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WSF-Mandate : Honig saugen aus dem Corona-Fonds

Die Lufthansa will Hilfen aus dem Rettungsfonds. Bild: Reuters

Der Rettungsfonds für Krisenunternehmen wie die Lufthansa verteilt Beratermandate für rund 26 Millionen Euro. Dabei steht wohl weniger die Bezahlung im Vordergrund als das Prestige. Welche Spezialisten wurden engagiert?

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          Nach der Vergabe der Grundsatzmandate warten Beratungsgesellschaften jetzt auf konkrete Aufträge aus dem staatlichen Corona-Stützungsfonds WSF, dem „Wirtschaftsstabilisierungsfonds“. Ein insgesamt 26,5 Millionen Euro schwerer Honorartopf steht für rund eineinhalb Dutzend Berater bereit, die nun alle namentlich bekannt sind.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie von der F.A.Z. vorab berichtet, gehören dazu im ersten Los Lazard, Rothschild, Deloitte und ein Tandem aus Lincoln und Oliver Wyman. Zu diesen vier Parteien gesellen sich die Investmentbanken Citi und Evercore, wie aus einer elektronischen Plattform für die Auftragsvergaben der Europäischen Union zu entnehmen ist. In diesem Los geht es um börsennotierte Unternehmen – bekanntester Fall ist die Deutsche Lufthansa.

          Der WSF ist eines der Instrumente, mit denen der Bund die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft mildern will. Die Berater sollen die wirtschaftlichen Aussichten und die Kapitalausstattung der Unternehmen analysieren – und damit deren Fähigkeit abschätzen, Schulden zurückzuzahlen. Sie sollen beurteilen, wie sich die Maßnahmen des WSF auf bestehende Finanzierungsinstrumente, das Rating und den Kapitalmarktzugang der Unternehmen auswirken. Explizit nicht gefragt ist Rat zu Steuern, Recht oder Rechnungslegung, auch nicht zu Bewertungen von Immobilien oder strukturierten Finanzprodukten.

          Die Bewerber hatten Konzepte vorzulegen, die sich nach dem zu betreuendem Industriezweig unterscheiden. Die Finanzagentur als zuständige Behörde braucht unter anderem Unterstützung für Unternehmen aus den Branchen Automobil, Textil, Logistik-, Tourismus, Hotel und Gastronomie, Maschinenbau und Handel. Im zweiten Los geht es um nichtbörsennotierte Unternehmen. Hier steht ein Pool von einem Dutzend beratenden Parteien bereit. Darunter sind wie berichtet KPMG, Pareto (mit der früheren Equinet), Warth & Klein Grant Thornton, Ludwig & Co. sowie Freitag & Co. Die anderen sind PwC, Horn & Company, Rödl, ein Duo aus Buttler und CoCo Finance, ein weiteres Duo aus Valetis und Buth & Hermanns, Roland Berger und EY.

          Prominente Namen

          Somit sind von den Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfern beinahe alle prominenten Namen dabei. Die Gesellschaften hatten Gebote auf Basis von Tagessätzen einzureichen und sicherten sich so ihren Platz im Beraterpool. Konkrete Einzelaufträge sind aber nicht garantiert. Sie werden von der Behörde erst noch erteilt. Ausgewählt wurden die Parteien in einem Punkteverfahren mit drei Kriterien: Mit jeweils 40 Prozent Gewichtung gingen der Angebotspreis und die Lebensläufe mit den Qualifikationen der Beratern ein, zu 20 Prozent zählte das Beratungskonzept.

          Unter den Ausgewählten gibt es Stimmen, die befürchten, dass weniger Krisenunternehmen die Hilfe des WSF in Anspruch nehmen als zunächst erwartet und also auch weniger Aufträge anfallen. Der Honorartopf gilt als nicht übermäßig generös. Aber für das Projekt mandatiert zu sein gilt als Referenz für künftige Geschäfte – gerade auch mit dem öffentlichen Sektor.

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