https://www.faz.net/-gv6-a1782
Bildbeschreibung einblenden

Neuer Bericht zum Wohlstand : Reiche wollen nachhaltiger anlegen

Nicht ganz günstig: die Motoryacht 48 Wallytender Bild: ¨Photo Gilles Martin-Raget

Die Corona-Krise zwingt zum Umdenken. Wohlhabende nehmen die Umwelt in den Blick. Ihr Vermögen ist in der Pandemie gesunken.

          3 Min.

          Wer zu den Reichen zählt, muss ein für die Anlage verfügbares Vermögen von mindestens 1 Million Dollar aufweisen. Das ist die Latte für den Wohlstandsbericht der IT-Beratungsgesellschaft Cap Gemini. Diese Summe muss für Investmententscheidungen zur Verfügung stehen und darf nicht in selbst genutzten Immobilien, Sammlungen oder Gebrauchsgütern wie Autos schlummern. Die Anzahl dieser Millionäre ist nach der aktuellen Cap-Gemini-Studie im vergangenen Jahr um knapp 9 Prozent auf 19,6 Millionen gestiegen. Deren Vermögen erhöhte sich im vergangenen Jahr um ebenfalls knapp 9 Prozent auf 74 Billionen Dollar. Erstmals seit dem Jahr 2012 fiel das Wachstum in Nordamerika und Europa wieder höher aus als in Asien.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie viel vom Vermögen nach dem Corona-Crash und der anschließenden Erholung noch übrig ist, kann nur geschätzt werden. Nach Zahlen des Weltverbandes der Börsen, der World Federation of Exchanges, sind im Februar und März, als die Pandemie an den Finanzmärkten wütete, 18 Billionen Dollar an Vermögen verschwunden. Schon im April setzte die Erholung an den Börsen ein, so dass Cap Gemini bis Ende April den Rückgang der Vermögen auf 6 bis 8 Prozent schätzt. Auch im Mai und Juni kam es zu Kursanstiegen, so dass einiges an verlorenem Boden wettgemacht worden sein dürfte.

          Die Millionäre beschäftigen sich immer intensiver mit den Themen Umwelt, soziale Entwicklung sowie gute Unternehmensführung. Für diese nachhaltigen Anlagen hat sich an den Finanzmärkten die Abkürzung ESG nach den englischen Begriffen „Environment, Social, Governance“ durchgesetzt. Vor allem die sehr Reichen mit einem Anlagevermögen von mehr als 30 Millionen Dollar interessieren sich besonders stark für das Thema. Hier sind 40 Prozent bereit, nachhaltig anzulegen, während der Anteil in der Cap-Gemini-Umfrage insgesamt nur bei 27 Prozent liegt. Jedoch zeichnet sich eine hohe Dynamik ab: Denn 41 Prozent der Reichen wollen bis Ende 2020 ESG-Anlagen in ihre Portfolios aufnehmen, bis Ende 2021 sind es 46 Prozent. Nach Ansicht von Cap Gemini bietet das steigende Interesse den Vermögensverwaltern neue Möglichkeiten. Diese scheinen sie erkannt zu haben, denn 80 Prozent bieten ESG-Produkte schon an.

          Die Hauptgründe für das Interesse an nachhaltigen Anlagen liegen nicht nur in einem guten Gewissen, sondern auch an den höheren Erträgen bei gleichzeitig geringeren Risiken. Eine höhere Rendite aus ESG-Anlagen erwarten 39 Prozent, während ein Drittel der Wohlhabenden diese Produkte als solide und weniger spekulativ betrachtet. Gut ein Viertel äußerte den Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen. Das Interesse an Nachhaltigkeit werde umso größer, je jünger die wohlhabenden Anleger seien, lautet eine weitere Erkenntnis aus der Cap-Gemini-Umfrage. Zudem ist die Bereitschaft, nachhaltig zu investieren, in Asien und Südamerika am höchsten.

          Nach Einschätzung der Cap-Gemini-Berater haben sich durch die Pandemie die Investitionsprioritäten verschoben. Nachhaltige Investitionen mit ökologischen und sozialen Prioritäten hätten nach der Pandemie an Bedeutung gewonnen. Nach den Worten von Klaus-Georg Meyer, der für Cap Gemini in Deutschland Finanzdienstleister betreut, sind die wohlhabenden Kunden hinsichtlich der Gebühren, die Vermögensverwalter für ihre Dienstleistungen erheben, kritischer geworden. Ein Drittel fühlte sich damit im vergangenen Jahr unwohl.

          Anzahl der Millionäre nahm 2019 in Deutschland zu

          Für zu wenig transparent halten sie 47 Prozent. Eine zu geringere Orientierung an der Performance beklagen 41 Prozent. Wiederum 35 Prozent wünschen sich eine stärkere Kopplung der Gebühren daran. Mehr als jeder Fünfte aus der Gruppe der wohlhabenden Anleger erwägt in den kommenden zwölf Monaten, den Vermögensverwalter zu wechseln. Dabei sind hohe Gebühren für 42 Prozent der Wechselwilligen der Hauptgrund. Inzwischen gewinnen auch die großen Technologie- und Internetkonzerne in dieser Anlegergruppe an Akzeptanz, denen vor allem rund um das Thema Informationen mehr zugetraut wird.

          Ende März entfielen von den Vermögen der Reichen 30 Prozent auf Aktien, 25 Prozent auf Bargeld, 17 Prozent auf Anleihen, knapp 15 Prozent auf Immobilien und fast 13 Prozent auf alternative Anlagen, wozu auch Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) oder Hedgefonds zählen. In Deutschland nahm die Zahl der Millionäre im Jahr 2019 um 8,6 Prozent auf 1,47 Millionen Personen zu. Ihr Vermögen wuchs um 8,8 Prozent auf 5,5 Billionen Euro, was Cap Gemini mit der Börsenentwicklung und den Immobilienpreisen begründet. Die reichen Deutschen haben dem Bericht zufolge 23,9 Prozent ihres Vermögens in Aktien angelegt, 29,5 Prozent entfällt auf Bargeld, 15,0 Prozent auf Anleihen, 16,1 Prozent auf Immobilien und 15,6 Prozent auf alternative Anlagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.