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Wohnungspreise : Frankfurt für Bürger kaum noch erschwinglich

  • -Aktualisiert am

Mietwohnungen im Frankfurter Stadtteil Nordend Bild: dpa

Die Großbank UBS sieht Frankfurt und München mit Blick auf den Wohnungsmarkt als die derzeit am stärksten überbewerteten Großstädte der Welt. Für die Bewohner wird das Leben dort zunehmend unerschwinglich.

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          In vielen Städten entfernen sich die Preise für Wohnraum immer weiter von dem, was selbst gut verdienende Arbeitnehmer noch bezahlen könnten. Laut einer internationalen Analyse durch die Schweizer Großbank UBS liegen mit Blick auf diese bedenkliche Entwicklung die beiden deutschen Städte München und Frankfurt ganz vorn. Insgesamt herrscht laut UBS in 5 europäischen Großstädten das Risiko einer Blase am Wohnungsmarkt.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während München schon zum zweiten Mal ganz oben in dieser Risikozone steht, hat Frankfurt innerhalb eines Jahres die Metropolen Amsterdam, Hongkong und Toronto hinter sich gelassen und belegt nun den zweiten Platz im globalen UBS-Blasenranking. Europa hat sich im weltweiten Vergleich zur Region mit den meisten überhitzten Wohnungsmärkten entwickelt. „Keine anderen Städte der Welt sind dem Risiko einer Immobilienblase so stark ausgesetzt wie Frankfurt und München“, sagte Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege für die UBS in Deutschland. Kunkel warnt Investoren vor überzogenen Rendite-Erwartungen, auch weil die aktuellen Immobilienpreise noch nicht die langfristigen Folgen der Corona-Pandemie reflektierten.

          Die Wohnungsmärkte sind laut UBS im ersten Halbjahr 2020 trotz der Corona-Krise weitestgehend stabil geblieben. Das liege aber unter anderem daran, dass Wohnungspreise ein nachlaufender Indikator seien und auf einen Abschwung erst mit zeitlicher Verzögerung reagierten. Zudem hätten die meisten Eigenheimkäufer im ersten Halbjahr noch keine unmittelbaren Einkommenseinbußen erlitten. Hilfskredite für Unternehmen und Kurzarbeit hätten die Folgen der Pandemie abgemildert.

          Neun Jahresgehälter für nur 60 Quadratmeter

          Im Fall von München steigen die Preise von Wohnraum vor allem wegen der starken lokalen Wirtschaft kombiniert mit attraktiven Finanzierungsbedigungen und solidem Bevölkerungswachstum. Die Unterversorgung mit Wohnraum in der bayerischen Landeshauptstadt habe sich daher laut UBS verschärft. Für den Kauf einer nur 60 Quadratmeter großen Wohnung in der Nähe des Münchner Stadtzentrums müsse ein qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Dienstleistungssektor derzeit rund 9 Jahreseinkommen aufbringen. Mit der Vermietung einer solchen Wohnung lasse sich der Kaufpreis erst nach 39 Jahren wieder einspielen, was in München damit länger dauere als in jeder anderen Metropole der Welt.

          Im Fall der Banken- und Börsenstadt Frankfurt haben sich die Wohnungspreise laut UBS im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Die realen Preise seien allein im vergangenen Jahr um 8 Prozent gestiegen. Als eines der größten Finanzzentren Europas habe Frankfurt von einem soliden Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum profitiert. Gleichzeitig sei die Bevölkerung gewachsen, was sowohl auf einen Geburtenüberschuss als auch auf Migration zurückzuführen sei. Die Frankfurter Mieten sind im Zuge dieser Entwicklung seit 2010 um fast 40 Prozent gestiegen. Darüber hinaus hätten Projektentwickler vor allem das obere Marktsegment ins Visier genommen, was die Immobilienpreisinflation weiter anheize und die Stadt für ihre Bürger zunehmend unbezahlbar mache.

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