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WTI über 40 Dollar : Ölpreis zieht nach Opec-Sitzung deutlich an

Tanks in einem Öllager in Rotterdam Bild: dpa

Ist die Aufwärtsbewegung am Ölmarkt schon ein Indikator für die Erholung der Weltwirtschaft? Manche Ökonomen jedenfalls deuten das tatsächlich so.

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          Der Ölpreis hat nach der Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder und ihrer Partner (Opec plus) für eine Verlängerung ihrer Förderkürzung bis Juli deutlich zugelegt. Am Montag stieg der Preis der Nordseesorte Brent zeitweise um 2,6 Prozent auf 43,41 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Das war der höchste Stand seit der Zuspitzung der Corona-Krise im März. Und die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) notierte erstmals seit März wieder bei mehr als 40 Dollar.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den spannenden Fragen gehört dabei: Ist der deutliche Anstieg des Ölpreises auch ein Konjunkturindikator für die Erholung der Weltwirtschaft – oder ist er allein dem Preis-Regime der Opec zuzuschreiben? Seit den Tiefständen im April, als der Ölpreis sich von der Opec wenig beeindrucken ließ und immer weiter sank, ist der Preis um rund 170 Prozent gestiegen. Am Montag sorgten zudem Nachrichten über hohe Ölimporte Chinas für Aufsehen. Der größte Ölabnehmer der Welt führte im Mai 11,3 Millionen Barrel Öl je Tag ein. „Das war ein Allzeithoch“, sagte Frank Schallenberger, Ölanalyst der Landesbank Baden-Württemberg.

          WTI

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          Die Hoffnung, dass es keine zweite Viruswelle gebe und dass die Konjunktur wieder anziehe, habe den Ölpreis definitiv mit unterstützt, meinte Carsten Brzeski, Ökonom der Bank ING. Die Opec-Maßnahmen sowie die ersten tropischen Stürme in den Vereinigten Staaten hätten natürlich auch zu den gestiegenen Preisen beigetragen – aber der Konjunkturoptimismus sei wohl der größte „Game Changer“. Hingegen sagte Stefan Schneider, Ökonom der Deutschen Bank, er sehe den Ölpreis derzeit noch stark von der Angebotsseite beeinflusst. Allerdings sei der Kupferpreis, als „Doctor Copper“ ohnehin der bessere Konjunkturindikator, seit Mitte März auch gestiegen, um knapp 20 Prozent.

          Lkws rollen wieder

          Die Konjunktur erhole sich also, das zeigten auch Echtzeitdaten, mit denen man sich der Entwicklung annähern könne („Proxi-Indikatoren“), wie der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Dieser misst auf täglicher Basis die Fahrleistung von mautpflichtigen Lastwagen mit mindestens vier Achsen auf deutschen Bundesautobahnen. Er zeigt einen Tiefpunkt Mitte April. Bis etwa Mitte Mai war noch nicht ganz viel los. Jetzt aber steigt der Index doch spürbar an. Schneider fügte hinzu, er denke allerdings, dass die Finanzmärkte hinsichtlich des Tempos der Erholung zu optimistisch geworden seien.

          In China jedenfalls scheine sich die Ölnachfrage auf 90 Prozent des Vorkrisenniveaus erholt zu haben, sagte Eugen Weinberg, Ölfachmann der Commerzbank. Außerdem importiere China Rohöl für strategische Bestände. In der restlichen Welt sei die Nachfrage aktuell dagegen noch schwach. Doch nicht nur der Ölpreis, sondern auch die Aktienmärkte deuteten darauf hin, dass die Investoren mit einer baldigen Rückkehr zur Normalität rechneten. „Ich bin noch eher skeptisch gestimmt und glaube, dass es noch einige Jahre dauert, bis sich die Nachfrage komplett erholt hat“, sagte Weinberg. Auch Giovanni Staunovo, Ölanalyst der UBS, bekräftigte seinen vorsichtigen Ausblick auf den Ölmarkt mit einer Prognose von 32 Dollar je Barrel für September. Erst im März nächsten Jahres rechnet er wieder mit 50 Dollar.

          Am Wochenende hatten sich die Ölstaaten auf eine Verlängerung der Produktionskürzungen um 9,7 Millionen Barrel je Tag bis Ende Juli verständigt. Darüber hinaus sollen Länder, die im Mai und Juni mehr produziert haben als vereinbart, das bis September wieder ausgleichen.

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