https://www.faz.net/aktuell/finanzen/wirecard-gericht-friert-markus-brauns-vermoegen-in-millionenhoehe-ein-18090792.html

Gericht friert Vermögen ein : Was passiert mit Markus Brauns Wirecard-Millionen?

Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages im Jahr 2020. Bild: dpa

Ein Münchner Richter verhängt einen Arrest über einen Teil des Vermögens des inhaftierten Wirecard-Vorstandsvorsitzenden Markus Braun. Der jedoch kann einen Teilerfolg erringen.

          1 Min.

          Ein Großteil des Vermögens des ehemaligen Wirecard-Chefs Markus Braun bleibt eingefroren. Ein kleinerer Arrestbefehl, den der Insolvenzverwalter Michael Jaffé erwirkt hatte, wurde am Donnerstag vom Landgericht München I dagegen aufgehoben.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Der vom Gericht bestätigte Arrestbefehl betrifft die Auszahlung eines Darlehens über 100 Millionen Euro an eine in Singapur gegründete Gesellschaft ohne Sicherheiten und trotz Zahlungsrückständen aus einem früheren Darlehen. Zum anderen handelt es sich um die Zeichnung zweier Schuldverschreibungen über 100 Millionen Euro. Von den insgesamt 200 Millionen seien nur 60 Millionen zurück an Wirecard geflossen, wodurch sich die Summe von 140 Millionen Euro ergibt. „Der klagende Insolvenzverwalter konnte zur Überzeugung der Kammer glaubhaft machen, dass Herr Dr. Braun seine Pflichten als Vorstandsmitglied der Wirecard AG verletzt hat“, teilte das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Helmut Krenek mit.

          Das fragliche Darlehen ist auch Gegenstand einer Anklage gegen Braun. Die Staatsanwaltschaft München wirft dem inhaftierten Manager u.a. Veruntreuung von Konzernvermögen über mehrere Hundert Millionen Euro vor. Ein Teil der Summe betrifft den Kredit an die Gesellschaft Ocap, die Wirecard angeblich bei der Abwicklung von Kreditkartenzahlungen helfen sollte, laut Staatsanwaltschaft aber Öltransporte finanziert habe. „Es war erkennbar, dass die Kredite an Ocap einzig dazu dienten, Vermögen aus Wirecard heraus zu schleusen“, heißt es in der Klageschrift.

          Einen Teilerfolg erzielte Braun beim zweiten Arrestbeschluss über 35 Millionen Euro. Diesen Betrag soll Brauns damaliger Vorstandskollege Jan Marsalek per Kreiselüberweisung aus dem Wirecard-Konzern abgezweigt haben, um einen Kredit bei Braun zu begleichen. Braun hatte argumentiert, davon nichts gewusst zu haben.

          Das Gericht hat zudem den Arrestgrund bejaht - also die Gefahr, dass ohne dessen Verhängung die Vollstreckung des Urteils vereitelt oder wesentlich erschwert werden würde, wie es hieß. Die Gefahr ergebe sich vor allem daraus, dass Braun kurz vor dem Zusammenbruch der Wirecard AG über seine Beteiligungsgesellschaft gehaltene Aktien der Gesellschaft veräußert habe.

          Allzu große praktische Bedeutung haben die Entscheidungen des Gerichts indes nicht, da die Münchner Staatsanwaltschaft das Privatvermögen des unter Betrugsverdachts stehenden Managers arrestieren lassen. Faktisch hat Braun also auch keinen Zugriff auf die 35 Millionen Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schröder und die SPD : Nur ein Ausrutscher?

          Die SPD schafft Hartz IV ab, aber Altkanzler Schröder wird sie nicht los. Die Partei versucht, Ballast abzuwerfen. Das ist nicht nur klug. Denn Scholz steht jetzt vor ähnlichen Problemen wie Schröder.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.