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Finanz-Innovation : Hier kann jetzt jeder Bruchteile von Aktien kaufen

Immer ein großes Hallo: Warren Buffett auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway Bild: Reuters

Der Berliner Neobroker Trade Republic vereinfacht die Geldanlage an der Börse. Damit werden auch teure Aktien für den kleinen Geldbeutel bezahlbar.

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          Ein bisschen neidisch kann man schon werden, wenn alljährlich die Berkshire-Aktionäre nach Omaha zur Hauptversammlung pilgern, um den legendären Investor Warren Buffett und seinen Anlageerfolg zu feiern. Eine Einladung bekommen aber nur die echten Aktionäre. Und die Eintrittshürde ist hoch: Umgerechnet 419.000 Euro kostet derzeit eine A-Aktie, die teuerste Aktie der Welt.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Trade Republic, Berliner Neobroker mit dem Anspruch, die Geldanlage zu vereinfachen und neuen Anlegern zugänglicher zu machen, will der geschlossenen Gesellschaft der teuren Aktien ein Ende bereiten. Von nun an sind auf der Plattform auch Bruchteile von Aktien handelbar. Damit werden Aktien von Berkshire Hathaway, Booking.com oder Chipotle Mexican Grill auch Anlegern zugänglich, die eben nicht Tausende Euro für eine einzelne Aktie ausgeben wollen.

          Der erste Gedanke der 2015 gegründeten Trade Republic galt aber nicht den teuren Aktien, die zugänglich gemacht werden sollen: „Wir schauen uns immer wieder an, an welchen Punkten des Anlageprozesses die Leute stutzen oder gar scheitern“, sagt Trade-Republic-Gründer Christian Hecker. Das sei anfangs die Auswahl eines Börsenplatzes gewesen, weswegen alle Transaktionen von Trade Republic nun grundsätzlich an die Börse Hamburg weitergeleitet werden. Das sei aber auch die Angabe der gewünschten Aktienzahl gewesen. „Die Leute wollen 1000 oder 3000 Euro investieren und nicht rechnen müssen, welche Aktienzahl dem ungefähr entspricht“, sagt Hecker.

          18,7 mal Mercedes

          Seit eineinhalb Jahren habe sein Unternehmen daran gearbeitet, diese Hürde zu umgehen. Nun ist Trade Republic der erste Anbieter in Europa, der den Handel von Bruchteilen von Aktien ermöglicht. Will ein Anleger für 1000 Euro Mercedes-Aktien kaufen, bekommt er nach aktuellen Kursen eben 18,7 Aktien, bei BASF sind es 24,1 und bei Zalando 45,5.

          „Das vereinfacht das Anlegen enorm, die Stückelung war für viele verwirrend“, sagt Hecker. Trade Republic, schon als Wertpapierhandelsbank Bafin-Reguliert, hat dazu nun eine neue Lizenz zum Eigenhandel erworben. Erwirbt ein Anleger nur einen Bruchteil einer Aktie, nimmt Trade Republic den restlichen Bruchteil der Aktie in die eigenen Bücher.

          Dies ist ein erheblicher Unterschied zu anderen Anbietern, die Bruchteile von Aktien über Contracts for Difference (CFDs) abbilden. Dies sind Derivate, keine echten Aktien, und sie haben kein Stimmrecht auf Hauptversammlungen, keine Dividende und sind kein Sondervermögen, sondern Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten und damit im Insolvenzfall Teil der Insolvenzmasse.

          Bei Trade Republic erwerben die Anleger indes echte Aktien mit Stimmrecht, Dividendenanspruch und dem Status als Sondervermögen, das im Insolvenzfall eben nicht Teil der Insolvenzmasse ist, sondern im Eigentum des Aktionärs verbleibt. Bei Schweizer Aktien wird dies indes nicht möglich sein, da diese generell nicht mehr in Deutschland handelbar sind.

          Günstige Handelsgebühren in der Diskussion

          Auch die Transaktionen mit Bruchteilen von Aktien werden bei Trade Republic nur einen Euro kosten, wie alle anderen Transaktionen auch. Der Neobroker finanziert die günstigen Handelskosten durch Provisionen, die er von Handelspartnern für die Zuleitung der Aufträge erhält (Payment for Orderflow). Dieses Geschäftsmodell ist umstritten, Christian Hecker sieht jedoch gute Chancen auf ein Fortbestehen: „Die tschechische Ratspräsidentschaft hat gerade ein Positionspapier verfasst, das unsere Sicht stützt, dass unser Modell im Sinne der Anleger ist.“ Gegenspieler seien die großen Börsen, wie die Deutsche Börse, die mit ihrer Handelsplattform Xetra Monopolist sei und Monopol-Preise verlange, was schlussendlich der Kunde in Form von höheren Preisen bezahlen müsse.

          Trade Republic hat seit seiner Gründung viele junge Anleger erstmals für die Börse begeistern können. Diese erleben in den vergangenen Monaten ihre erste wirklich harte Bewährungsprobe mit deutlich fallenden Aktienkursen. „Wir sind in erster Linie ein Sparplanprodukt“, sagt Hecker. Trade Republic habe so viele Sparplan-Kunden wie alle anderen Banken in Deutschland zusammen, sagt der Gründer, ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen. „Wir legen viel Wert auf die Ausbildung unserer Anleger und wir merken jetzt, dass sie den Zusammenhang von Inflation, Zinsen und Aktienkursen verstanden haben. Sie investieren weiter in Sparpläne und freuen sich eher über die niedrigeren Kurse zum Einstieg, als dass sie in Panik geraten.“ Anders als der amerikanische Anbieter Robinhood, der vom Hype um die Gamestop-Aktie ebenfalls besonders profitiert habe, entwickle sich Trade Republic weiter positiv. „Wir wachsen weiter und haben Zuflüsse beim Anlagevolumen“, sagt Hecker.

          Auch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) können von nun an in Bruchteilen erworben werden, was in Sparplänen schon immer möglich war. Für den Besuch einer Hauptversammlung ist indes auch weiterhin mindestens eine ganze Aktie nötig. Der Omaha-Besuch muss also noch warten, bis der Erfolg am Aktienmarkt auch den Kauf einer ganzen Berkshire-Aktie ermöglicht.

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