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WM-Sponsor : Wer ist nur dieser Wanda hinter Özil?

Der deutsche Nationalspieler Mesut Özil vor einem Werbebanner des chinesischen Sponsors Wanda Bild: EPA

Bei der Fußball-WM stechen die Namen chinesischer Sponsoren ins Auge. Mancher davon dürfte allerdings so bald nicht wieder im Ausland werben.

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          „Jedes Mal, wenn ich Wanda auf der Bande sehe, lese ich Wakanda!“ So twittern derzeit die Fußball-Fans. Doch der Schriftzug in den Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft, neben dem auch chinesische Schriftzeichen prangen, wirbt nicht etwa für das afrikanische Königreich aus dem Marvel-Spielfilm „Black Panther“.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Wanda ist der größte chinesische Immobilienkonzern, der neben Wohnungen auch Tausende Einkaufszentren in der Volksrepublik betreibt. Neben Adidas, Coca-Cola, dem russischen Energiekonzern Gasprom, der arabischen Fluglinie Qatar Airways, Visa und Hyundai/Kia ist er einer der sieben offiziellen Fifa-Partner.

          Nicht-chinesische Fans können mit den chinesischen Marken in den russischen Stadien wenig anfangen. „Ich kauf mir einen 'Wanda' und lege ihn in meinen 'Vivo'“, so spottet es auf Twitter. Vivo, Hersteller günstiger Smartphones, ist im Westen ebenso unbekannt wie Wanda.

          Chinesische Fernsehzuschauer hingegen sind stolz auf ihre Marken in Russland. Während sie bei früheren Fußball-Weltmeisterschaften die Schriftzüge der Sponsoren so wenig verstanden wie so viele andere Bestandteile des vierjährlichen Fifa-Wanderzirkus, ist China zwar sportlich bei dem Wettbewerb nicht vertreten, dafür aber als neue Wirtschaftsmacht unübersehbar.

          Milliardengeschäft mit Sponsoren

          Tatsächlich kann die Fifa froh sein, dass es die chinesischen Sponsoren gibt. Denn die Werbegelder fließen nicht mehr so großzügig wie früher. Von 1,63 Milliarden Dollar, die der Verband in den vier Jahren vor der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien eingenommen hat, ist der Betrag in den vier Jahren vor dem Turnier im Jahr 2018 in Russland auf nur noch geschätzte 1,45 Milliarden Dollar geschrumpft. Dass die Fifa hoffen darf, diese Summe doch noch zu überschreiten, liegt vor allem an den chinesischen Sponsoren wie Wanda, Vivo, dem Billig-TV-Geräte-Produzenten Hisense und dem Milchproduktehersteller Mengniu.

          Während westliche Konzerne wie Continental und Johnson & Johnson der Fifa wegen der vielen Korruptionsskandale den Rücken gekehrt haben, fragen sich nun Milliarden Fernsehzuschauer rund um den Erdball, wer eigentlich diese chinesischen Firmen sind. Dass Wanda etwa schon vor Jahren den Schweizer Sportrechtevermarkter Infront gekauft hat, der die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften der Jahre 2018 und 2022 besitzt, weiß kaum jemand.

          Noch weniger dürfte aber den Fernsehzuschauern das Gerücht geläufig sein, dass der Gründer von Wanda, der ehemals reichste Chinese namens Wang Jianlin, im vergangenen Jahr laut chinesischen Medienberichten von den Behörden daran gehindert wurde, mit seinem Privatflugzeug vom Flughafen Tianjin nahe der Hauptstadt Peking in Richtung London abzuheben.

          Wegen seiner globalen Einkaufstour, bei der sich Wanda unter Wangs Führung so schöne Dinge wie den Schweizer WM-Rechte-Vermarkter sicherte, steht dieser wie andere chinesische Privatkonzerne in China schwer unter Beschuss der Regierung. Schließlich haben die Unternehmen dazu beigetragen, dass die chinesische Wirtschaft einen Schuldenberg aufgetürmt hat, den nicht nur der Internationale Währungsfonds als möglichen Auslöser für eine Finanzkrise bezeichnet hat, sondern auch die eigene Regierung als systemgefährdend eingestuft hat. Dass diese darüber hinaus den Kapitalabfluss als Gefährdung für die Stabilität der Währung Renminbi einstuft, die auch Yuan genannt wird, tut ihr Übriges.

          Wanda-Gründer hat die Zeichen der Zeit erkannt

          Seitdem Präsident Xi Jinping Mitte vergangenen Jahres den Schuldenabbau zu einem der wichtigsten Ziele überhaupt erklärt hat, haben Chinas Privatunternehmen vermutlich viele schlaflose Nächte verbracht. Wer seine Einkaufstour im Ausland nicht rechtzeitig stoppte und vor Peking zu Kreuze kroch, sitzt mittlerweile im Gefängnis wie der Gründer des Versicherungskonzerns Anbang, Wu Xiaohui Wie Wanda hat auch Anbang auf der ganzen Welt für gigantische Summen Unternehmensbeteiligungen angehäuft, darunter das New Yorker Traditionshotel Waldorf Astoria. Vor ein paar Wochen wurde Wie von einem Schanghaier Gericht wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.

          Wanda-Gründer Wang Jianlin hat früher erkannt, dass der politische Wind in Peking sich gedreht hat, und bis auf Infront seine Beteiligungen im Ausland in Windeseile abgestoßen. Auch im Inland hat Wanda zahlreiche Vermögensgegenstände verkauft. Das Ziel, über Vergnügungsparks dem amerikanischen Disney-Konzern Konkurrenz zu machen und diesen sogar aus China „herauszufegen“, wie Wang Jianlin noch im vergangen Jahr im Fernsehen tönte, hat der gestutzte Milliardär mittlerweile begraben.

          Ob die Pekinger Führung den Wanda-Chef aufgrund seiner großzügigen Sponsorenschaft zur Fußball-WM nach Moskau reisen ließ oder noch lässt, ist bisher nicht bekannt. Womöglich muss sich der Mann, dessen Konzern mit seinem Namen so vielen Fans rund um den Erdball Rätsel aufgibt, die Spiele wie Hunderte Millionen Chinesen anschauen: daheim in der Volksrepublik am Fernseher.

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