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Index-Reform : Zehn heiße Kandidaten für den Dax

Entflammt die Dax-Reform neue Kursphantasie? Bild: Dmitri Broido

Im September wächst der Dax von 30 auf 40 Mitglieder. Diese Unternehmen sind die aussichtsreichsten Anwärter. Und viele Aktien haben noch Potential.

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          Airbus: Überflieger

          Soll man inmitten einer Pandemie, in der möglichst wenig geflogen werden sollte, eine Flugzeugaktie kaufen? Die meisten Analysten meinen: ja. Gerade jetzt. Der Airbus-Aktienkurs ist 2020 um ein Drittel gesunken. Die Bewertung gilt als vergleichsweise günstig. Die Auslieferungen neuer Flugzeuge haben zuletzt positiv überrascht. Und bisher gibt es keine Anzeichen, dass die Menschen durch die Pandemie ihre Mobilität dauerhaft einschränken wollen. Die Fernreise bleibt für viele ein Traum, und hier ist der europäische Flugzeugbauer, an dem Frankreich, Spanien und Deutschland zusammen eine Sperrminorität von 26 Prozent halten, für viele Fluglinien erste Wahl. Der Dax-Aufstieg dürfte zudem keiner anderen Aktie mehr nutzen als Airbus, weil der Konzern mit einem Börsenwert von 70 Milliarden Euro längst Dax-Format hat. Nur der Handelsumsatz der Aktien in Frankfurt war bisher zu niedrig, weil viele Airbus-Papiere in Paris gehandelt werden. Aber dieses Kriterium fällt von September an weg. Und die Dax-ETF müssen Airbus dann mit einem recht hohen Gewicht von etwa vier Prozent aufnehmen.

          AIRBUS GROUP

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          Zalando: Trendsetter

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hat Zalando das Zeug zu einem europäischen Champion? Das ist eine der Kernfragen, wenn es um die Bewertung des Berliner Online-Modehändlers geht. Der Aktienkurs hat sich 2020 verdoppelt. Der Gewinn auch. Er bleibt aber mit 215 Millionen Euro im Vergleich zum Börsenwert von 25 Milliarden Euro mager. Doch die Trends sprechen für Zalando. Die Leute kaufen einfach mehr online, und das bleibt wohl auch nach der Pandemie so. Wenn es Zalando gelingt, der Platzhirsch für Online-Modebestellungen in Europa zu werden und die Gewinnspannen entsprechend auszudehnen, dann bietet der Wachstumswert noch viel Potential. Oder er lässt sich einfach von Amazon teuer kaufen.

          ZALANDO SE

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          Symrise: Schmeckt gut

          Deutschland hat keinen großen börsennotierten Lebensmittelhersteller. Bald könnte aber immerhin ein wichtiger Zulieferer der Lebensmittelindustrie im Dax sein. Die Symrise AG aus Holzminden sorgt für den wohlriechenden Duft Tausender Konsumartikel und den guten Geschmack Tausender Lebensmittel. Sie beliefert die meisten großen Konzerne mit ihren Aromen. Der Bereich Haustiere wächst stark. Symrise zeichnet das aus, was die Anleger auch an Lebensmittelkonzernen schätzen: weitgehend konjunkturunabhängig, nicht so stark schwankend. Aber eben auch nur mit moderaten Wachstumsraten. Solide eben. Billig sind solche Aktien nicht zu haben. Doch die starke Marktstellung von Symrise und die hervorragende Entwicklung in den vergangenen Jahren sprechen für die Aktie.

          SYMRISE

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          Siemens Energy: Favorit der Analysten

          Die Abspaltung der Siemens-Energiesparte ist bisher eine Erfolgsgeschichte. Ende September mit einer gewissen Skepsis an den Markt gekommen, hat sich der Kurs glatt um 50 Prozent erhöht. Für keine der zehn hier vorgestellten Aktien sind die Analysten so optimistisch. 17 von 18 raten zum Kauf. Dem Konzern ist es gelungen, sich vom Image als Erbauer herkömmlicher Kohlekraftwerke zu lösen und einen grünen Anstrich zu geben. Zum Beispiel mit Investitionen in die Wasserstofftechnik, aber auch durch die Windkraft-Tochtergesellschaft Siemens Gamesa. Das lässt die Anleger offenbar darüber hinwegschauen, dass das Geschäftsjahr 2019/2020 mit einem deutlichen Verlust endete. Den Dax-Aufstieg verhindert das nicht. Zwar gilt fortan für Dax-Aufsteiger die Pflicht, die vergangenen beiden Geschäftsjahre mit Gewinn abgeschlossen zu haben. Der Deutschen Börse reicht es aber, wenn es vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen (Ebitda) der Fall war - von manchen auch scherzhaft als Gewinn vor Kosten bezeichnet. Das Ebitda war bei Siemens Energy jedenfalls positiv, wenn auch niedriger als im Vorjahr.

          SIEMENS ENERGY AG NA O.N.

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          Brenntag: Chemie-Charme

          Die Brennstoff-Chemikalien Transport AG, kurz Brenntag, ist sicherlich eines der unauffälligeren Unternehmen am deutschen Aktienmarkt. Weitgehend frei von Skandalen, liefert der Konzern solide Ergebnisse im Geschäft mit Handel, Transport, Mischung, Verpackung und Lagerung von Chemikalien. Gegründet 1874 von der Familie Mühsam, später übernommen von der Familie Stinnes, ist der Konzern seit 2010 börsennotiert. Von weniger als 20 Euro stieg der Kurs in den ersten fünf Börsenjahren auf gut 50 Euro. Neue Dynamik erhielt er erst 2020. Gerade wurden Rekordkurse von 69 Euro erreicht, die Brenntag zu einem aussichtsreichen Kandidaten für den Dax machen. Der Kursaufschwung wird mit dem Namen Christian Kohlpaintner verknüpft, der den Konzern seit Anfang 2020 führt und sich zum Ziel gesetzt hat, die Profitabilität des Konzerns deutlich zu erhöhen. Das wird im vor drei Jahren von Mülheim an der Ruhr nach Essen umgezogenen Konzern mit 17.500 Mitarbeitern einige Stellen kosten, aber wohl auch die Wettbewerbsposition stärken. Die Bewertung der Aktie ist nicht mehr günstig. Aber welche ist das schon? Die Analysten zählen Brenntag zu ihren Favoriten im Chemiesektor. Das Branchenumfeld ist jedoch durch die Corona-Krise stark eingetrübt. 15 Analysten raten dennoch zum Kauf der Aktie, keiner zum Verkauf. Brenntag dürfte trotz Corona im Jahr 2020 stabile Gewinne erzielt haben. Andere Aktien entfachen aber sicherlich mehr Wachstumsphantasie.

          BRENNTAG SE NA O.N.

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          Qiagen: Günstiger Corona-Star

          Allein das Stichwort Corona-Tests macht Investoren hibbelig. Kein Wunder also, dass im Jahresverlauf versucht wurde, Qiagen zu übernehmen. Doch die Aktionäre blieben standhaft, lehnten das Angebot von 43 Euro je Aktie durch die amerikanische Thermo Fisher Scientific ab, weil sie Qiagen in Eigenständigkeit eine bessere Zukunft zutrauen. Der Aktie des Labortechnik- und Diagnostikkonzerns mit Doppelsitz im niederländischen Grenzort Venlo und in Hilden nahe Düsseldorf hat dies nicht geschadet. Sie notiert noch immer auf Kursen um 43 Euro. Für einen reinrassigen Corona-Gewinner ist die Bewertung der Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 fast schon billig. Wie viele Biotech-Unternehmen hat Qiagen mit der Frage zu kämpfen: Was passiert nach Corona? Zur Beruhigung: Auch vor Corona hat das Unternehmen gute Geschäfte gemacht. Und es spricht viel dafür, dass Unternehmen mit Expertise im Gesundheitsbereich künftig eher mehr als weniger gesucht sind.

          QIAGEN NV EO -,01

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          Healthineers: Im Übernahmefieber

          Die Siemens Medizintechniksparte Healthineers ist nach Airbus der zweitgrößte Brocken, der im September den Sprung in den Dax schaffen dürfte. Mit fast 50 Milliarden Euro Börsenwert ist er einer der weltgrößten Konzerne für medizintechnische Geräte wie MRT, CT, Ultraschall und vieles mehr. Der Aufstieg in den Dax scheiterte bisher daran, dass Siemens noch knapp 80 Prozent der Aktien hält und der Handelsumsatz in den frei verfügbaren Aktien nicht hoch genug ist. Da das Kriterium Handelsumsatz von September an aber wegfällt, dürfte der Weg in den Dax frei sein. Von dem Boom der Gesundheitsaktien seit Corona hat Healthineers kaum profitiert. Entsprechend ist die Aktie auch nicht besonders teuer. Allerdings wachsen Umsatz und Gewinn auch nicht gerade dynamisch. Die Stimmung unter den Analysten ist gemischt. Ungefähr die Hälfte traut Healthineers überdurchschnittliche Kursgewinne zu, die andere Hälfte sieht den Gesundheitskonzern eher im Marktdurchschnitt. Den Aktienkurs belastet hat zuletzt auch die Aussicht auf mindestens eine weitere Kapitalerhöhung. Healthineers übernimmt gerade den amerikanischen Konzern Varian, der auf Medizintechnik zur Krebsbehandlung spezialisiert ist, für stolze 16 Milliarden Dollar. Das dafür nötige Geld soll zu einem Gutteil von der Börse kommen. Solche Umbruchphasen sind meistens nicht die allerbesten für die Aktien.

          SIEMENS HEALTH.AG NA O.N.

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          Hello Fresh: Wachstumsrakete

          Die Erfolgsgeschichte von Hello Fresh ist die einfachste und klarste unter allen zehn Dax-Kandidaten. Das Berliner Unternehmen liefert Kochrezepte mit den dazu benötigten frischen Zutaten direkt an die Haustür. Das gewann vor der Pandemie schon zusehends an Beliebtheit. Durch Corona gehen die Bestellungen durch die Decke. Entsprechend hat sich der Aktienkurs 2020 um 239 Prozent erhöht. Entscheidende Frage: Wie geht es weiter? Bisher haben Umsatz und Gewinn mit dem rasanten Kursanstieg Schritt gehalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 ist mit 33 für einen Wachstumswert noch moderat. Die Analysten von Kepler Cheuvreux legen sich fest: Das Wachstum geht weiter. Umsatzvervielfachung auf zehn Milliarden Euro in den nächsten Jahren. Viel Synergiepotential. Kursziel 96 Euro bei einem aktuellen Kurs von 64 Euro. Selbst der skeptischste Analyst Marcus Diebel von JP Morgan revidierte seine Verkaufsempfehlung im Dezember und hob das Kursziel von 35 auf 55 Euro. Nur eine grundlegende Verhaltensänderung der Verbraucher könnte den Erfolg gefährden. Die sei aber derzeit nicht in Sicht. Das Ebitda von Hello Fresh war 2019 knapp und 2020 deutlich positiv, so dass nur ein deutlicher Kursrückschlag den Dax-Aufstieg verhindern könnte.

          HELLOFRESH SE INH O.N.

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          LEG Immobilien: Größtes Potential

          Sind aller guten Dinge drei? LEG wäre jedenfalls nach Deutsche Wohnen und Vonovia der dritte Mietwohnungskonzern im Dax. Mit allen dreien sind die Anleger bisher glänzend gefahren. Das Geschäftsmodell der Wohnungsvermietung ist stabil, die Wohnungen gewinnen deutlich an Wert, und das Potential für Mietsteigerungen ist groß. Einen sicherer prognostizierbaren Geschäftserfolg gibt es kaum, und so stürzen sich die Anleger seit Jahren auf die Immobilienaktien. Natürlich ist der weitere Erfolg der Aktien nicht sicher. Die Einmütigkeit der Analysten ist fast schon frappierend. Für keinen der zehn Dax-Kandidaten sehen sie so großes Kurspotential wie für den Düsseldorfer Wohnungskonzern.

          LEG IMMOBILIEN AG NA O.N.

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          Sartorius: Hoch bewertet

          Es ist natürlich höchste Zeit, dass auch im Dax deutlich wird, dass das Wirtschaftsland Niedersachsen mehr ist als nur VW und Continental. Neben Symrise aus Holzminden an der Weser ist Sartorius aus Göttingen Dax-Anwärter, wenn auch der unsicherste Kantonist unter den zehn genannten. Der Vorsprung auf die Verfolger Hannover Rück, Puma und Knorr-Bremse lässt sich noch verspielen. Doch 80 Prozent Kursplus im Jahr 2020 haben Sartorius in den Kreis der Dax-Anwärter befördert. Die Bewertung ist hoch, doch das Unternehmen verdient sein Geld mit Produkten für die Impfstoffherstellung und mit antiviralen Medikamenten. Was gäbe es derzeit Besseres? Der Aktienkurs ist in zehn Jahren um den Faktor siebzig gestiegen. Das Bankhaus Metzler sieht sogar Potential für weitere 30 Prozent Plus.

          SARTORIUS AG O.N.

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