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Kurs unter Druck : Windeln.de muss noch wachsen

Rettungsfahrzeuge braucht Windeln.de erstmal nicht Bild: dpa

Der Börsenstart des Online-Händlers Windeln.de scheint in die Hose gegangen zu sein. Mittlerweile liegt das Minus bei 23 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis.

          Der Onlinehändler Windeln.de hat am Mittwoch ein schwaches Börsendebüt hingelegt. Bereits der erste Kurs auf Xetra lag mit 18 Euro unter dem Ausgabepreis von 18,50 Euro. Anschließend ging es bis auf 14,95 Euro nach unten. Das war ein Minus von 20 Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis und von 17 Prozent gegenüber dem ersten Kurs.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch am Donnerstag geht es weiter abwärts: Mit einem Minus von 4,8 Prozent ist der Kurs nunmehr auf 14,25 Euro gefallen. Auf diesem Kursniveau ist das Unternehmen an der Börse rund 360 Millionen Euro wert. Mehr als die Hälfte der Anteile liegt aber noch bei den Alteigentümern.

          Jeder Euro Umsatz wird immer noch mit 3,56 Euro bewertet. Das ist eine ganze Menge Holz, auch wenn es auf Basis des Emissionspreises sogar 4,70 Euro waren. Beim Modehändler Zalando, der im vergangenen September an die Börse ging, sind es aktuell 3 Euro - und dessen Kurs liegt aktuell knapp ein Viertel über dem Ausgabepreis.

          Zudem macht Zalando immerhin schon Gewinn, wenngleich das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr bei sportlichen 93 liegt. Andere Online-Händler wie Asos oder Yoox sind ähnlich hoch bewertet.

          Nach Schätzungen der Emissionsspezialisten von Going Public wird der Umsatz von Windeln.de 2015 um 40 Prozent auf 140 Millionen Euro steigen. Damit wäre der Euro Umsatz immer noch mit 2,56 Euro bewertet und die Aktie immer noch teurer als Zalando, wo es 2,40 Euro wären. Zumal Anleger noch länger auf Gewinne warten müssen.

          Zudem fiel der Verlust von Windeln.de 2014 um 2,2 Millionen Euro niedriger aus, weil eine Nachbesserungsvereinbarung mit den Alt-Eigentümern der 2013 übernommenen kindertraum.ch anders bewertet wurde. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rohertragsmarge von 21 auf 23 Prozent gestiegen und der Betriebsverlust von 25 auf 11,6 Prozent gefallen ist.

          Fortschritte sind also durchaus da, allerdings muss die Aktie erst noch in die Bewertung hineinwachsen. Und dabei stellt sich die Frage, inwieweit das Geschäftsmodell nicht kopiert werden kann, insbesondere von einem großen Anbieter wie Amazon.

          Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von einer Sonderkonjunktur aus China, wo Skandale um Babynahrung ein allgemeines Misstrauen gegen heimische Produkte und Händler hervorgerufen haben. 

          Mit dem Börsengang nimmt Windeln.de mindestens 100 Millionen Euro ein; ungefähr noch einmal dieser Betrag geht an die Alteigentümer. Mit dem Erlös will das Unternehmen sein Wachstum finanzieren.

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