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Zinsvergleich : Zinsen auf Festgeld haben sich mehr als verdoppelt

Die Banken konkurrieren wieder mit höheren Zinsen um Sparer. Bild: dpa

Doch der Schein trügt: Die hohe Inflation macht das Sparen auf dem Bankkonto für die Sparer weiterhin zu einem herben Verlustgeschäft. Das kann sogar zu einer Falle werden.

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          Die Zinsen, die Verbraucher zahlen müssen, haben wesentlich schneller auf die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert als die Zinsen, die sie für ihr Erspartes bekommen. Die Banken weiten auf diese Weise ihre Zinsmarge aus.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Immerhin aber haben sich die Zinsen auf Festgeld seit der ersten EZB-Zinserhöhung mehr als verdoppelt: Im Durchschnitt der bundesweit verfügbaren Festgeldangebote mit zwei Jahren Laufzeit kommen Sparer jetzt auf 2,09 Prozent im Jahr, wie aus einer Analyse der Vergleichsplattform Verivox hervorgeht.

          Anfang August – und damit unmittelbar nach der ersten Leitzinserhöhung der EZB im Juli – lag der Durchschnittszins noch bei 0,82 Prozent. Bei den Festgeldern mit zwölf Monaten Laufzeit haben sich die Zinsen im selben Zeitraum sogar mehr als verdreifacht, von 0,54 auf 1,73 Prozent.

          Die Schwierigkeit dabei: Diese Zinssätze sind trotz allem so niedrig, dass Sparer real, also nach Abzug der Inflation, die im Augenblick bei 10 Prozent liegt, einen herben Verlust machen.

          Der Kapitalmarkt-Fachmann Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors meint sogar, darin stecke verhaltensökonomisch eine Falle für die Sparer: Wenn sie bei wieder etwas höheren positiven Nominalzinsen ihr Geld unbesorgt aufs Sparkonto packten, statt es anderweitig anzulegen, weil der Verlustschmerz geringer sei, wenn der Betrag auf dem Konto nicht kleiner werde - dann verlören sie unter Umständen durch die negativen Realzinsen als Folge der hohen Inflation viel mehr.

          „Der Markt hatte den erwarteten Zinsschritt der EZB schon im Vorfeld ein Stück weit eingepreist“, berichtet Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Bereits seit Juni stiegen die Festgeldzinsen - die vier Leitzinserhöhungen der EZB in der zweiten Jahreshälfte hätten das noch mal verstärkt.

          Unterschiede je nach Bankengruppe

          Je nach Bankengruppe war das Ausmaß der Zinserhöhungen aber unterschiedlich: Mit 1,14 Prozent sei der Durchschnittszins für zweijährige Festgeldanlagen bei den genossenschaftlichen Kreditinstituten nur etwas mehr als halb so hoch wie bei den bundesweit verfügbaren Angeboten. Auch der Abstand zu den Sparkassen falle deutlich aus: Sie zahlten im Schnitt 1,21 Prozent für Festgeld auf zwei Jahre.

          „Bei den bundesweit verfügbaren Angeboten sorgt der schärfere Wettbewerb unter den Banken für höhere Zinsen“, sagt Verivox-Zinsfachmann Maier. „Aktuell sehen wir vor allem unter den Top-Anbietern einen intensiven Konkurrenzkampf um die Spargelder der Anleger. Um dabei nicht ins Hintertreffen zu geraten, sind die Institute gezwungen, ihre Konditionen kontinuierlich nachzubessern.“

          Bis zu 3,1 Prozent zahlten deutsche Institute aktuell für Festgeld auf zwei Jahre – einige Banken mit Sitz im EU-Ausland böten mit bis zu 3,36 Prozent sogar noch etwas mehr.

          Innerhalb der EU sind zwar Einlagen bis 100.000 Euro durch die Einlagensicherung des jeweiligen Landes geschützt - allerdings muss der Sparer auf die Fähigkeit und den Willen in dem jeweiligen Land vertrauen, in Krisenfällen schnell und unkompliziert zu entschädigen. Niels Nauhauser, Finanzfachmann der Verbraucherzentrale Baden Württemberg, sagt deshalb: „Wir raten Anlegern, die Wert auf Sicherheit legen, ausschließlich Einlagen zu tätigen, die über die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken abgesichert sind.“

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