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Steigende Immobilienpreise : Wie wird Wohnen billiger?

Der Staat hat sich einige Subventionen ausgedacht, um Immobilienbesitzer, Bauherren und Mieter direkt finanziell zu unterstützen. So hilft das Wohngeld armen Mietern, ihre Wohnung zu bezahlen. Es soll erhöht werden. Der Wohn-Riester soll die Altersvorsorge mit Immobilien erleichtern. Die neue Regierung will nun noch ein Baukindergeld für Familien einführen. Es beträgt zehn Jahre lang 1200 Euro je Kind und Jahr. Es bekommen Familien, die ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von nicht mehr als 75.000 Euro plus 15.000 Euro je Kind zur Verfügung haben. Zudem wird ein Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer beim erstmaligen Erwerb von Wohngrundstücken für Familien geprüft. Der Wohnungsbau soll angekurbelt werden durch eine bis Ende des Jahres 2021 befristete Sonderabschreibung von Baukosten. Sie beträgt zusätzlich zur linearen Abschreibung über vier Jahre fünf Prozent im Jahr.

Wird Wohnen dadurch billiger?

Wer die Subvention erhält, profitiert kurzfristig durch für ihn persönlich niedrigere Mieten oder geringere Bau- oder Kaufkosten. Gerade Bauherren oder Käufern kann es aber passieren, dass die Preise in Höhe der Subvention steigen und per saldo nichts gewonnen ist. Höheres Wohngeld führt dazu, dass die Nachfrage nach Wohnungen in den Großstädten steigt, weil es sich manche Mieter dadurch wieder leisten können, dorthin zu ziehen. Das erhöht die Mieten langfristig wieder. Das neue Baukindergeld wird zudem – anders als der Name suggeriert – nicht viele zusätzliche Neubauten schaffen. Denn es wird auch bezahlt, wenn bestehende Immobilien gekauft werden. Zudem dürften vor allem die Familien das Baukindergeld in Anspruch nehmen, die schon einen Immobilienkauf geplant haben. Dann hätte die Subvention einfach nur Mitnahmeeffekte ohne Wirkung. Und wenn doch ein paar Familien zum Hauskauf angeregt werden, dann gerade jetzt, wo die Preise sehr hoch sind. Das steigert die überhitzte Nachfrage zusätzlich. Im schlimmsten Fall treibt es Familien in Immobilien, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Noch am ehesten dürfte den Neubau die Sonderabschreibung fördern.

Mietpreisbremse verschärfen

Was ist gemeint?

Die vergangene große Koalition hat die Mietpreisbremse eingeführt, um den Mietanstieg zu dämpfen. Sie gilt für einen „angespannten Wohnungsmarkt“. Das legt die betroffene Kommune für einzelne oder alle Stadtviertel fest. Die verlangte Miete darf dort höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Allerdings darf bei einer Anschlussvermietung der vorherige Mietpreis weiter verlangt werden, auch wenn dieser mehr als zehn Prozent über der Vergleichsmiete liegt. Zu einer Senkung der Miete ist der Vermieter nicht verpflichtet. Die Grenze gilt auch nicht für Neubauten ab Oktober 2014 und grundsanierte Wohnungen.

Wird Wohnen dadurch billiger?

Ende 2018 soll die Wirkung der Bremse überprüft werden. Bisher scheint es so, dass sie kaum gewirkt hat, weil überhöhte Mieten nicht gekürzt werden müssen und der Mieter in der Regel gar nicht wusste, wie viel der Vormieter bezahlt hat. Die neue Regierung will nun einen Eigentümer verpflichten, die bisherige Miete zu nennen, wenn er sie als Grund anführt, warum die Miete mehr als 10 Prozent über der Vergleichsmiete liegt. Das könnte die Bremse tatsächlich schärfen. Auf der anderen Seite ist fraglich, ob es nicht immer Mieter gibt, die eine zu hohe Miete akzeptieren, nur um endlich eine Wohnung zu bekommen. Zudem führt die Bremse dazu, dass die Vermieter mehr Staffelmietverträge mit automatischen Mieterhöhungen vereinbaren. Vor allem aber könnte die Mietpreisbremse dazu führen, dass weniger Menschen bereit sind, Wohnungen zu vermieten, weil sich dies nicht mehr rechnet oder sie Angst vor Klagen der Mieter haben. Schon andere Verschärfungen des Mietrechts vergraulen die Vermieter zunehmend. Künftig sollen zum Beispiel Modernisierungskosten nur erschwert auf die Mieten umgelegt werden können. Weniger Vermietung würde aber zu höheren Mieten führen.

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