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Finanzinvestor KKR : Springer-Bieter führt „Welt“ nur unter Bedingungen fort

Fahnen vor dem Springer-Hauptquartier in Berlin Bild: EPA

Der am Springer-Verlag interessierte Finanzinvestor KKR öffnet in der Angebotsunterlage eine Hintertür für den Ausstieg aus der Zeitung. Die „Welt“ und „Welt am Sonntag“ erhalten keine Bestandsgarantie.

          Die Zeitungen „Welt“ und „Welt am Sonntag“ bekommen unter der geplanten neuen Eignerstruktur des Medienhauses Axel Springer keine Bestandsgarantie. Wie aus der Angebotsunterlage hervorgeht, knüpft der bietende Finanzinvestor KKR die Fortführung der „Welt“-Gruppe an wirtschaftliche Bedingungen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In dem 221 Seiten starken Dokument heißt es in einem entsprechenden Passus, KKR sowie die Verlegerwitwe Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner als Großaktionäre hätten vereinbart, die „Welt“-Gruppe fortzuführen. „Dies steht unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation.“

          Auch wenn – oder gerade weil – das nebulös formuliert ist, befeuert das die Frage, wie sicher die Zukunft der Zeitungen in der neuen Konstellation ist. Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR will im Zuge ihrer Offerte mindestens 20 Prozent an dem Berliner Digital- und Zeitungskonzern übernehmen.

          Dazu ist eine auf mindestens fünf Jahre angelegte strategische Partnerschaft vorgesehen. KKR verbündet sich dabei mit Friede Springer und Döpfner. Diese beiden besitzen direkt und indirekt zusammen gut 45 Prozent an dem Verlag.

          Die anderen Anteilseigner stehen nun vor der Frage, ob sie das Angebot von 63 Euro je Aktie annehmen. Die Enkelkinder von Verlagsgründer Axel Springer – Axel Sven und Ariane Melanie – kommen zusammen auf knapp 10 Prozent. Was damit passiert, ist noch offen. Insider halten es für wahrscheinlich, dass sie die Anteile halten oder einen Teil davon zu Geld machen.

          Friede Springers Einfluss soll bleiben, auch wenn KKR wider Erwarten eine Anteilsmehrheit bekäme. Die Partnerschaft fuße auf dem Grundsatz, „dass die eine Seite nicht ohne die Zustimmung der anderen Seite in wesentlichen Fragen entscheiden kann“, sagte Döpfner nach der Bekanntgabe der Pläne.

          Springer hat sich im Laufe der Jahre immer mehr zum Digitalkonzern gewandelt. Das entsprechende Geschäft wächst überproportional, im Rubrikengeschäft etwa im vergangenen Jahr um ein Fünftel. Hierzu trugen insbesondere die Stellen- und Immobilienportale bei.

          Daneben steht das Zeitungsgeschäft, das prestigeträchtig ist, aber renditeschwächer. Die Frage ist, was mit diesem geistigen Erbe des Verlagsgründers Axel Springer passiert.

          Auffallend ist, dass das offizielle Angebotsdokument in der besagten Passage nur die „Welt“-Gruppe zum Thema macht, zu der die Tageszeitung „Welt“, die „Welt am Sonntag“, die digitalen Angebote und ein Fernsehsender gehören. Von der „Bild“-Gruppe, die als lukrativer gilt, ist keine Rede. Ebenfalls fällt der ungelenke Begriff der „angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation“ auf. Damit ist dem Vernehmen nach wohl schlicht die wirtschaftliche Entwicklung, die Rentabilität gemeint.

          KKR und die anderen beiden Hauptakteure bauen damit eine Hintertür zum Ausstieg ein – wie weit offen die steht, darüber gehen die Meinungen jetzt weit auseinander. In Unternehmenskreisen heißt es, es handele sich um eine Absicherung für KKR.

          Der Finanzinvestor wolle sicherstellen, dass auch der journalistische Konzernteil auf die Kosten achten müsse. Andererseits lehrt die Erfahrung, dass solche Klauseln nach ein paar Jahren von einer Formalität zur sehr konkreten Ausstiegshilfe werden können.

          Als die F.A.Z. nach der Bekanntgabe der KKR-Pläne berichtete, die Eigner wollten in der neuen Konstellation Springer gerne von der Börse nehmen, streuten Leute im Hintergrund, das sei derzeit nicht geplant. Im Angebotsdokument ist nun genau davon die Rede: von einem geplanten Delisting. Eine Axel-Springer-Sprecherin wollte sich am Dienstag nicht zu dem Dokument äußern. Sie kündigte an, dass eine offizielle und begründete Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat am Donnerstagnachmittag veröffentlicht würden.

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