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Pro und Contra Absturz : Wohin laufen die Börsen?

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Die Abschläge am Donnerstag an den amerikanischen Börsen waren heftig. Bild: AFP

Die jüngsten Kurseinbrüche verunsichern viele Anleger. Kommt noch eine größere Korrektur oder sind die Börsen schon wieder bereit für eine neue Rally? FAZ.NET gibt einen Überblick zu den Argumenten der Börsen-Pessimisten und -Optimisten.

          Die Furcht vor steigenden Zinsen lähmt Anleger in Amerika, Asien und auch in Europa. Der erneute Kurssturz an der Wall Street sorgte in Asien für weitere massive Verkäufe, während in Deutschland bisher das Geschehen an den New Yorker Börsen weitgehend abprallt.

          Dennoch bleibt auf dem Börsenparkett aber die Frage weiter unbeantwortet, ob es sich bei der aktuellen Entwicklung um die überfällige Korrektur handelt oder dies der Beginn eines nachhaltigen Abwärtstrends ist. Börsen-Pessimisten (Bären) und Börsen-Optimisten (Bullen) sind sich hier uneins.

          Das sagen die Optimisten an der Börse (Bullen)

          Der Konjunkturmotor läuft
          „Der Rückenwind von der Konjunktur ist stark“, sagt Sameer Samana, Marktstratege vom Wells Fargo Anlageinstitut. Weltweit läuft die Wirtschaft rund und auch die Geschäftszahlen von vielen Unternehmen entwickeln sich nach Einschätzung von Analysten besser als erwartet. Die Euro-Zone wuchs 2017 mit 2,5 Prozent so stark wie seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten legte 2,3 Prozent zu. Fachleute rechnen damit, dass die globale Wirtschaft 2018 noch schneller wächst.

          Eine Börsenkorrektur ist gesund
          „Es war höchste Zeit, dass die heiß gelaufenen Aktienmärkte einen Dämpfer bekommen“, sagt Händler Matthew Cheslock vom Broker Virtu Financial. Der Standardwerteindex Dow Jones und der S&P 500 hatten zwischen Frühjahr 2017 und Januar 2018 jeweils zehn Monate in Folge zugelegt. Das war die längste Gewinnserie seit den 1950er-Jahren. Der Dax hinkte der Entwicklung zwar hinterher, legte 2017 dennoch um 12,5 Prozent zu. Seit Ende Januar verloren die drei Indizes jeweils rund zehn Prozent.

          Die Zinsen sind noch immer niedrig
          „Obwohl Zinsen und Inflation in jüngster Zeit zugelegt haben, sind sie im historischen Vergleich immer noch sehr tief“, sagt Chef-Anlagestratege Michael Arone beim Vermögensverwalter State Street Global Advisors. In der Euro-Zone liegt der Leitzins bei 0,0 Prozent, in Amerika zwischen 1,25 bis 1,5 Prozent, in Großbritannien bei 0,5 Prozent.

          Das Potenzial durch die Politik
          Die Vereinigten Staate haben kürzlich die größte Steuerreform seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht und Experten sind zuversichtlich, dass der amerikanische Kongress bald auch die Ausgaben für Infrastrukturprogramme erhöhen wird. „Vielen Unternehmen gibt die Steuerreform einen Gewinnschub und ich glaube, dass nur ein Teil der Erwartungen in den Kursen eingepreist ist“, so Chef-Investmentstratege David Katz vom Vermögensberater Matrix Asset Advisors.

          Dow Jones

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          Die langfristigen Erwartungen
          Marktstrategen halten trotz der jüngsten Börsenturbulenzen an ihren Prognosen fest. „Strategisch bleibe ich optimistisch und halte an den Kurszielen von 3000 Punkten beim S&P 500 und 14.100 beim DAX zum Jahresende fest“, sagt etwa Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

          Das sagen die Börsen-Pessimisten (Bären) zur Lage an den Aktienmärkten

          Die Inflation
          Die Stundenlöhne in Amerika legten im Januar um 2,9 Prozent zum Vorjahresmonat zu, das war der höchste Wert seit Mitte 2009. An den Börsen stiegen deshalb die Spekulationen, dass die Inflation anzieht und die amerikanische Notenbank die Geldpolitik schneller strafft. „Das größte Schreckgespenst der Anleger sind schnell steigende Zinsen“, sagt Robert Phipps, Direktor beim Vermögensverwalter Per Stirling Capital.

          Die hohe Volatilität
          „Eines ist klar: Die Volatilität ist zurück“, kommentiert Anlagechef Philippe Uzan vom Asset Manager Edmond de Rothschild. Die „Angstbarometer“ VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger widerspiegeln, liegen so hoch wie seit Monaten nicht. Fachleute hatten bereits Ende 2017 eine höhere Schwankungsanfälligkeit der Aktienmärkte vorhergesagt.

          Die Aktienhändler an der New York haben in diesen Tagen viel zu tun.

          Die zu hohen Bewertungen
          „Für Investoren werden sich in der Zukunft noch bessere Einstiegsmöglichkeiten finden“, hebt Michael O’Rourke, Marktstratege beim Brokerhaus JonesTrading hervor. Selbst nach dem jüngsten Kursrutsch sei der S&P 500 noch höher bewertet als im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre.

          Die Veränderungen bei der Fed
          Jerome Powell hat den Staffelstab von der langjährigen Notenbankchefin Janet Yellen übernommen. Experten erwarten zwar, dass der 65-Jährige die Strategie von Yellen fortsetzen wird, die Zinsen stufenweise anzuheben. „Solange aber nicht klar ist, wie die Geldpolitik unter Powell genau aussehen wird, werden die Märkte der Fed keine Vorschusslorbeeren geben“, ist sich Michael Arone, Chef-Investmentstratege bei State Street Global Advisors sicher.

          Das sagt die Charttechnik

          Der Dow Jones hat seinem Allzeithoch vor zwei Wochen bis Donnerstagabend 10,3 Prozent verloren. Dies ist als eine normale Marktkorrektur anzusehen. Der Dow Jones befindet sich aber in einem langfristigen stabilen Aufwärtstrend. Der amerikanische Leitindex notiert noch fast 5 Prozent oberhalb der 200-Tage-Linie, einem Indikator für viele langfristig orientierte Aktienanleger.

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          Der Dax wiederum hat im Augenblick die 200-Tage-Linie leicht nach unten durchkreuzt, kann aber noch auf eine moderate Bewertung verweisen. Das Dax-KGV ist aktuell bei etwas mehr als 14. Zum Vergleich: Das durchschnittliches Dax-KGV der vergangenen 30 Jahre liegt bei 19. Deutschlands Börsenbarometer ist demnach noch günstig bewertet, es kann nur bedingt von einer Überbewertung gesprochen werden.

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