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Folge des Bilanzskandals : Wirecards Gläubiger sind über den Insolvenzantrag irritiert

Doch wird die Bafin auch in Schutz genommen. So verweist Christoph Schalast, Professor für Wirtschaftsrecht an der Frankfurt School of Finance, darauf, dass es die Bafin gewesen sei, die mit ihren Anzeigen die Sache jetzt ins Rollen gebracht habe.

Die Aufsicht sei vorrangig für die Wirecard Bank zuständig gewesen, aber die Manipulationen seien, soweit bisher bekannt, außerhalb dieser Tochtergesellschaft und wohl auch außerhalb Deutschlands sowie Europas passiert, sagt Schalast. Das erinnert ihn an die Regulierungsarbitrage vor der Finanzkrise 2008, als Banken über Zweckgesellschaften im Ausland gefährliche Wetten eingegangen und deshalb in Schieflagen geraten sind.

Erste Interessenten an Wirecard

Seiner Worten zufolge muss geprüft werden, wie die Aufsicht komplexen Konzernstrukturen wie die von Wirecard besser in den Griff bekommen könne. „Wir brauchen eine stärkere Zusammenarbeit auf internationaler Ebene und das über Europa hinaus“, fordert Schalast.  Doch das sei eine schwierige Frage, weil hier die nationale Souveränität betroffen sei.

Die Vereinigten Staaten hätten im Vergleich zu Europa einmal mehr den Vorteil einheitlicher Strukturen, die eine bessere Kontrolle durch die Aufsicht ermöglichten. Zudem könne die Aufsicht dort mit radikaleren Strafen und Sanktionen abschreckender durchgreifen.

Nur einen Tag nach dem Insolvenzantrag der Wirecard AG gibt es derweil erste Interessenten, die Teile des Münchner Zahlungsabwicklers übernehmen wollen. Darunter sind nach Informationen der F.A.Z.  Privatinvestoren und Private-Equity-Fonds aber auch der Konkurrent Worldline. Der französische Zahlungsverkehrsdienstleister hatte schon zu Beginn dieses Jahres in Frankreich seinen Wettbewerber Ingenico für fast acht Milliarden Euro gekauft. Die beiden französischen Unternehmen sind durch den Zusammenschluss zum größten Anbieter in Europa aufgestiegen.

Offenbar haben die Investoren unterschiedliche Interessen. Werthaltig erscheint bei Wirecard das Geschäft mit europäischen Kunden, sofern diese nicht weiter abspringen. Einige Kunden, darunter die großen Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard überdenken schon ihre Geschäftsbeziehungen mit den Münchnern. Die Wirecard-Bank wiederum, bei der Tausende Privatanleger zuletzt Einlagen von zuletzt 1,7 Milliarden Euro hielten, steht unter Sonderverwaltung der Finanzaufsicht Bafin. Die Behörde will sicherstellen, dass die Bank nicht in die Insolvenz des Mutterkonzerns hineingleitet.

Nach Angaben des bisherigen Wirecard-Vorstands unter Leitung von Interimschef James Freis gibt es eine Bilanzlücke von gut 1,9 Milliarden Euro im Konzern. Zudem hat Wirecard Anleihen über rund 500 Millionen Euro sowie eine Wandelanleihe über 900 Millionen Euro im Umlauf.

Hinzu kommen vermutlich noch Schadenersatzklagen von Aktionären, die durch den Kurssturz der vergangenen Tage hohe Verluste erlitten haben und das Unternehmen auf Schadensersatz verklagen werden. Der Wirecard-Vorstand hatte die Insolvenz auch damit begründet, dass er die Fortführbarkeit des Unternehmens als nicht sichergestellt sah.

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