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Industriemetalle : Enge Märkte, fallende Preise

Kupfermine in Usbekistan Bild: obs

An den Terminmärkten sind die Metallpreise zuletzt stark gesunken. Eine Inflationsentwarnung ist dies nicht, denn blickt man auf die längerfristige Preisentwicklung, zeigt sich das Problem mehr als deutlich.

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          Geht es aktuell um das Thema Inflation, erfahren Energie- und Nahrungsmittelpreise besondere Aufmerksamkeit. Erdgas kostet in Europa das Fünffache des Durchschnitts der vergangenen sechs Jahre, Mais, Weizen oder Sojabohnen das Anderthalbfache des Durchschnitts der vergangenen 60 Jahre. Doch auch die Preise von Industrieprodukten steigen, zum Teil aufgrund der hohen Energiepreise. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Vorleistungsgüter im Mai gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel gestiegen. Besonders Metalle sind mit einem Plus von 38 Prozent deutlich teurer geworden – Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen kosten im Vorjahresvergleich mehr als die Hälfte mehr, Betonstahl 72 Prozent, Aluminium in Rohform 42 Prozent mehr.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Völlig konträr dazu scheint zuletzt die Entwicklung an den Terminmärkten verlaufen zu sein. An der Londoner Metallbörse sind die Preise in den vergangenen drei Monaten im Durchschnitt um rund ein Drittel gefallen, der Preis von Nickel, das vor allem für die Stahlerzeugung benötigt wird, um mehr als die Hälfte. Allerdings relativiert sich dieser Eindruck beim Blick auf die längerfristige Preisentwicklung. Ausgehend von den Tiefständen, die die Metallpreise im März 2020 erreicht hatten, hatten sich diese zunächst mehr als verdoppelt. Der Preis von Zinn stieg sogar um den Faktor 2,7, der von Nickel um den Faktor 3,4. Was Wunder also, wenn gerade die Preise dieser Metalle zuletzt am stärksten fielen. Unter dem Strich aber liegen die Preise der Indus­triemetalle, abgesehen von Blei, derzeit um mehr als 20 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre, sind also noch weiter teuer.

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