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Teureres Tanken : Zapft Donald Trump die strategische Ölreserve an?

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Zu hoch: Donald Trump hat gerade mit den Ölländern geschimpft und sie aufgerufen, die Preise zu senken. Bild: AFP

Die Amerikaner müssen gerade deutlich mehr Geld bezahlen fürs Tanken als noch vor einem Jahr. In wenigen Monaten stehen wichtige Wahlen an – die Regierung überlegt wohl, ob sie reagiert.

          In den Vereinigten Staaten ist Sommerurlaubszeit, die Amerikaner fahren mit dem Auto weitere Strecken als sonst und tanken häufiger. „Driving Season“ nennen sie diese Zeit darum auch immer. Dieses Jahr könnte daraus ein politisches Problem werden, denn: Weil der Ölpreis gestiegen ist, kostet Benzin nun deutlich mehr. Für eine Gallone, das sind etwas weniger als vier Liter, müssen die Amerikaner momentan im Schnitt 2,88 Dollar bezahlen, zeigen die täglich veröffentlichten Daten der amerikanischen Automobilvereinigung AAA – damit ist das Tanken um ungefähr 30 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Und das ist nur der durchschnittliche Anstieg, in vielen Gegenden kostet bleifreies Benzin noch mehr.

          Der höhere Benzinpreis beschäftigt offenkundig auch das Weiße Haus. Die über den Kurznachrichtendienst Twitter unlängst verbreitete Kritik des Präsidenten Donald Trump an der Ölländer-Vereinigung Opec bringen Beobachter damit in Verbindung. Trump warf der Opec, die Preise zu manipulieren und forderte sie auf, sie zu senken. Zuvor hatte er bereits mit dem saudi-arabischen König telefoniert und die Golfmonarchie gebeten, mehr Öl zu fördern.

          Wichtige Wahlen

          Darüber hinaus könnte die Regierung in Washington nun womöglich auf ein weiteres Instrument zurückgreifen, um das Tanken billiger, zumindest aber nicht noch teurer zu machen: die strategische Notfallölreserve der Vereinigten Staaten. Über entsprechende Überlegungen berichtet der Finanzdienst Bloomberg und beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

          Demnach erwägt die Trump-Administration, angesichts der im November bevorstehenden wichtigen Kongresswahl, einen Teil dieser Reserven auf den Markt zu geben. Noch sei keine Entscheidung gefallen, allerdings würden ein Testverkauf im Volumen von 5 Millionen Fass (je 159 Liter) diskutiert und der Verkauf von 30 Millionen Fass – insgesamt umfasst die amerikanischen Öl-Notfallreserve 660 Millionen Fass.

          „Ein Verkauf aus der strategischen Ölreserve würde einen psychologischen Effekt auf den Markt haben. Er dürfte sich nicht in niedrigere Benzinpreise übersetzen, aber er würde sofort die Ölpreise nach unten bringen, wenigstens vorübergehend, bis sich die Märkte angepasst haben“, kommentierte Energieanalyst Joe McMonigle vom Finanzhaus Hedgeye Risk Management.

          Der Ölpreis befindet sich derzeit auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren. Er erreichte unlängst die Marke von 80 Dollar, ist seitdem allerdings etwas zurückgegangen. Für die Verteuerung gibt es mehrere Gründe: Fachleute machen zum einen die robuste wirtschaftliche Entwicklung auf der Welt und zumal in den Vereinigten Staaten verantwortlich, die Trump mit seiner Steuerreform und staatlichen Ausgabenerhöhung weiter befeuert hat. Außerdem plant Amerika, Iran wieder vom Markt zu drängen; ab dem 4. November drohen Ländern Sanktionen seitens der Vereinigten Staaten, die iranisches Öl kaufen.

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