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Verbraucherpreise : Wird die Inflationsrate in Deutschland jetzt negativ?

Was man in der Krise so braucht: Grillgeräte und Lebensmittel wurden zuletzt teurer. Bild: dpa

Zum 1. Juli wird in Deutschland die Mehrwertsteuer gesenkt. Wenn die Unternehmen die Steuersenkung weitergeben, wird vieles billiger. Ökonomen schließen zumindest nicht aus, dass die Inflationsrate im Juli deshalb negativ werden könnte.

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          Auch wenn die Inflation in der Eurozone insgesamt in der Corona-Krise fast auf null Prozent abgesunken ist, sind doch merkliche Verschiebungen der relativen Preise zu beobachten. Das zeigen zwei Erhebungen zu teurer gewordenen Alltagsprodukten. So berichtet die Internetvergleichsplattform Idealo über Preissteigerungen für typische Produkte rund um Sommer und Garten im Netz um bis zu 23 Prozent, die so in anderen Jahren nicht zu beobachten gewesen seien. Der Preis für Gartenstühle beispielsweise habe im Mai 14 Prozent über dem Durchschnitt der Monate Mai, Juni und Juli der vergangenen drei Jahre gelegen, Gartentische 12 Prozent und Gartenliegen sogar 23 Prozent. Auch Grillgeräte seien teurer geworden, im Schnitt allerdings nur um 2 Prozent. Für Sonnenschirme kommt das Portal auf eine Preissteigerung um 8 Prozent. Gartenschläuche seien immerhin 21 Prozent teurer geworden. Und auch Fahrradträger fürs Auto seien offenbar wegen häufigerer Urlaube im Inland im Preis gestiegen, und zwar um 13 Prozent. Günstiger geworden ist hingegen Bademode (minus 3 Prozent) – möglicherweise auch mangels Gelegenheit zum Einsatz in vielen Regionen Deutschlands.

          Nahrungsmittel und Grill-Geräte teurer

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch für Lebensmittel gibt es weiterhin einen überdurchschnittlichen Preisanstieg zu vermelden. Die Ökonomen der Universität Stuttgart-Hohenheim haben ihren Chili-Index noch mal aktualisiert, mit dem sie die Preisentwicklung für 70 mögliche Zutaten für das Gericht „Chili con Carne“ seit Krisenbeginn verfolgen. Von Februar bis Mai lag der Preisanstieg für diese Produkte demnach bei 7,5 Prozent, wie Studienautor Jan Swiatkowski ausführte. Zwar habe es zeitweise saisonbedingt auch mal rückläufige Preise für bestimmte Sorten von Obst und Gemüse gegeben, über den gesamten Zeitraum betrachtet aber sei der Trend eindeutig. So stieg der Preis für Hackfleisch in diesem Zeitraum um 4,1 Prozent, der für Karotten um 8,1 Prozent und der für Zwiebeln um 4 Prozent. Um zweistellige Prozentsätze stiegen die Preise für Tomaten (plus 12,8 Prozent), Mais (plus 14 Prozent) und Paprika (plus 14,7 Prozent). Für den Chili-Index werten die Ökonomen große Datenmengen über die Preise von Supermarktketten im Internet aus.

          Mehrwertsteuersenkung könnte Inflation um einen Prozentpunkt senken  

          Vom nächsten Monat an wird nun allerdings die Mehrwertsteuer in Deutschland für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent herabgesetzt – das könnte einige Alltagsgegenstände für Verbraucher billiger machen. „Die Reduzierung der Mehrwertsteuer dürfte die Inflationsrate in Deutschland von Juli an um rund einen Prozentpunkt senken“, hat Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, einmal überschlagen. „Wir sollten im Bereich der Nulllinie rauskommen, mit ein bisschen Rückenwind vom Ölpreis könnte die Inflationsrate für Deutschland im Juli auch negativ werden.“

          Gegen einen noch stärkeren Rückgang spreche, dass nicht für alle Waren und Dienstleistungen Mehrwertsteuer anfalle – so nicht für Mieten, die einen Anteil von 21 Prozent am Warenkorb des Statistischen Bundesamtes hätten. Außerdem dürften viele Unternehmen die Mehrwertsteuersenkung wegen der bedingt durch Corona schlechten Ertragslage nicht vollständig weitergeben.

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