in Deutschland auch im August noch negativ. Diese Berechnung weicht leicht von der deutschen Rechenweise ab. Auch die Inflationsrate für die Eurozone im August lag unter null, sogar bei minus 0,2 Prozent. Auch wer auf diese Inflationswerte guckt, kommt zumindest für einzelne Monate auf eine zunehmende Kaufkraft von Spareinlagen selbst bei Nullzinsen oder leicht negativen Zinsen. 

          Realzinsen sind entscheidend

          Umstritten war zuletzt, ob die offizielle Inflationsrate auch in Corona-Zeiten die Preisentwicklung richtig abbildet, weil vor allem Öl billiger wurde, das im Shutdown weniger benötigt wurde, während Nahrungsmittel deutlich teurer wurden. Zuletzt ist allerdings auch die sogenannte Kernrate der Inflation, das ist die Teuerung ohne stark schwankende Preise wie die für Energie und Lebensmittel, auffällig stark zurückgegangen. Allerdings ist unklar, wie sich die Inflation im Jahresverlauf weiterentwickelt; von einem Monat auf das ganze Jahr zu schließen, wäre sicherlich voreilig.

          Wer meint, das alles sei ein rechnerischer Taschenspielertrick zur Beruhigung der Sparer, sollte die Bedeutung der Inflation nicht unterschätzen. Als sogenannte „Geldillusion“ wird bezeichnet, dass viele Sparer nur auf den nominalen Betrag der Zinsen blicken, also das Geld, das sie von der Bank für ihrer Erspartes bekommen (oder in letzter Zeit manchmal sogar bezahlen müssen). Ökonomen sind sich weitgehend einig, dass das Entscheidende für die Sparer die Realzinsen sind, also die Zinsen nach Berücksichtigung der Inflation.      

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