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Windparkbetreiber : Prokon wird in Genossenschaft umgewandelt

Prokon-Gläubigerversammlung in einer Messehalle in Hamburg Bild: dpa

Die Pleite des Windparkbetreibers Prokon hat Kleinanleger viel Geld gekostet. Auf der Gläubigerversammlung haben sich die Anleger nun entschieden, das Unternehmen als Genossenschaft weiterzuführen. ENBW kommt mit seiner geplanten Übernahme nicht zum Zug.

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          Der insolvente Windpark-Betreiber Prokon sucht seine Zukunft auf dem deutschen Energiemarkt als Energie-Genossenschaft. Auf der Gläubigerversammlung auf dem Gelände der Hamburger Messe setzten sich die Befürworter des Genossenschaftsmodells am Donnerstag überraschend klar durch. In allen Gläubigergruppen - von den Genussscheininhabern über Lieferanten bis zu Mitarbeitern - gab es klare Mehrheiten dafür, die Windenergie-Firma als Genossenschaft fortzuführen. Die Zustimmung reichte in den Gruppen von 58 bis zu mehr als 99 Prozent. Damit ist eine Übernahme des Unternehmens, das Windparks plant und 318 Windenergieanlagen in 54 Windparks in Deutschland und Polen im eigenen Bestand hat, durch den baden-württembergischen Energiekonzern ENBW vom Tisch. ENBW-Vorstandschef Frank Mastiaux bedauerte die Entscheidung, zollte der Entscheidung aber auch Respekt. „Nach unserer Überzeugung hätten ENBW und Prokon gut zusammengepasst“, schrieb Mastiaux in einem offenen Brief. „Gemeinsam hätten wir die Windkraft in Deutschland noch stärker voranbringen können“.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Mit der klaren Entscheidung für das Genossenschaftsmodell wurde in Hamburg über die Offerte des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW gar nicht erst abgestimmt. Das Unternehmen aus Karlsruhe hatte den Gläubigern 550 Millionen Euro für die Übernahme von Prokon geboten. ENBW wollte so seine Sparte mit erneuerbaren Energien ausbauen. Die Gläubiger - einschließlich Lieferanten, Banken und Beschäftigten - könnten bei der Übernahme durch den Energiekonzern damit rechnen, 52 Prozent ihrer Forderungen zurück zu bekommen.

          Teilnehmer sagten beim Verlassen der Hallen, dass sich auch Lieferanten oder Mitarbeiter bei einem Genossenschaftsmodell besser stellten. Im Falle der Genossenschaft hätten die Gläubiger dem Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin zufolge 57,8 Prozent gerettet.

          Zu der Versammlung in der Hamburger Messehalle B 6 kamen bei hochsommerlichen Temperaturen deutlich weniger Gläubiger, als der Insolvenzverwalter erwartet hatte. Bis zum Mittag waren rund 2500 Menschen in der Halle, gut 1800 von ihnen waren stimmberechtigt. Sie vertraten rund 40.000 Gläubiger. Allein die angemietete Halle B 6 fasst mehr als 9000 Menschen, die Insolvenzverwalter hatten sicherheitshalber auch eine benachbarte Halle mit 2900 Plätzen gebucht. Das Amtsgericht Itzehoe als Ausrichter der Gläubigerversammlung hatte 80 Justizbeamte auf den Weg nach Hamburg geschickt, um einen ordnungsgemäßen Ablauf zu gewährleisten.

          Zustimmung zum Genossenschaftsmodell war größer als erwartet

          Der Erfolg für das Genossenschaftsmodell zeichnete sich schon recht früh ab. Die vorgelagerte Umfrage, bei der die Inhaber von Genussscheinen befragt wurden, zeigte, dass 37.305 Gläubiger bereit war, ihre Genussscheine gegen Genossenschaftsanteile zu tauschen. Damit hätten sich Anleger mit einem Kapital von rund 866 Millionen Euro bereit erklärt, ihr Kapital in eine Genossenschaft einzubringen, berichteten Teilnehmer dieser Zeitung aus der nichtöffentlichen Versammlung. Die Genussscheininhaber - insgesamt 75.000 - bildeten die große Mehrheit unter den Gläubigern. Die Zustimmung zum Genossenschaftsmodell war damit deutlich größer als erwartet, das Kapital lag weit über der für eine Abstimmung notwendigen Schwelle von 660 Millionen Euro.

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