https://www.faz.net/-gv6-9gh1m

Wochenausblick : Keine Spur von Goldenem Herbst an der Börse

  • Aktualisiert am

Die Börse in Frankfurt Bild: DPA

In der kommenden Woche könnte die Hängepartie an der Börse weitergehen. Einige Firmen wie etwa Thyssenkrupp kappten in den vergangenen Tagen ihre Prognosen. Auch wegen der zahlreichen Bilanzen dürfte die Stimmung deshalb gedämpft bleiben.

          Anlegern steht nach Einschätzung von Experten abermals eine trübe Woche bevor. „Der derzeitige Cocktail aus Störfaktoren dürfte die Börsen auch weiterhin beschäftigen“, sagt der Leiter der Vermögensberatung beim Bankhaus Bauer, Thomas Metzger. So lange nicht ein oder zwei der geopolitischen Bremsklötze - wie der Handelsstreit oder die Brexit-Verhandlungen - wegfielen, werde die Hängepartie weitergehen. Der Dax dürfte sich deshalb schwer tun, die Marke von 11.500 Punkten hinter sich zu lassen. Schon in der alten Woche pendelte der Index der 30 größten börsennotierten Firmen in Deutschland um dieses Niveau herum, auf Wochensicht legte er gerade einmal 0,1 Prozent zu.

          Auch wegen der zahlreichen Bilanzen, die in der neuen Woche erwartet werden, dürfte die Stimmung gedämpft bleiben. Viele Firmen kappten in den vergangenen Tagen ihre Prognosen und erwischten Investoren dabei auf dem falschen Fuß - unter anderem sandte Thyssenkrupp Schockwellen durch die Märkte. Die Berichtssaison nähere sich jedoch dem Ende und der Druck auf die Kurse durch solche Umsatz- und Gewinnzielsenkungen nehme ab, erklärt Stefan De Schutter vom Broker Alpha Trading. „Die Frage wird sein, ob sich die Anleger endlich ein Herz fassen und in den letzten sechs Wochen des Jahres noch mal versuchen, das schlechte Dax-Ergebnis dieses Jahres zu verbessern.“ Seit Anfang 2018 verlor der Dax bis jetzt gut 10 Prozent.

          Ein Unsicherheitsfaktor für Investoren sei durch die Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten inzwischen aus dem Weg geräumt, sagt James Athey vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Allerdings werde es noch eine Weile dauern, bis Anleger die wirtschaftlichen Folgen der politischen Spaltung in Amerika konkret verstünden. Die Demokraten haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert, im Senat behielten aber die Republikaner des amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Oberhand. Nun fürchten Experten etwa eine Eskalation im Handelsstreit.

          Italien droht Strafverfahren der EU

          Im Fokus steht in der neuen Woche die deutsche Konjunktur. Die Analysten der DZ Bank rechnen damit, dass die am Mittwoch erwarteten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigen, dass die Wirtschaft im Sommer eine Pause eingelegt hat. „Die Wirtschaftsleistung könnte zwischen Juli und September sogar leicht gesunken sein“, sagt Volkswirt Michael Holstein. Vor allem Schwierigkeiten der Autobranche sowie Schwächen des Baugewerbes und der Einzelhändler hätten belastet. Die EU-Kommission hat schon ihre BIP-Prognosen für 2018 und 2019 gesenkt.

          Besonders wenig Wachstum erwartet die Brüsseler Behörde für Italien, das unter einem riesigen Schuldenberg ächzt. Das südeuropäische Land muss bis Dienstag einen geänderten Haushaltsplan für das kommende Jahr vorlegen, da sonst ein Strafverfahren der EU droht. Der parteilose Finanzminister Giovanni Tria bekräftigte gerade in einer Parlamentsanhörung, dass an den Hauptsäulen des Budgets nicht gerüttelt werde.

          In die Bücher blicken lassen sich aus dem Dax sieben Konzerne, außerdem zahlreiche Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenliga. Infineon, Lanxess und Talanx machen den Aufschlag am Montag. Am Dienstag folgen unter anderem Bayer, Innogy, Uniper und die Aareal Bank. Zur Wochenmitte legen dann aus dem Dax Merck, Linde, RWE und E.ON ihr Zahlenwerk vor. Henkel folgt am Donnerstag.

          Impulse könnten auch aus der Finanzbranche kommen. Bei der Euro Finance Week in Frankfurt geben sich Top-Banker, Aufseher und Politiker ab Montag ein Stelldichein. Am Freitag wird EZB-Chef Mario Draghi erwartet.

          Weitere Themen

          Die Quadratur des Kreises

          FAZ Plus Artikel: Reform der Altersvorsorge : Die Quadratur des Kreises

          Die deutsche Altersvorsorge gilt als komplex, stark reguliert und nicht immer logisch. Anlagen mit negativen Zinsen werfen nicht genug ab. Doch die Deutschen wollen nicht auf Garantien verzichten. Versicherer suchen deshalb nach Kompromissen.

          Topmeldungen

          Konflikt mit Iran : Trumps gefährliches Hin und Her

          Nachdem es zunächst nach Deeskalation aussah, droht Donald Trump Iran abermals. Eine Strategie im Umgang mit der Islamischen Republik ist nicht erkennbar. Trumps Reaktionen haben aber auch innenpolitische Gründe.
          „Eine Art Ideologie, die zu Gräueln in der Historie unseres Planeten geführt hat“: So beschreibt ein ehemaliger Funktionär die Haltung der IAAF gegenüber der standhaften Caster Semenya.

          FAZ Plus Artikel: Fall Caster Semenya : Startrecht nach Kastration

          Die IAAF hat Caster Semenya nach ihrem Sieg in Berlin 2009 eine Operation nahegelegt zur Aufhebung ihrer Laufsperre. Vier Athletinnen unterzogen sich der Tortur. Ein früherer Funktionär spricht von einem Zwangssystem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.