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Zertifikate : Je innovativer, desto teurer

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"Bei Zertifikaten haben es normale Anleger schwer, teure von billigen Emittenten zu unterscheiden", gesteht Dieter Lendle, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Instituts, ein. Denn in diesem Markt mangelt es an Transparenz.

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          "Bei Zertifikaten haben es normale Anleger schwer, teure von billigen Emittenten zu unterscheiden", gesteht Dieter Lendle, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Instituts, ein. Denn in diesem Markt mangelt es an Transparenz.

          Das liegt an der Konstruktion der Zertifikate: Die Preise, die dafür bezahlt werden müssen, werden in der Regel vom Emittenten selbst festgelegt. Die Faktoren, die dabei einfließen, müssen teilweise geschätzt werden und eröffnen so Spielräume zum Wohle der Kasse des Anbieters.

          Wichtige Einflußgrößen sind dem Anleger nur bedingt zugänglich

          Bei Zertifikaten auf Aktien werden beispielsweise die Dividenden nicht dem Anleger gutgeschrieben, sondern dem Emittenten. Läuft das Papier mehrere Jahre, muß er die erwarteten Dividenden schätzen. Je höher die ausfallen, desto niedriger der Preis heute. Welche Schätzung er dabei berücksichtigt, bleibt sein Geheimnis.

          Auch die Schwankungsanfälligkeit, von Experten als Volatilität bezeichnet, ist eine wichtige Einflußgröße für den Preis. Sie wird mit Hilfe von historischen, aktuellen und erwarteten künftigen Volatilitäten geschätzt. Immerhin werden diese Zahlen veröffentlicht, so auf Finanzseiten im Internet wie Finanztreff, Onvista oder der Stuttgarter Börse Euwax. Je großzügiger die Rechnung aus Sicht des Emittenten, desto teurer für den Anleger.

          Ein Korrektiv ist dabei allerdings der Wettbewerb. Je mehr ähnliche Produkte verschiedene Banken anbieten, desto besser bekommen die Anleger einen Überblick über die Kosten, weil sie die Preise vergleichen können. So ist es nicht überraschend, daß Indexzertifikate - also Zertifikate, die genau die Wertentwicklung eines Aktienindex wie des Dax nachzeichnen - äußerst preisgünstig sind. Hier ist die Konkurrenz besonders groß, die Produkte sind vergleichbar. Sie dienen zudem als Lockvogel und sollen Anleger für die Zertifikatewelt interessieren. Auch Discount-Zertifikate gelten als günstig.

          Viele neue Produkte sind in sich teuer

          Auf der anderen Seite sind viele neuartige Produkte sehr teuer. "Je innovativer und komplexer sie sind, desto kostenträchtiger sind sie für den Anleger", sagt Lendle. Weil sie einen höheren Aufwand erfordern - und weil sich damit gutes Geld verdienen läßt. Unklar ist auch, wieviel Rendite für die Sicherung von Währungsschwankungen verlorengeht. Quanto-Zertifikate bieten diese an.

          Teure Produkte zeigen sich an einer großen Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Spread). Die Anleger verlieren dabei bis zu fünf Prozent, wenn sie ihr Zertifikat verkaufen. Die günstigen Index-Zertifikate hingegen haben kaum noch einen solchen Spread.

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